Müll ist nicht immer ein Problem

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So viele Arten von Mülltrennung gibt es: Das lernen die Fünftklässler der Albert-Schweitzer-Schule bei Astrid Geiß.

Groß-Zimmern - Wer durch die Straßen Groß-Zimmerns schlendert, muss nicht lange suchen bis er sie findet: Zigarettenstummel, die wahllos auf den Boden geworfen wurden, Kaugummis, die auf dem Asphalt kleben oder Papierschnipsel, bei einfach achtlos aus der Hand gefallen sind. Von Corinna Hiss

All das ist Müll, der dort liegt, wo er nicht sein soll. „Obwohl es so viele Mülleimer in der Gemeinde gibt, werfen viele ihre Abfälle genau dort hin, wo sie gerade stehen“, empört sich Astrid Geiß, die ehrenamtlich im Auftrag der Gemeinde unterwegs ist und in Klassen und Kindergärten über dieses wichtige Thema spricht. Sie ist es auch, die die Aktion „Zimmern glänzt“ koordiniert, bei der gemeinsam Müll aufgesammelt wird, um wieder eine saubere Gemeinde zu bekommen. Am Donnerstag sprach sie vor der fünften Klasse der Albert-Schweitzer-Schule und bereicherte damit den Erdkundeunterricht der Schüler auf praxisnahe und anschauliche Weise.

Erfreut stellte sie fest, dass Worte wie „Recycling“ oder „Mülltrennung“ für die Fünftklässler kein Fremdwort war. Auch im Klassenzimmer oder auf dem Pausenhof der Gesamtschule wurde mit positivem Beispiel voran gegangen: Überall gab es drei Eimer – für den Gelben Sack, das Altpapier und den Restmüll. „In unserem Landkreis gibt es zusätzlich noch die Biotonne, in die alles hineinkommt, was leicht verrottet“, erzählte sie und ergänzte: „Mülltrennung ist Aufgabe des Landkreises und daher überall unterschiedlich geregelt. Deshalb werden die Bioabfälle noch nicht in ganz Deutschland getrennt, sondern kommen dann in den Restmüll.“

Doch wieso wird sich überhaupt die Mühe mit verschiedenen Tonnen gemacht? Auch darauf wusste die Expertin Antwort: „Müllverbrennung kostet viel Geld und Energie. Deshalb sollte so viel wie möglich wiederverwertet werden. Das passiert zum Beispiel mit den Plastikflaschen, die wir in die Pfandautomaten stecken.“ Was alles richtig getrennt werden kann und soll, erfuhren die Kinder außerdem auch. „Es ist wichtig, dass ihr früh lernt, wieso Glühbirnen nicht in die graue Tonne kommen oder wieso auch Batterien dort falsch sind“ , sagte sie. Das seien übrigens auch Fehler, die den Erwachsenen gerne unterlaufen.

Seit es die Menschheit gibt, produziert sie auch Abfälle. Astrid Geiß gab der Klasse einen historischen Überblick, wie früher mit den Resten, die keiner mehr braucht, umgegangen wurde. Immerhin gibt es die erste Kläranlage bereits bei den Griechen und seit Anfang des 14. Jahrhunderts wird der Müll außerhalb der Städte in öffentlichen Deponien untergebracht. „Es ist wichtig, dass Müll nicht überall herumliegt, denn er stinkt und kann krank machen“, sagte Geiß. Als erschreckendes Beispiel führte sie das Mittelalter an, in dem der Abfall auf den Straßen Ratten anlockte und die Menschen reihenweise am „schwarzen Tod“, der Pest, starben. Heute sei das alles natürlich nicht mehr so tragisch, gäbe aber dennoch zu denken. Ebenso warnte sie davor, zu einer „Wegwerfgesellschaft“ zu werden, wie es in der Wohlstandszeit nach dem Krieg war.

„Mir ist wichtig, dass ich die Kinder mit dem Thema Müll konfrontiere, bevor ihre Hemmschwelle fällt und sie auch alles einfach wegwerfen“, sagte Geiß im Gespräch mit dem Lokalanzeiger. Dass diese Überlegung fruchtet, konnte man in der Albert-Schweitzer-Schule gut sehen: Alle Kinder hörten ihr interessiert zu und viele gaben ihr erstaunlich breites Wissen zu dem Thema an die Klassenkameraden weiter. „Bei uns daheim stehen auch viele unterschiedliche Eimer. Meine Mutter schimpft dann mit mir, wenn ich meine Papierschnipsel nach dem Basteln nicht richtig entsorge, sondern sie in den Restmüll werfe“, erzählte die elfjährige Victoria.

Neben der richtigen Entsorgung von Müll war es Astrid Geiß auch ein Anliegen darüber zu sprechen, wie Abfälle überhaupt vermieden werden können. „Eine Brotdose anstatt Alufolie oder der Stoffbeutel beim Einkaufen anstatt die Plastiktüte sind gute Ansätze, die langfristig Wirkung haben“, appellierte sie an die Schüler. Denn: Alles recyceln der Welt ist nur halb so viel Wert wie von Beginn an bewusst darauf zu achten, wo konkret Müll vermieden werden kann!

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