Kühlendes Nass ist schwer gefragt

Mit Wasser und Obst durch die Hitzewelle

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Wasserspaß: In der Kita Blumenstraße in Klein-Zimmern feiern die Kinder täglich eine Beachparty.

Groß-Zimmern - Plötzlich Hochsommer! Nach dem viel zu kalten Juni brach nun eine tropische Hitzewelle über uns herein. Und laut Wetterbericht ist keine Abkühlung in Sicht. Heiße Saharaluft legt lahm, was im normalen Alltag sonst flott von der Hand geht. Von Ursula Friedrich

Mancherorts wird die Hitze, die sich der hessischen Rekordmarke von rund 39 Grad verdächtig nähert, ausgiebig gefeiert. In der Kindertagesstätte Blumenstraße in Klein-Zimmern ist jeden Tag Beachparty. „Unsere Kinder sind kaum zu halten“, schmunzelt Kita-Leiterin Ute Zimmer. Mit Sonnenschutzmittel eingecremt, Kappe oder einem Hütchen auf dem Kopf stürmen die Kleinen das Freigelände. Hier springen sie durch den laufenden Rasensprenger, rutschen auf einer eigens angelegten Wasserrutsche oder toben im Planschbecken. In der Küche kommen die Helfer mit dem Schnippeln von Äpfeln, Wassermelone und anderem Obst kaum nach. Und was löscht den Durst am besten? „Hitzewasser“, erklärt Klein-Emma weise. Spätestens um 12 Uhr ist leider Schluss mit der Planscherei im Wasserpark Blumenstraße - dann wird es zu heiß und die Gruppenräume werden aufgesucht.

Der Drang zum Wasser beschert auch dem Dieburger Freibad Hochbetrieb. Rund 3 000 Badegäste wurden in den vergangenen Tagen gezählt - „wobei der Rekord bei 5 000 Besuchern liegt“, sagte Schwimmmeister Monty Römmelt. Das könnte am Wochenende durchaus drin sein, denn die Quecksilbersäule wird nicht sinken. Notfälle aufgrund der Hitze gab es im Schwimmbad nicht: „Bisher sind wir gut davongekommen, unsere Gäste sind vernünftig“, sagte der Schwimmmeister.

Für Kinder und alte Menschen birgt das Wetter besonders hohe Gefahren. In den Senioreneinrichtungen ist das Personal in diesen Tagen doppelt um seine Schützlinge bemüht. Der deutsche Wetterdienst hat Hitzewarnungen an Altenpflegeeinrichtungen ausgesprochen. „Menschen mit Demenzerkrankungen haben ein gestörte Temperaturwahrnehmung“, erklärt Thomas Neubecker, Leiter des Seniorenresidenz Römergarten, Haus Elisabeth in Groß-Zimmern. Auch das Durstgefühl ließe nach, sodass für beharrliche Wenigtrinker Trinkpläne geführt werden. Wasserhaltiges Obst wie Melone begünstigt den Flüssigkeitshaushalt und überall im Haus stehen Getränke bereit. Spaziergänge werden auf die kühleren Morgenstunden verlagert. „Ich brauche meine Bewegung“, beharrte Elisabeth Bickert, die mit ihrem Rollator viel unterwegs ist, „ich will ja nicht dick werden!“ Um die Mittagszeit sitzt sie jedoch vernünftig mit einem Gros der 40 Bewohner am Tisch und schneidet für alle Melone auf.

Was anziehen bei 40 Grad?

Zeitgenossen, die täglich zur Arbeit antreten müssen, schwitzen mitunter unter unmenschlichen Bedingungen. So etwa Daniel Gericke und Jens Jakubowski, die mit der Reparatur der maroden Kanalisation in Groß-Zimmern beschäftigt sind. Die Fachleute des Frankfurter Unternehmens für Kanalsanierung stecken in Ganzkörperanzügen, um sich vor den Fäkalien im Kanal zu schützen. „Da unten sind es zwei, drei Grad weniger“, erklärt Jens Jakubowski nach seinem jüngsten „Tauchgang“ im Kanal der Berliner Straße - „aber es stinkt barbarisch.“

Auch für die Schüler höherer Jahrgänge gibt es kein Pardon - sie müssen, Hitzewelle hin, Schweißausbrüche her, zum Unterricht antreten. In der Dieburger Alfred-Delp-Schule „wurde es bei uns im Büro 33 Grad“, zieht Sekretärin Ariane Dill Bilanz. Doch das Hessische Kultusministerium hat die Regeln klar vorgegeben: Oberstufenschüler haben Arbeitnehmerstatus. „Wir müssen arbeiten“, sagt Dill. Weil Hemden und T-Shirts von Schülern wie Kollegium gleichermaßen kleben, sucht man die kühlsten Orte des Oberstufengymnasiums auf oder kühlt die Jugend mit Eiscreme herunter.

Hitzefrei! Darüber dürfen sich jüngere Kinder in Grund- und Gesamtschulen freuen. Unter dem Flachdach der Albert-Schweitzer-Schule wird es so unerträglich heiß, dass die Kinder dort auch weiterhin mit Hitzefrei rechnen dürfen.

„Wir halten unsere Schüler außerdem an, viel zu trinken“, sagte Schulleiter Helmut Buch. Wasserspender bieten kostenlose Erfrischung. Dennoch rollte im Vorjahr zweimal der Rettungswagen vor, um dehydrierte Schüler zu versorgen. Im Abwägungsprozess zwischen Gesundheit und Vermittlung von Schulwissen nimmt die Schulleitung primär die Vorsorgepflicht wahr. Im Klartext: Wenn das Thermometer sich jenseits der 30 Grad einpendelt gibt es Hitzefrei!

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