Habitzheimer überreichen großzügige Spende für die Orgel

Da waren’s plötzlich nur noch 9 000 Euro

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Elisabeth Gräfin von Meran, Christine und Felix Prinz zu Löwenstein spendeten für die neue Orgel. Der Vorsitzende des Fördervereins Manfred Göbel freute sich über die großzügige Gabe.

Groß-Zimmern/Habitzheim - Neues zum Stand der Spenden für die Orgel erfuhren einige Zimmerner am Montag von Rechner Helmut Kriha in der katholischen Kirche Habitzheim. Von Ulrike Bernauer

303.000 Euro wird das neue Instrument kosten, 285.000 Euro hat der Förderverein gesammelt, fehlen also noch 18.000 Euro. Die wurden dann prompt am Montagnachmittag dank einer großzügigen Spende der Familie zu Löwenstein um die Hälfte reduziert. 5000 Euro trug die Stiftung der Familie von Löwenstein bei, 2 000 Euro kamen von Felix Prinz zu Löwenstein-Wertheim-Rosenheim und seiner Gattin Elisabeth Gräfin von Meran und noch einmal 2000 Euro legte des Prinzen Mutter Christine obendrauf.

Kriha erläuterte, wie es zu der hohen und doch eher ungewöhnlichen Spende gekommen war. Im Archiv im schwäbischen Bronnbach, das öffentlich zugänglich ist, war Heimatforscher Kriha auf der Suche nach Spuren der katholischen Kirchengemeinde Groß-Zimmern und fand heraus, dass die Löwensteins über drei Jahrhunderte nicht nur für Habitzheim zuständig waren, sondern auch für Spachbrücken, Reinheim und Groß-Zimmern. Wollte ein Zimmerner etwas von der Obrigkeit, musste er nach Habitzheim pilgern. Das änderte sich erst, als der Ort unter hessische Regie kam.

Bereits 1727 strebten die Katholiken in Groß-Zimmern an, die nach der Flucht in die protestantische Gemeinde nur eine kleine Gemeinde stellten, eine eigene Orgel in der evangelischen Kirche aufstellen zu dürfen. Weil die Gemeinde die hierfür erforderlichen Mittel aufbringen konnte, bat man „Ihro hochfürstlich Durchlaucht zu Löwenstein“ um eine „beysteuer zu unserer neuen Orgel“.

Diese Bittschrift hatte Kriha im Archiv ausgegraben. Er schickte eine E-Mail mit dem Text der fast 300 Jahre alten Bittschrift an den Prinzen. Der hätte sie fast gelöscht, wie er am Montag bekannte, weil er ab und zu E-Mails von Leuten erhält, die seinen Titel zum Anlass nehmen, ihn und seine Familie zu veräppeln. Glücklicherweise fiel sein Blick vor dem Löschen dann doch auf die letzten Zeilen, in denen Kriha im Hochdeutsch der Jetztzeit das Anliegen des Orgelfördervereins noch einmal erläuterte. „Beim Fundraising muss man sich heute einiges einfallen lassen“, sagte der Prinz am Montag lachend und ergänzte, ihm habe die E-Mail doch imponiert. Er wandte sich an die Löwensteinsche Stiftung, die sich der Erhaltung von Baudenkmälern verpflichtet fühlt. Als er erfuhr, dass die Stiftung 5 000 Euro beisteuern würde, fühlte sich auch Felix zu Löwenstein verpflichtet. Dass dessen Mutter dann auch noch einmal 2 000 Euro drauflegte, war für Kriha am Montag eine erfreuliche Überraschung.

Weil der Rechner des Vereins davon ausgegangen war, dass die Vorfahren vor 300 Jahren mit ihrer Bittschrift nach Habitzheim gepilgert sind, waren nun mit nur Kriha auch einige Zimmerner mit ihm in den Nachbarort gelaufen. Zu seiner großen Überraschung hatte Kriha am Vorabend eine weitere Akte gelesen, die davon sprach, dass die Vorfahren nicht gepilgert waren. Ein Kapuzinermönch, der die Zimmerner Gemeinde betreute, hatte die Bittschrift mit einem Boten geschickt, weil er den Gemeindemitgliedern nicht traute. Viel Gelächter gab es, als Kriha aus dem Originalbrief vorlas: „Ich war intentioniert zwei Männer von der Catholisch Gemeindt damit hinauf zu schicken, weilen aber einige zu blödt, andere aber zu keck, halte diesen weeg fürs beste.“

Die Zimmerner bedankten sich für die großzügige Spende mit Urkunden, einer Miniorgel, die die Zimmerner Nationalhymne spielt, Orgelpralinen und Orgelwein. Am besten gefiel den zu Löwensteins aber wohl, dass die modernen Pilgerer sich erhoben, und – Hand aufs Herz – die Zimmerner Nationalhymne anstimmten. Die restlichen 9000 Euro hofft Kriha nun über den Verkauf der restlichen Pfeifen, beim Kürbismarkt und über Spenden zu erhalten.

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