Viele Zimmerner haben die eigene Tasche dabei

Naht das Ende der Plastiktüte?

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Jennifer Rapp vom Kaufhaus Enders in Dieburg bietet als Alternative modische Tragetaschen an.

Groß-Zimmern - Im Jahr benutzt jeder Deutsche im Schnitt 71 Plastiktüten. Was praktisch für den Verbraucher ist, bedeutet für die Umwelt eine Katastrophe. Bisher kosten Plastiktaschen nur im Supermarkt Geld. Von Florian Rieger

Damit in Zukunft weniger Kunststoffmüll anfällt, soll für die Mehrheit der Tüten auch im Einzelhandel ab April gezahlt werden. Als erstes Ziel seien 60 Prozent angepeilt, in zwei Jahren wolle man bereits bei 80 Prozent angelangt sein. Das teilte der Handelsverband Deutschland (HDE) mit. In den Zimmerner Geschäften wird der freiwillige Pakt zwischen dem Handelsverband und dem Bundesumweltministerium noch weitestgehend passiv wahrgenommen. Man wisse zwar, dass größere Handelsketten wie Tchibo, Deichmann oder Karstadt bereits mit guten Beispiel voran gegangen seien, man selbst sei jedoch noch nicht dazu übergegangen, wolle noch abwarten.

Für den Lebensmittelmarkt Tegut in der Waldstraße spielen Plastiktüten ohnehin keine Rolle mehr. Der Konzern setzt seit längerer Zeit auf Nachhaltigkeit und legt seine Unternehmensphilosophie danach aus. „Wir haben verschiedene Arten von Wollbeuteln und Papiertüten im Angebot, die etwas mehr als nur zehn Cent kosten, aber dafür auch hochwertiger sind. Für größere Einkäufe gibt es eine klappbare Pappkiste, die optimal für den Kofferraum geeignet ist”, so der Filialleiter. Auf www.tegut.com findet man zudem weitere Tipps für den Alltag, um den eigenen Lebensstil umweltfreundlicher und nachhaltiger zu gestalten.

Das Modehaus Belmodi in Groß-Zimmern setzt bereits auf nachhaltige Tragetaschen, wie auf dem Boden zu lesen steht. Fotos: Rieger

Das Modehaus Belmodi, das sich gleich in der Nähe befindet, will zwar weiterhin kein Geld für Tüten verlangen, hat aber vor kurzem in all seinen Geschäftsfilialen auf nachhaltige Tragetaschen umgestellt. Diese sehen aus wie herkömmliche Plastiktüten, bestehen aber aus sogenanntem „grünen Polyethylen”, das aus dem nachwachsenden Rohstoff Zuckerrohr gewonnen wird. Dadurch werden deutlich weniger fossile Rohstoffe verbraucht. Die Tragetaschen sind damit zu 100 Prozent recyclebar und somit umweltschonend. Der Buchladen Lesezeichen in der Jahnstraße will ab dem 1. April Geld für Plastiktüten verlangen. „Meine Chefin hat mir schon einen Zettel an die Kasse gelegt, dass die Tüten ab Anfang April etwas kosten”, sagt die Verkäuferin der Buchhandlung und ergänzt, dass gut die Hälfte der Kunden jedoch ohnehin schon eigene Taschen dabei hätten. „Das sind aber eher die Älteren. Die Jugend greift immer noch gerne zur Plastiktüte”, so die Angestellte.

Bei genauerem Hinsehen und einem forschende Blick in die Straßen von Zimmern bestätigt kann man beobachten, dass ein Großteil der Passanten mit eigenen Einkaufskörben, Baumwolltaschen oder Trolleys unterwegs ist, um die Einkäufe zu transportieren. Eher selten erblickt man hier und da noch die ein oder andere Plastiktüte. Ein älterer Herr , der mit eigener Einkaufstasche unterwegs ist, meint: „Man sollte überall Geld für Plastiktüten verlangen, ruhig auch mehr, so zwei oder drei Euro. Wenn man sich diese riesigen Plastikinseln im Meer anschaut, da ist es doch höchste Eisenbahn.”

Auch Christine Jäger aus Groß-Zimmern hat ihre eigene Einkaufstasche dabei. Sie befürwortet die kostenpflichtigen Plastiktüten ebenfalls: „Das ist auf jeden Fall ein Schritt in die richtige Richtung. Am besten wäre natürlich, vollständig auf Plastik zu verzichten und auf Papier- oder Stofftaschen umzusteigen. Freikaufen kann man sich mit den zehn Cent pro Tüte nämlich nicht.”

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