Seniorenvertreter: Wohnen im Alter von Technik bestimmt?

„Meine Oma darf ich aber selbst umarmen“

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Senioren sollten auch im Alter nicht vereinsamen, sondern auch noch am öffentlichen Leben teilhaben könnten, wie hier auf dem Fest des Gersprenz-Pflegeheimes.

Groß-Zimmern - Um Wohnen im Alter ging es beim Treffen der Groß-Zimmerner Seniorengruppen am Donnerstag im Gersprenz-Pflegeheim. Von Ulrike Bernauer 

Brigitte Flach von der Handwerkskammer Rhein-Main informierte die anwesenden Seniorenvertreter und Bürgermeister Achim Grimm über barrierefreies Wohnen und die vielen Hilfsmittel, die es mittlerweile gibt, um älteren Menschen das Leben zu erleichtern.  Im Vordergrund stand dabei die Barrierefreiheit, die auch in der Wohnung oder dem eigenen Haus herzustellen sei. Dabei handelt es sich unter anderen um Türen ohne Schwellen, damit Rollator- oder Rollstuhlfahrer sich ungehindert bewegen können. Flach zeigte aber auch noch andere Möglichkeiten auf, wie zum Beispiel bodengleiche Duschen oder aber Türen für die Badewanne, die Liebhabern von Wannenbädern den Badespaß Vergnügen auch weiterhin erlauben.

Zahlen hatte Flach auch mitgebracht: Für rund zehn Prozent der Bevölkerung ist die Barrierefreiheit – sei es nun im öffentlichen oder im privaten Bereich – unentbehrlich und für 40 Prozent notwendig. Für den Rest ist sie einfach komfortabel. Im Zentrum des Vortrags standen die vielen Hilfsmittel, die ein langes Wohnen in der vertrauten Umgebung erlauben. Die Referentin unternahm anhand von Schaubildern mit ihren Zuhörern einen Rundgang durch eine Wohnung, um aufzuzeigen, was man alles verändern kann. So könnte in der Küche die Arbeitsplatte abgesenkt werden, um das Arbeiten auch im Sitzen zu ermöglichen. Im Wohnzimmer hingegen würde das Entfernen von so manchem mittlerweile überflüssigem Sessel die Bewegungsfreiheit erhöhen. Letztere Maßnahme kostet kein Geld, aber bei den meisten Dingen ist fraglich, wieviele Senioren sich diesen Luxus finanziell leisten können. Das gilt für die Haustür, die sich sensorgesteuert öffnen lässt, wie für den Türöffner „James“ im Innenbereich, den Treppenlift oder gar den teilautonomen Serviceroboter, der inzwischen fast keine Zukunftsmusik mehr ist.

Technik führt zu Vereinsamung?

In diesem Zusammenhang warf Angelika Seidler vom Mehrgenerationenhaus (MGH) eine ganz andere Frage auf. „Wollen wir diese ganze Technik denn, die den Menschen vielleicht den Alltag erleichtert, aber auch ganz schnell zur Vereinsamung führen kann?“ Die Teilnehmer der Veranstaltung waren sich einig, dass auch die Gemeinschaft und die Sozialkontakte älterer Menschen gefördert werden müssten. Dazu gehören zahlreiche Ruhebänke in der Gemeinde, die den Senioren mehr Mobilität ermöglichen. Zwei Maßnahmen, über die man sich in der Gemeindeverwaltung Gedankenmacht, stellte Bürgermeister Achim Grimm vor.

Am Feuerwehrhaus Klein-Zimmern, dessen erster Stock mit seinem großen Saal eher die Funktion eines Bürgertreffs hat, erwäge man, einen Außen-Aufzug anzubauen, damit ältere Mitbürger den Raum besser erreichen könnten. Gleiches gelte für den Clubraum der Mehrzweckhalle. Hier denke man allerdings eher über einen Treppenlift nach. Insgesamt sei neben den technischen Möglichkeiten, die aufgrund des demographischen Wandels nicht nur in die Privathaushalte sondern unter Umständen auch in die Pflegeheime einziehen könnten, weil auch hier die Personalnot immer größer wird, auch die Teilhabe älterer und eingeschränkter Mitbürger am öffentlichen Leben zu erleichtern. Bürgermeister Grimm zeigte sich der Technik nicht so abgeneigt. „Wir können uns heute gar nicht vorstellen, was in 20 Jahren alles möglich sein wird.“ Auf der anderen Seite stehen die Worte eines Jugendlichen, die einer der Teilnehmer zitierte: „Aber meine Oma darf ich noch selber umarmen.“

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