Elfchentanz statt Männerstrip

Weiberfastnacht: Erfrischend untypisch

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Heidi und Gaase-Peter (unten) sorgten bei den Frauen für Superstimmung.

Gross-Zimmern - Frauen außer Rand und Band und die Männer im Kellnergewand? Das ist Weiberfastnacht nach klassischer Intention. Von Ursula Friedrich 

Im katholischen Pfarrheim ließen es die Frauen am Donnerstag krachen – wer sich vom vermeintlich „starken Geschlecht“ ins Partygetümmel stürzen wollte, musste als Bedienung die Schürze umschnüren. Zum 24. Mal feierten Zimmerns Frauen ausgelassen die fünfte Jahreszeit. Mit Sitzungspräsidentin Rosemarie Busch-Maiwald (Heidi) und Roswitha Rudolf (Gaase-Peter) ging es bestens gelaunt durch den Abend. Statt dem Alm-Öhi beschworen die Närrinnen mit dreifach donnerndem „Zimmern Helau!“ und etlichen Raketen Narrengott Jokus.

180 kostümierte Frauen feierten die fünfte Jahreszeit und ein mehrstündiges Bühnenprogramm, gespickt mit Büttenreden, Show- und Gardetänzen, Gesang und Sketchen. Dass in der katholischen Pfarrei St. Bartholomäus derzeit das Narrenvirus regiert, erfuhr Pfarrer Christian Rauch bereits bei der Fastnachtssitzung Ende Januar. Er mischte sich, mental unterstützt vom evangelischen Kollegen Michael Fornoff, als Scheich unter den Riesenharem. Der Pfarrei entspringen etliche närrische Talente, seien es die Zwillinge Tanja und Sandra Ihring (Bänkelsängerinnen) oder das Männerballett „Elfchen“, die zum närrischen Finale auf engstem Raum mit ihrem Showtanz begeisterten.

Zynische Lamenti wider das männliche Geschlecht, symbolische Kastraktion mittels Krawattenbeschnitt und Witze unterhalb der Gürtellinie – all diese Zugaben, die Weiberfastnachtssitzungen oftmals charakterisieren, braucht es in Zimmern nicht.Statt Männerstrip gab es Elfchentanz, statt keifender Damen Mut zur Selbstironie. So witzelte Klein-Zimmerns Büttenimport Elisabeth Schaffer herzerfrischend über das Älterwerden. Auch Katharina Fischer, die mit 80 Jahren ungebremst die Bütt‘ stürmte, philosophierte von jener Ära, „wenn der Kalk im Hirn sich verdichtet.“

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Brigitte Jung, die als Fraa vom Odenwald im Zimm’ner Dialekt nach Dieburg entführte, lüftete endlich das Geheimnis ums „Percie“ (Schlappmaul). Und die „Fraa vun de Besch“ alias Elfriede Burger kam diesmal als Bezwingerin einer Horde kaum zu bändigender Enkel daher. „Elfis Girls“begeisterten mit einem rasanten Gardetanz und Gaby Geier als leidgeprüfte Polizistin aus der Bütt. Einer der wenigen männ lichen Akteure, das musikalische Multitalent Gerhard Kuhr, sorgte für die entsprechenden Töne, während die kleine TV-Garde mit ihrem stimmigen Showtanz begeisterte.

Sitzung zur Weiberfastnacht in Groß-Zimmern: Fotos

Als „geplagte Ehefrau“ wetterte Milli Stumpf schließlich doch gegen die Mannsbilder – repräsentiert durch den heimischen Gatten, dessen Charakterisierung sich zwischen „unappertitlichem Pascha und lamentierendem Hypochonder“ einpendelte. Kein Auge blieb trocken als der schöne Willi (Gisela Blome) und Frau Mops (Claudia Kointza) mit einem Verwechslungsspiel um „Zwei Möpse“ der Fantasie um Busenpracht und Pudelduo viel Spielraum boten. Mit dreifachen Raketen gefeiert wurden auch die „Huppdohlen“ für ihren Showtanz – eine Gruppe, die seit vielen Jahren dabei ist. Die Frauenfastnacht, einst aus einer ökumenischen Kreppelrunde entsprungen, hat inzwischen die Dimension einer ganzen Fastnachtssitzung. Besonderheit: Alles wird aus eigener Kraft von Zimmerns närrischen Akteurinnen gestemmt.

Ein zweites Phänomen: Der Eintritt ist frei. „Heidi“ Busch-Maiwald warb allerdings um Spenden, nicht zum Selbstzweck, sondern um zwei Hilfsprojekte zu unterstützen. Die Einnahmen der Zimm’ner Frauenfastnacht kommen einem landwirtschaftlichen Projekt in Bolivien und einer indischen Schule zugute.

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