Turbulentes Mittelalter mit tollen Pferden

Das Gute siegt beim Ritterturnier

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Beim Turnier messen sich die Ritter in unterschiedlichen Wettkämpfen. Hier müssen in vollem Galopp Ringe aufgespießt werden.

Groß-Zimmern - Tummelten sich noch eine halbe Stunde zuvor die Besucher des Ritterspektakels auf dem Markt und in den verschiedenen Lagern, so ist es dort inzwischen relativ leer. Dafür ist der Turnierplatz umringt von Menschen, die die Pferde, Rüstungen und großartige Stunts sehen wollen. Von Ulrike Bernauer 

Verpackt ist die Show in eine Geschichte, die wie in einem Märchen zwischen Gut und Böse polarisiert. Und natürlich siegt am Schluss das Gute, wie es sich für ein wenn in diesem Fall auch martialisches Märchen gehört.  Besonders Pferdenarren kommen voll auf ihre Kosten. Schon die Tiere allein sind eine Augenweide und atemberaubend sind die Stunts, die die Reiter vollführen. Da werden Ringe aufgespießt, eine Sau aus Plastik wird attackiert, die von vielen Turnieren so mitgenommen ist, dass sie nur noch gestützt stehen kann, und zum Schluss auch wird Mann gegen Mann mit der Lanze gekämpft. So mancher der Recken wird vom Pferd geholt und landet kopfüber im Staub, darunter amSamstag auch der König, der vom schwarzen Ritter keine Chance erhält und nicht zum Lanzenduell antreten darf. Mit einer Eisenkugel wird er hinterrücks von der schwarzen Maid aus dem Sattel gehauen. Untypisch für ein Ritterspektakel, hier sitzen die Damen nicht nur auf der Bühne und applaudieren. Die Fürstin und die schwarze Reiterin, in sehr knapp geschnittener Robe, mischen kräftig mit.

Trotz der unfairen Mittel, die das schwarze Fürstenpaar ausübt, die vom Publikum regelmäßig mit Buh-Rufen und Pfeifen quittiert werden, siegt am Ende das Gute, was die Zuschauer, die zwischendurch den Darstellern viel Handgeklapper (Applaus) gönnen, wieder zufrieden stellt. Dennoch sind beim anschließenden Fotoposing auch die Bösen gern gewählte Darsteller. Für ein Entgelt dürfen sich die Kinder auf eines der Schlachtrösser setzen und werden von ihren Eltern fotografiert. Die Reiter stehen natürlich daneben. Samuel wollte unbedingt auf dem Pferd der schwarzen Gräfin sitzen. Gefragt, warum er sich diese Darstellerin ausgesucht hat, offenbart er, dass ihm dieses Pferd am besten gefallen hat. Samuel und sein Vater Marcel Riedling kommen aus Darmstadt. Sie sind schon zum zweiten Mal beim Ritterspektakel in Groß-Zimmern und es gefällt beiden sehr gut. „Ich bin hauptsächlich wegen meines Sohnes hier“, sagt Riedling. Auch neben dem Turnier gibt es etliches zu sehen. An den Verkaufsständen gibt’s Getöpfertes, aber auch handgemachte Seife oder kleine Holzschwerter und Schilder.

Großes Ritterspektakel in Groß-Zimmern: Alle Bilder

Bilder vom Ritterspektakel in Groß-Zimmern

Annika Hess kommt mit ihrer Familie aus Rödermark. Sohn Emil will ein Schwert haben und einen Schild . „Ich hoffe, dass er damit etwas auftaut, denn noch hat er Angst vor den Rittern.“ Hess macht es Spaß, den Mittelaltermarkt zu besuchen und die ganze Familie freut sich auf das Turnier. Am Abend wartet auf die Zuschauer ein weiterer Höhepunkt: die Feuershow. Gemeinhin heißt es ja, Pferde scheuten das Feuer. Hier kann man sich vom Gegenteil überzeugen lassen. Horst Bulheller, Veranstalter des Turniers und selbst grandioser Reiter, entzündet per Pferd die Feuerpfannen auf dem Platz und erntet später viel Applaus als er mit einer hochrädrigen Kutsche, die mit zahlreichen Fackeln bestückt ist, auf dem Platz Kreise fährt. Selbst Pony Kelly, das an diesem Abend Geburtstag hat und vom Publikum ein Ständchen gesungen bekommt, hat keine Angst im Feuerkreis. Anschließend werden Stunts auf dem Turnierplatz gezeigt, bei denen sich Reiter in vollem Galopp von ihrem Tier schwingen, seitlich mitgetragen werden oder auf dem Rücken ein paar Kunststücke vollführen. Der Applaus will kaum ein Ende nehmen, auch wenn die Nacht kalt ist. Nach und nach verabschieden sich die Besucher dann doch von dem mittelalterlichen Tag und nach zwei Turnieren und der Feuershow sind auch die Akteure ziemlich geschafft.

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