1. Mai: Viel los in Zimmern

Brüder zur Sonne, zu Backfisch und Bratwurst

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Zum Maifest der Groß-Zimmerner Feuerwehr sind viele mit dem Fahrrad gekommen. Hier hieß es: Bruder zur Sonne, zur Bratwurst.

Groß-Zimmern - Es ist für die Veranstalter gewiss nicht einfach zu kalkulieren gewesen, wie es sich auswirkt, wenn der 1. Mai – so wie in diesem Jahr – ein Brückentag ins Wochenende wird. Und dazu kam am Freitag auch noch manch ein fragender Blick gen Himmel. Von Klaus Holdefehr 

In Dieburg wurde bei der Gewerkschaft lange darüber diskutiert, ob das Rednerpult im Zelt bleibt oder doch zu den Menschen im Freien sollte. Aber an den meisten Orten waren bis zur Mittagszeit doch noch viele Menschen erschienen. Auch in Zimmern konnten die meisten Veranstalter eine positive Bilanz ziehen.  Nachdem inzwischen auch das IG-BCE-Ortskartell seine politische Matinee zum Tag der Arbeit eingestellt hat, gibt es am 1. Mai im einst so roten Zimmern keine einzige politische Veranstaltung mehr. Und von den Zimmerner Genossen, die ja gerne gemeinsam in den Mai radeln, war keiner bei der Maikundgebung des DGB in Dieburg auszumachen, während die Parteikollegen aus Münsterer die Veranstaltung immerhin mit sieben „Rothäuten“ bereicherten.

Sie hörten vom GEW-Landesvorsitzenden Jochen Nagel eine recht kämpferische Rede mit dem überraschenden Einstieg einer Verteidigung Griechenlands gegen die paneuropäische Austeritätspolitik. Nagel zeichnete auch die Konsequenzen nach, die diese Politik im Inneren mit Schuldenbremsen und den litaneienhaft wiederholten Forderungen nach Defizit- und Schuldenabbau hat. Dass er mit der bildungspolitischen Forderung nach gleichen Chancen schloss, liegt in der Natur seiner Funktion.

Hoffest bei Weske

Szenenwechsel. Bei Weske in Klein-Zimmern ist an diesem Tag das erste Hoffest. Begrüßt wird man mit einem Werbeprospekt für Tupperware, im Hintergrund brummt und dampft der Thermomix. „Revolutionär“ sind dabei allenfalls die Gebrauchswert-Eigenschaften der angebotenen Produkte, denn unübersehbar findet hier vor allem eine Verkaufsschau statt. „Das ist unser erstes Klein-Zimmerner Hoffest“, erklärt Susi Weske. „Hier sind Direktvertriebler, Frauen, die engagiert sind, Beschäftigung für alle, familienfreundlich. Die Eltern können in Ruhe sitzen und essen. Ich habe mir das schon länger überlegt, aber dieses Jahr habe ich meinen Reitsportladen eröffnet, das war dann der letzte Anstoß.“ Der Proviant kommt vom Racing House, damit gilt: Brüder zur Sonne, zum Hamburger.

Die Wurst genießt Jannis Heider mit reichlich rotem Ketchup. Foto: Holdefehr

Mit der Sonne ist das so eine Sache. Schemenhaft lässt sie sich hinter dünnen Wolken erahnen. Warm ist es nicht, und an den Anglerteichen zwischen Groß- und Klein-Zimmern kommt noch die Feuchtigkeit hinzu. Hier gilt: Brüder zur Sonne, zum Backfisch. Oder zur geräucherten Forelle, die als besondere Spezialität angesehen wird und am frühen Nachmittag ausverkauft ist. Es ist eine Veranstaltung der Anglerjugend, zu der gehört Raven Rapp, und der bilanziert. „Es läuft sehr gut, trotz des Wetters. Wir haben jetzt schon zehn Prozent mehr verkauft als im Vorjahr.“ Der Getränkestand ist in den Händen von vier Vereinsjugendlichen, um das Essen kümmern sich die Erwachsenen. Es gibt noch Sitzplätze zwischen den Teichen, aber es sind viele Leute da, um diese Tageszeit zwischen Backfisch und Backwaren. Auch nebenan beim Schäferhundeverein ist Betrieb. Es scheinen auch Hunde willkommen, die ganz und gar nicht aussehen wie ein Schäferhund. Der 1. Mai als Tag der Promenadenmischung.

Am immer noch beeierten Brunnen vor der evangelischen Kirche macht ein Kerbjahrgang Station, den Flaschenhals am Mund, den Vorrat im Bollerwagen, das alles verbunden mit einer gewissen akustischen Präsenz. Ruhig ist es hingegen an der Birkenruh. Das impliziert ja schon der Name dieses OWK-Freizeitgeländes im Zimmerner Wald. Dabei sind durchaus einige Besucher da, und die Wanderer auf der langen Schneise lassen sogar noch auf Zuwachs hoffen. Vor der Bewirtschaftungshütte sitzt eine gemütliche Runde. Zur dieser nachmittäglichen Stunde gilt hier: Brüder, zur Sonne, zum Kuchen. Erika Neumann vom Wanderverein berichtet von den Schwierigkeiten mit der Birkenruh: „Mit den letzten Pächtern hat es nicht so recht funktioniert. Jetzt haben sich ein paar Freiwillige bereit erklärt, den Kiosk an Sonntagen von 11 bis 18 Uhr zu öffnen - außer an unseren Wanderungen. Ein bissl was wollen wir damit auch verdienen – etwa für Reparaturen an den Spielgeräten.“

Letzte Station: Feuerwehr

Letzte Station: die Feuerwehr in Groß-Zimmern, deren Gelände sich schon ganz traditionell zum 1. Mai in einen Biergarten verwandelt. Die Summe der Zweiräder am Eingang belegt: Es ist auch der Tag der Radtouren. Da viele Menschen an diesem Tag ihre Freiluftsaison eröffnen und Wahrnehmung sowie Muskeln darauf erst eingestellt werden müssen, gilt der Tag der Arbeit Unfallforschern übrigens als der gefährlichste Tag des Jahres.

Die Feuerwehr musste keinen entsprechenden Einsatz verzeichnen, hat allerdings viel zu tun bei ihrem Fest, denn es ist gut besucht. Das sei auch schon am Vorabend beim Tanz in den Mai so gewesen, versichert Feuerwehrsprecher Tobias Lang. Ansonsten: „Alles gut.“ Die Feuerwehr versteht sich natürlich auf die Zubereitung von Fleisch über offener Glut. Auch zwischen Nachmittag und Abend ist die Nachfrage groß. Und so gilt hier: Brüder zur Sonne, zur Bratwurst.

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