„31 Sache, die en Zimmerner gemoacht häwwe muss“

Einen Gänsefuß im Haus haben und die Hymne singen

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Von 1927 bis 1941 erschien der „Groß-Zimmerner Anzeiger“. Er wurde von Ernst Berger in der Güterstraße herausgegeben und verlegt. -

Groß-Zimmern - Es gibt etliche Dinge, die ein Groß-Zimmerner wissen oder mal getan haben sollte. Angeregt von ähnlichen Ratgebern, schreibt Heimatforscher Dr. Manfred Göbel derzeit an seinem neuesten Werk „31 Sache, die en Zimmerner gemoacht häwwe muss“. Von Gudrun Fritsch 

Natürlich gibt es mindestens noch 100 weitere Punkte, die in diese Kategorie passen würden. Aber Göbel erhebt bei seiner Auflistung keinen Anspruch auf Vollständigkeit. „Ich habe mich hingesetzt und die Dinge aufgeschrieben, die mir spontan eingefallen sind“, beschreibt er die Idee für das Buch. In der für Oktober/November geplanten Veröffentlichung sollen markante Orte und Besonderheiten Groß-Zimmerns aufgezeigt und ins Bewusstsein gerufen werden.

Und weil Göbel auch Vorsitzender des Orgelfördervereins ist, will er durch den Verkauf dieses Buches die geplante Anschaffung der neuen Orgel für die Pfarrkirche unterstützen. Folglich hat er alle örtlichen Firmen angeschrieben, so dass sie in dem Werk an passender Stelle für sich werben können. Einnahmen, die für die Produktion des Buches verwendet werden, und sofern etwas übrig bleibt, ebenfalls dem Orgelprojekt zugute kommen sollen. Bis Ende Juli sollten die Anzeigen vorliegen, denn in den Sommerferien hat Göbel, von Beruf Lehrer und Leiter der Edith-Stein-Schule in Darmstadt, endlich Zeit, die Geschichten aufzuschreiben. „Am Anfang steht das Inhaltsverzeichnis“, beschreibt er Aufbau und Vorgehensweise. An Ideen und Geschichten zur Ausarbeitung fehlt es Göbel nicht. Zum Thema „Im Ort un drimmerim“ erscheint beispielsweise: „Vum Wasserwerk uff Zimmern geguckt häwwe...“ oder „In de August-Göbel-Hütte gesotze häwwe..“ und „Iwwer alle Gersprenzbrigge gelaafe soi.“

Weitere Kategorien sind „Esse und trinke“. Appetitanregend geht es in diesen Kapiteln unter anderem um „Gickel mit Fillsel, Markkläisjesupp und Quätschekuche.“ Zu den folgenden „Basics“ gehört natürlich die Nationalhymne sowie „fehlerfrei Ouwerouer soue kenne“. Und von herausragender Bedeutung ist „Es Bläädsche gelääse häwwe.“ Selbstverständlich wird der Kerb ein eigener, ausführlicher Teil gewidmet. Zuletzt geht es dann ums „Oikaafe.“ Im Anschluss daran benennt Göbel die 31. Sache: „Die Zimmerner Geschäftswelt unnerstitze“. Hier wird zuerst ein Rückblick auf die Entwicklung des örtlichen Gewerbes gegeben, unter anderem auf die großen Gewerbeschauen nach den Zweiten Weltkrieg. Danach sollen Hinweise zur heutigen Gewerbestruktur in Groß-Zimmern das Kapitel abrunden.

Ein Anzeigenteil wird sich anschließen, in dem die Veröffentlichung von Annoncen geplant ist. „Selbstverständlich erhalten Inserenten auch eine Spendenquittung sowie nach Drucklegung ein Belegexemplar“, betont Göbel. Mit einer „To-Do-Liste“, auf der einzelne Punkte als erledigt abgehakt werden können, endet das Buch. Wenn alle Punkte erledigt sind, kann man einen Brief an den Kerbverein schreiben und sich als echten Zimmerner registrieren lassen.Als Vorgeschmack bietet Göbel eine kleine Leseprobe.

„Es Bläädsche gelääse häwwe“

„Dodehinner steckt immer oan Kopp“, heißt es in der Einleitung: „Es Bläädsche“ (hochdeutsch: „Das Blättchen“) – das ist die liebevolle Bezeichnung der Groß-Zimmerner für ihre Heimatzeitung, den „Groß-Zimmerner Lokal-Anzeiger“. Dieser erscheint aktuell im 64. Jahrgang, die Geschichte der örtlichen Zeitungen reicht jedoch weiter zurück.

1981 veröffentlichte der Lokal-Anzeiger die Titelseite der Zeitung „Oeffentl. Anzeiger“ vom 11. Juni 1930. Gemäß ihrem Titel wurde sie von Ernst von Linsingen verlegt; die Schriftleitung hatte Fritz Prange. Wie lange der „Öffentliche Anzeiger“ erschien ist nicht feststellbar, da er in dem vom Historischen Verein für Hessen herausgegebenen „Bestandsverzeichnis hessischer Zeitungen“ nicht erfasst ist.

Dort ist jedoch der „Groß-Zimmerner Anzeiger“ verzeichnet, der von 1927 bis 1941 erschien. Er wurde von Ernst Berger in der Güterstraße herausgegeben und verlegt. Leider ist auch von dieser Zeitung kein Bestand erhalten, doch dürfte in den örtlichen Haushalten noch so manche Ausgabe bei alten Fotos in halb vergessenen Schuhkartons vorhanden sein. Wie es ab 1950 weiter ging, lesen Sie im LA in der kommenden Woche.

Die Meldung von Anzeigen ist möglich bis zum 31. Juli beim Orgelförderverein St. Bartholomäus, zu Händen von Manfred Göbel, Darmstädter Straße 48, 64846 Groß-Zimmern, Fax: 749730.

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