Vor dem Wasserablass wird noch gefeiert

Mit Krake und Karaoke

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Viel Spaß auf der riesenkrake hatten besonders die Kinder beim Schwimmbadfest.

Groß-Zimmern - Wer am Samstagnachmittag glückliche Kindergesichter sehen wollte, musste ins Groß-Zimmerner Hallenbad gehen. Das Ende der Hallenbad-Saison wurde mit einer großen „Ablass-Party“ gefeiert. Von Michael Just 

„Ich bin jetzt schon über zehn Mal gerutscht“, berichtet die zehnjährige Katharina und deutet auf die aufblasbare Riesenvorrichtung, die den Nachwuchs mit Schwung ins Nass befördert. Wenige Meter weiter türmte sich mit einer sogenannten Riesenkrake ein weiteres Monstrum im Wasser auf. Mehrere Arme gehen von ihr ab und laden zum Besteigen ein. Das ist schwieriger als gedacht: Die feuchte Gummioberfläche lässt die Hände immer wieder abrutschen. Wer oben ist, darf sich als Sieger fühlen und den Erfolg mit einem beherzten Sprung ins Wasser krönen.

Um 13 Uhr ging’s los, eine Stunde später war das Bad mit über 200 Mädchen und Jungen voll. „Die Werbung hat sich gelohnt“, bilanzierte Hans Zimmermann vom TV mit Blick auf die Plakate und die vierstellige Zahl an Flyern, die gedruckt und veteilt wurden. Wie er sagte, wolle man mit der Veranstaltung das Bad bewerben und vor allem unter der Woche populärer machen. Richtete die TV-Schwimmabteilung früher die Party alleine aus, ist neuerdings auch die Gemeinde und die DLRG Groß-Umstadt mit im Boot. „Die Organisation und der Personalaufwand sind für eine Schulter einfach zu groß“, so Zimmermann. Das betrifft neben dem Aufbau (Rutsche und Krake werden aus Frankfurt geholt) auch die Aufsicht. Bis zu acht Aktive stehen mit Argusaugen am Beckenrand und schauen, dass nichts passiert. Die gesamte Helferschar, inklusive Kaffee- und Kuchentheke, kommt auf über zwei Dutzend Personen. Bis auf einmal Nasenbluten vermeldet Frank Zürnek von der DLRG um 17 Uhr keine Vorkommnisse. Außerordentlich wachsam bleibt er trotzdem: „Die Schwimmfähigkeit der Leute nimmt ab“, sagt er. Schwimmen stünde zwar in den Lehrplänen der Schulen drin, die Umsetzung falle aber immer schwerer, da viele Bäder aus Kostengründen schließen.“ Die, die noch existierenden, sind im Winter so ausgebucht, dass viele Vereine es schwer haben, Bahnen zu bekommen“, berichtet Zürnek. Das schlägt sich auf das Schwimmvermögen der Bürger nieder.

Nachwuchs wird selbst beaufsichtigt

Am Samstag entschieden sich deshalb einige Eltern dafür, ihren Nachwuchs selbst zu beaufsichtigen. Miriam Huther (36) zahlte wie die jungen Gäste fünf Euro Eintritt. „Der Sohn schwimmt noch nicht so gut“, erzählt sie. Nachdem sie einmal kurz im Wasser war, liest sie am Rand in ihrem Krimi „Gluthitze“ und wirft immer mal wieder einen Blick auf Florian (7) und Tochter Alina (9). „Die letzten Jahre hatten wir bei der Party keine Alterseinteilung. Dabei hat sich bestätigt, dass Kinder und Jugendliche nicht ganz so gut zusammenpassen“, berichtet Zimmermann. Deshalb habe man nun den Nachmittag für die Jüngeren und den Abend für die Älteren ausgeschrieben.

Mit Julius Prior stand im zweiten Teil sogar ein DJ am Mischpult. „Ich spiele vor allem Trap, EDM und Dubstep“, kündigt der 16-Jährige an, der ebenfalls zur TV- Schwimmabteilung gehört. Was älteren Generationen vermutlich gar nichts sagt, lässt sich kurz mit elektronischer Tanzmusik zusammenfassen. Bei seiner Arbeit kommt der Schüler ohne T-Shirt aus: Zum einen ist es schwül , zum anderen sollen die Initialen „JP“ auf seinem Rücken zur Geltung kommen. Der Abend zeigte sich von der Resonanz weitaus schwächer als der Nachmittag, was belegte, dass Teenager bei ihrer Wahl der Party schwer zu berechnen sind. Am Gesamterfolg der Ablass-Party änderte das durch den starken Nachmittag aber nichts. Die coole Party war beste Werbung fürs Hallenbad, die ganz sicher noch bei vielen Schülern im Gedächtnis sein wird, wenn das Bad im Herbst wieder öffnet.

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