Pakt für den Nachmittag

Viel mehr als nur Hausaufgabenhilfe

+
Schulleiter Axel Pucknat und seine Vertreterin Christine Rohner (Dritte von rechts) verabschiedeten sich von Ilona Braun, Helga Sattler, Annika Jung, Andrea Jung und Stephanie Dreieicher, die in den letzten Jahren die Hausaufgabenbetreuung an der Friedensschule übernommen hatten.

Groß-Zimmern - „Wir bedauern die Schließung der Hausaufgaben- und Integrationshilfe der Volkshochschule (VHS) sehr“, sagt der Schulleiter der Friedensschule, Axel Pucknat, am Montagmittag. Von Ulrike Bernauer 

42 Jahre existierte die Hausaufgabenhilfe an der Friedensschule, nun wird sie aufgelöst, weil der Kreis die Mittel über die VHS nicht mehr zur Verfügung stellt. Betroffen davon ist nicht nur die Friedensschule, sondern etliche Schulen im Landkreis und auch die Schule im Angelgarten (SiA). Auch deren Leiterin, Martina Goßmann, ist dieser Meinung: „Die Hausaufgabenhilfe war 16 Jahre lang eine wichtige Säule in unserem Schulleben und eine wesentliche Unterstützung für Kinder nichtdeutscher Herkunftssprache. Von Schülern und Familien wurde das Angebot sehr gut angenommen. Die Kinder sind immer sehr regelmäßig und mit viel Freude zur Hausaufgabenhilfe gekommen, was auch daran lag, dass die Damen, die hier im Einsatz waren, mit sehr viel Engagement und kontinuierlich über viele Jahre hinweg bei der Sache waren. So haben sich feste Bindungen aufgebaut und manches Kind musste bei diesem Abschied weinen. Auch unser Kollegium wird die Helferinnen sehr vermissen“, heißt es in einem Schreiben von Goßmann an den Lokal-Anzeiger.

Beide Schulleiter hatten ihre „Damen“ zu einem Abschiedstreffen eingeladen, Pucknat in der letzten Schulwoche ins Golfrestaurant. Dabei ließen Ilona Braun, Stefanie Dreieicher, Annika Jung, Andrea Jung und Helga Sattler noch einmal ihre Erfahrungen und Erlebnisse Revue passieren. „Es war viel mehr als eine Hausaufgabenhilfe“, waren sich die Damen einig. Man habe zusammen gespielt, gebastelt und gelesen, es wurden Geburtstage gefeiert, wenn es einen zu feiern gab. „Wir haben viele Mäppchen aufgefüllt mit Radiergummis oder Bleistiften“, erinnert sich Braun. Oder es gab mal einen Wadenwickel für ein krankes Kind, dessen Mutter nicht gleich zu erreichen war.

Die Hausaufgabenhilfe richtete sich in erster Linie an Schüler , die besondere Hilfe brauchten, unter anderem Kinder mit Migrationshintergrund. „Deshalb verstehen wir die Auflösung gerade jetzt auch nicht“, sagt Pucknat. „Schließlich haben wir zur Zeit viele Flüchtlinge, die zusätzlichen Deutschunterricht benötigen.“ Nach den Anmeldungen, die bis jetzt für das neue Schuljahr an der Friedensschule vorliegen, würde der Anteil der Kinder mit Migrationshintergrund auf 41 Prozent steigen. Die letzten Jahre waren es im Schnitt zwischen 23 und 24 Prozent. Die Hausaufgabenhilfe habe zuletzt immer viel aufgefangen, wozu die Lehrer im Unterricht nicht gekommen waren. „Manchen Kindern mussten wir sogar das Spielen beibringen“, so Annika Jung. „Es ging auch darum, für die Grundschüler da zu sein, manche hätten am liebsten eine Einzelbetreuung gehabt“, erinnert sich Andrea Jung. Die Kinder wurden vom Lehrpersonal ausgesucht und dann in die passenden Gruppen geschickt. Sechs bis sieben Teilnehmer waren jeweils zusammen, was den Betreuerinnen auch ermöglichte, auf jedes Kind einzugehen.

Die Gelder, die der Landkreis der VHS für die Hausaufgabenhilfe entzogen hat, sollen in den Pakt für den Nachmittag wandern. Damit zeigt sich Pucknat aber nicht zufrieden. Beim Pakt für den Nachmittag sei ein monatlicher Beitrag von 50 Euro zu entrichten. Pucknat befürchtet, dass durch diesen Obolus gerade die Kinder, die die Förderung am nötigsten hätten, von ihren Eltern nicht geschickt würden. Gemeinsam mit seiner Stellvertreterin Christine Rohner dankte er den Damen und verabschiedete sich am Montag mit einer Urkunde von ihnen, allerdings mit zwei weinenden Augen.

Kommentare