Gemeinschaft und Hilfe in Reparaturcafé und Nähwerkstatt

Lieber reparieren anstatt entsorgen

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Beim Reparaturcafe werden nicht nur elektrische Geräte wieder funktionstüchtig gemacht, auch textile Schäden können gleich vor Ort von den Besitzerinnen repariert werden.

Groß-Zimmern - Kontakte will man im Reparaturcafé knüpfen, aber vor allem der Wegwerfmentalität entgegen wirken. Oft werden elektrische Geräte einfach so entsorgt, obwohl sie gar nicht so alt sind und auch noch gut aussehen. Von Ulrike Bernauer 

Besitzer gehen oft davon aus, dass die Reparatur zu teuer wäre, auch wenn die Funktionsfähigkeit nur minimal beeinträchtigt ist.  Abhilfe kann das Reparaturcafé schaffen. Einmal alle vier Wochen, immer am letzten Dienstag im Monat – die genauen Termine werden im LA angekündigt – findet es im Mehrgenerationenhaus (MGH) statt. Roland Hillgärtner und Bernd Gruneberg sind die Ansprechpartner. Gedacht ist das Ganze eigentlich so, dass sie gemeinsam mit den „Kunden“ Hand anlegen und die Besucher lernen, wie es geht. Das funktioniert allerdings mitunter nicht.

Maria Neumann hat eine Nähmaschine mitgebracht, die zwar noch näht, allerdings bei dicken Stoffen schwergängig ist. „Soll ich der älteren Dame nun einen Schraubenzieher in die Hand drücken?“, fragt Hillgärtner, der sich selbst als Universalist bezeichnet und wohl so ziemlich alles reparieren kann. Neumann schaut zu wie Hillgärtner die Maschine öffnet und versucht der Schwergängigkeit auf den Grund zu gehen. Eine andere Kundin, Helga Lindner, hingegen darf ihr funktionsuntüchtiges Rührgerät ausnahmsweise dalassen. Das Gerät gehört dem evangelischen Kindergarten und so drückt der Reparateur ein Auge zu, weil die Kindergartenleiterin zu wenig Zeit hat, ihm zur Hand zu gehen. „Die Leute sollen etwas lernen und vielleicht auch in Kontakt kommen“, wünscht sich Hillgärtner, der das Rührgerät nun zu Hause in aller Ruhe untersuchen will. Sehr unterschiedlich war das Reparaturcafé bis jetzt besucht. Seit August 2014 besteht es und mal rannten die Interessenten den Helfern die Bude ein, mal blieb es relativ ruhig. Das ist schon erstaunlich, weil für Reparaturen kein Obolus erhoben wird, auch wenn sich Hillgärtner über eine Spende freut. Er arbeitet ehrenamtlich, erhält also keinen Lohn für diese Tätigkeit. Kosten fallen lediglich an, wenn Ersatzteile bestellt werden müssen.

Das ist auch einer der Gründe, warum Hillgärtner möchte, dass die Besitzer dabei bleiben. Nur sie können schließlich entscheiden, ob sie in das defekte Gerät noch etwas investieren wollen. In einem anderen Raum des MGH rattert es. Hier haben sich Petra Troike und Brigitte Bassenauer mit einigen Frauen vor Nähmaschinen nieder gelassen. Auch hier geht es Hilfestellung bei beschädigten Gegenständen, allerdings textiler Art. „Wir zeigen, wie man ein Loch stopft, eine Naht wieder schließt oder insgesamt Kleidungsstücke flickt und wieder tragfähig macht“, sagt Petra Troike, die zusammen mit Mahvash Bahadori die Gruppe leitet. „Zu uns kann jeder kommen, der Rat und Hilfe braucht“, so Troike. Auch hier ist die Resonanz sehr unterschiedlich. Mal sind viele Frauen da, mal ist es eher ruhig. Zwar sind heute vier Maschinen besetzt, insgesamt kann das MGH aber über sechs Maschinen verfügen. Bis auf eine Näherin, sind die anderen Frauen aber eher zum Helfen da für die Kundinnen, die hoffentlich beim nächsten Mal reichlicher kommen. Dari Fachatar lässt sich gerne helfen, sie bekommt Kniffe beim Kissennähen gezeigt. Die anderen beschäftigen sich, indem sie Textilien, wie Platzdeckchen oder Vorhänge für das MGH nähen. „Man muss lediglich sein kaputtes Kleidungsstück und die entsprechenden Materialien mitbringen, die Maschinen stehen hier und wir stehen mit Rat und Tat zur Seite“, sagt Bassenauer.

Geöffnet haben Reparaturcafé und die Nähstube von 17 bis 20 Uhr. Diese späte Uhrzeit wurde gewählt, um auch Berufstätigen den Besuch zu ermöglichen. Der nächste Termin ist am Dienstag, 28. April, wo entweder die Nähmaschine angeworfen werden kann, oder zusammen mit Hillgärtner, Schraubenzieher und Zange zum Einsatz kommen können.

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