Männerbeauftrage für Hähne

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Seinen Hühnerstall zeigte Thomas Schaffer den Gästen nur von außen. Zu viel Aufregung tut den neuen Bio-Hühnern nicht gut, da die Tiere sich noch eingewöhnen.

Groß-Zimmern - „Zimmner Bauernhöfe kennenlernen“, Unter diesem Motto besuchten die Teilnehmer der diesjährigen CDU-Flurwanderung den Birkenhof sowie Obstbau Geibel in Klein-Zimmern und erhielten Einblicke in die Betriebe. Von Julia Glaser

„Wir sind in den letzten Jahren jeden Winkel in Groß- und Klein-Zimmern abgelaufen“, scherzte Bürgermeister Achim Grimm bei seiner Begrüßung am Sonntagvormittag vor dem Rathaus. Deshalb habe man sich für die kommenden Wanderungen für ein Thema entschieden. Jedes Jahr sollen zwei Bauernhöfe besucht werden, um mit den Landwirten ins Gespräch zu kommen und etwas über ihre Arbeit, Methoden und Veränderungen in der Landwirtschaft zu erfahren. Vom Rathaus aus setzte sich die Gruppe in Richtung Klein-Zimmern in Bewegung, wo weitere Teilnehmer hinzustießen. Warm eingepackt gegen den Wind und die frischen Temperaturen ging es weiter zum Birkenhof.

Zur Stärkung gab es im neuen Anbau des Biobetriebs einen herzhaften Eintopf. Seit Kurzem gibt es die Möglichkeit, den Hof als Gruppe oder Verein zu besuchen und sich bewirten zu lassen. Das Angebot wurde bereits für mehrere Weihnachtsfeiern genutzt und soll noch ausgebaut werden.

Im Anschluss zeigte Hofinhaber Thomas Schaffer den Gästen zuerst das Getreidelager, das die Naturland Marktgesellschaft 2011 für die Getreideverarbeitung errichtete. Rund 20 bis 30 Landwirte liefern hier ihre Ware ab. Einige kommen von weiter her, da es im 64-Postleitzahlen-Bereich nur 16 Biobauern gibt.

Vor allem die Herren bestaunten die beeindruckenden Maschinen, die in der Landwirtschaft zum Einsatz kommen. „Wir haben eine Maschinengemeinschaft mit fünf Betrieben, die Kosten werden geteilt. Das ist zwar organisatorisch viel Arbeit, aber bisher hat es immer geklappt“, berichtete Schaffer.

Besonders bekannt ist der Birkenhof für seine Bio-Hühner. Alle 13 Monate ziehen neue Bewohner in den Stall ein, die letzten Ende Februar. Einen Blick in den Stall gab es bei der Führung nicht, weil sich die 12 000 Tiere erst einmal in Ruhe an ihr neues Zuhause gewöhnen sollen. Mit spätestens 25 Wochen gehen sie zum ersten Mal zum Picken ins Freie, bis dahin leben sie im „Wintergarten“, einem strohbedeckten Scharr-Raum. In der Hochphase legen die Bio-Hühner zehn- bis elftausend Eier pro Tag, pro Huhn 280 Stück im Jahr. „Gibt es auch Hähne im Stall?“, kam die Frage aus der Runde. „Ja, aber nur wenige“, lautete die Antwort von Schaffer, woraufhin scherzhaft ein Männerbeauftragter für die wenigen „Gickel“, umrundet von Tausenden von Hühnern, gefordert wurde.

Im Brünnchenweg begrüßten Katharina, Ludwig und Franziska Geibel die Gruppe mit heißem Apfelwein und Obst-Schnäpsen und -Likören. Bei einer Verkostung von Äpfel- und Birnensorten durften die Gäste gerne zugreifen und eine Rückmeldung an die Obstbauern geben.

Seit vielen Generationen ist Obstbau Geibel in Klein-Zimmern zu Hause, 1990 übernahmen Ludwig und Katharina Geibel den Betrieb von den Eltern. Inzwischen ist Tochter Franziska zusammen mit Ludwig Geibel Besitzerin des Hofes.

Angebaut werden unter anderem Erdbeeren, Himbeeren, Johannisbeeren, Birnen und natürlich Äpfel. Rund 25 Sorten wachsen an 36 000 Apfelbäumen, die Ernte beträgt im Schnitt 400 Tonnen pro Jahr. Eingelagert werden können nur 350 Tonnen, weshalb bis November 50 Tonnen verkauft sein müssen, die zum Teil auch für Apfelwein, Brand, Marmelade oder Likör verwendet werden.

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Zu kämpfen haben die Obstbauern nicht nur mit Krankheiten, die den Baum befallen können, sondern auch mit Schädlingen. Besonders großen Schaden kann die Kirsch-Essig-Fliege anrichten, weil sie im Gegensatz zu anderen Schädlingen auch gesunde Früchte angreift.

Zum Abschluss des Besuchs gab es noch eine Führung durch die Obstanlage. Wer danach noch Zeit und Lust hatte, ließ den Wandertag im Feuerwehrhaus bei einem Stück Kuchen und einer Tasse Kaffee gemütlich ausklingen.

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