Auftrag vergeben: „Im Schlädchen“ können die Erschließungsarbeiten bereits im Juni beginnen

Grundstückspreise mit sozialer Komponente

Groß-Zimmern - „Läuft das immer so ab?“, fragte ein Zuschauer nach der Gemeindevertretersitzung am Dienstag. Von Gudrun Fritsch 

Er war erstaunt über die Harmonie im Parlament und darüber, dass alle Beschlussvorschläge zuletzt ohne große Diskussion von einer klaren Mehrheit befürwortet wurden – wenngleich dabei mal CDU- und SPD-Fraktionen einer Meinung waren und mal die CDU mit den Grünen.

Eingangs begrüßte der Vorsitzende der Gemeindevertretung Manfred Pentz (MdL) das neue CDU-Fraktionsmitglied Hannes Eckhardt. Zügig ging es dann an die lange Tagesordnung. Beschlüsse galt es hauptsächlich in Bauangelegenheiten zu fassen. Unter anderem ging es darum, dass einige gemeindeeigene Grundstücke im „Schlädchen“ zum Preis von 250 statt 270 Euro pro Quadratmeter an Bewerber verkauft werden sollen, die einem Katalog mit „sozialen“ Kriterien entsprechen. Dabei war der fraktionslose Kurt Werdecker (FDP) als einziger gegen diesen Verzicht auf potenzielle Einnahmen von rund 6.000 Euro. „Aus Gründen der Haushaltsdisziplin“, wie er betonte.

Für das seit Jahrzehnten in der Diskussion befindliche Gebiet zwischen dem Ortsrand und „Alter Ziegelei“ besteht inzwischen Baurecht. Der Bebauungsplan weist fünf Grundstücke an der Darmstädter Straße für Mehrfamilienhäuser sowie weitere acht für Doppelhaushälften und 36 Grundstücke für Einzelhausbebauung aus. Der Auftrag für die Erschließungsarbeiten wurde im April vergeben. „Zu einem Preis, der gut 200.000 Euro unter der kommunalen Schätzung von knapp einer Million Euro liegt“, teilte Bürgermeister Achim Grimm den Parlamentariern mit. Im Juni könne bereits mit ersten Arbeiten begonnen werden. Für die 44 Grundstücke, auf denen Einzel- und Doppelhaus-Bebauung möglich ist, stehen inzwischen 150 Bewerber auf der Liste.

Gute Chancen, auf Kriterienkatalog zu verzichten

Rein fiskalisch betrachtet hätte die Gemeinde gute Chancen, auf einen Kriterienkatalog für die Vergaben zu verzichten und die Einnahmen durch den Verkauf an Meistbietende zu erhöhen. Das soll jedoch nicht sein, und so wurde an Preisen von 270 Euro pro Quadratmeter für „normale“ Parzellen, 290 Euro für Mehrfamilienhaus-Bauplätze und 310 Euro für zwei „Filetstücke“ in Feldrandlage festgehalten. Werdeckers Vorschlag, den Bewerbern die Hälfte der Grundstücke in Erbpacht auf 99 Jahre, mit einem jährlichen Erbpachtzins von 3,5 Prozent des Kaufpreises zu überlassen, fand außer ihm selbst keine Befürworter.

Die Grünen hingegen waren mit ihrer Initiative erfolgreich, einen Teil der gemeindeeigenen Bauplätze zu einem Preis von 250 Euro pro Quadratmeter zu vergeben, wobei für die Vergabe die Anzahl der unterhaltspflichtigen Kinder und das Einkommen Kriterien sein sollen. Letztlich wurde im Bauausschuss der vergünstige Kaufpreis für die sechs kleinsten Grundstücke für Doppelaushälften und die vier kleinsten Grundstücke für frei stehende Wohnhäuser festgelegt. Für alle anderen Grundstücke bleibt es bei den bisherigen Preisfestlegungen.

Da es aber bereits mehr Bewerber als Grundstücke gibt, greift bei der Vergabe ein zusätzliches Kriterium: die Zahl der unterhaltspflichtigen Kinder. Schließlich soll die Gemeinde auch zwei Grundstücke für Mehrfamilienhäuser zunächst für Zwecke des sozialen Wohnungsbaus zurückhalten. „Derzeit läuft der Straßenendausbau an der Alten Ziegelei auf Hochtouren“, teilte Bürgermeister Grimm mit. In den nächsten sechs Wochen müsse noch mit Behinderungen gerechnet und der Verkehr teilweise über Feldwege umgeleitet werden.

Die Investoren Aumann und Früchtenicht könnten an der Alten Ziegelei demnächst mit der Anlage des geplanten Spielplatzes beginnen. Ungünstig sei dabei jedoch die Zeitverschiebung, denn im Schlädchen soll direkt angrenzend ebenfalls ein Spielplatz entstehen. „Wieso lassen Sie nicht gleich den Spielplatz auf beiden Baugebieten herstellen? Dann ist diese Arbeit eben als erstes erledigt“, riet Peter Eickhoff von den Grünen. Nach kurzem Grübeln hielt auch Grimm diesen Vorschlag für vernünftig und sagte zu, in der kommenden Woche mit der Firma darüber reden zu wollen.

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