Besuch im Haus Elisabeth

+
Am „Stammtisch“ plaudern (v.l.) Alfred und Elisabeth Boss, Else Bickert, Siegfried Kober, Anita Emmerich und Franziska Windholz. Die kirchliche Einweihungsfeier im „Haus Elisabeth“, Bahnstraße 3, findet Mittwoch, 21. Januar, um 14 Uhr statt.

Groß-Zimmern - Seit Mitte November leben die ersten Bewohner im neu eröffneten Seniorenheim „Haus Elisabeth“ an der Bahnstraße. Bei einem Besuch des LA schilderten einige ihre Eindrücke. Von Gudrun Fritsch

Die Idee für den Besuch entstand als bekannt wurde, dass Dina Stumpf vom Groß-Zimmerner „Club der Fußballfrauen“ nach einem Krankenhausaufenthalt ebenfalls in der Senioreneinrichtung der „Römergarten Residenzen“ lebt. Regelmäßig hat sie früher beim LA angerufen und die Treffen der lustigen Frauenrunde angekündigt.

Es fällt ihr nicht leicht, sich damit abzufinden, dass sie wohl immer auf Hilfe angewiesen sein wird und folglich nicht mehr in ihr geliebtes Zuhause zurückkehren kann. „Aber ich bin froh, hier einen Platz gefunden zu haben“, sagt die 86-Jährige und berichtet vom Leben im „Haus Elisabeth“.

Noch befremdlich

Dina Stumpf vom Club der Fußballfrauen grüßt ihre Freundinnen.

„Die Schwestern sind alle sehr lieb und zuvorkommend.“ Für sie sei es allerdings noch immer befremdlich, dass sie in der Pflege auch mit jungen Männern zu tun hat. Besonders erfreulich findet sie es, dass man in dem zentral gelegenen Haus auch weiterhin am Leben im Ort teilnimmt. Viele der Beschäftigten, von der Fachkraft bis zum Reinigungspersonal, kommen aus Zimmern und nicht selten kennt Stumpf deren Eltern oder Großeltern persönlich. „Es gibt auch viele gemeinsame Aktivitäten wie Plätzchenbacken oder Basteln“, berichtet Stumpf. Auch wenn es nicht immer so ist wie zu Hause, lobt sie das Essen. „Es wird frisch zubereitet und ist sehr abwechslungsreich.“ Gegessen wird gemeinsam, was die Seniorin ebenfalls als sehr positiv empfindet. Es sind einige Groß-Zimmerner unter den Bewohnern. An der Ecke auf dem Flur gebe es sogar eine Art Stammtisch, wo man sich trifft und plaudert.

„Aber manchmal will ich nicht. Dann bleibe ich hier in Ruhe oder sehe fern.“ Besuch hat sie oft und viel, auch das ein Vorteil der zentralen Lage. „Aber es waren noch nicht alle Fußballfrauen hier“, sagt Stumpf und zählt die Namen der Freundinnen einzeln auf. Auch von ihnen seien einige nicht ganz gesund oder können bei Sturm und Regen schlecht raus, weiß sie und freut sich schon darauf, wenn sie selber endlich wieder ins Freie kann. Stumpf wird auch weiterhin auf den Rollstuhl angewiesen sein und grübelt darüber nach, ob sie vielleicht ein Elektrofahrzeug bekommen kann. Doch vorerst ist es überhaupt ein Problem, bei der Krankenkasse einen Rollstuhl zu beantragen. Zum Glück hat sie Angehörige, die ihr helfen und sie ist finanziell abgesichert, was längst nicht bei allen der Fall ist.

Dort wohnen ist schön, aber teuer

Auf dem Flur ist dann tatsächlich der „Stammtisch“ versammelt. Else Bickert ist erst seit zwei Wochen im Haus, fühlt sich aber sehr wohl. „Am Donnerstag will ich beim Blutspendetermin gerne meine Bekannten besuchen“, erzählt die Seniorin, die selber Jahrzehnte beim DRK aktiv im Einsatz war. Neben ihr am Tisch sitzt Siegfried Kober im Rollstuhl. Er kommt nicht aus Zimmern, hat sich mit den Einheimischen aber schon gut angefreundet und geht gerne mal mit anderen spazieren. Das Ehepaar Alfred und Elisabeth Boss kommt aus Dieburg. „Wir haben dort unser Haus verkauft. Aber hier fühlen wir uns sehr wohl“, erzählt die Ehefrau, die eigentlich aus Zimmern stammt. Anita Emmerich ist derzeit vorübergehend im Haus Elisabeth. Sie weiß noch nicht, ob sie bleiben wird. „schön ist es hier ja, aber eben auch sehr teuer“, sagt sie und spricht damit ein nicht unwesentliches Problem an.

Die vollstationäre Betreuung kostet monatlich 2253 Euro, bei Pflegestufe drei reduziert sich die Summe um knapp 50 Euro, bei Stufe zwei um rund 370 und bei Pflegestufe eins verbleibt ein Eigenanteil von 1600 Euro. Wenn die Rente und Zuzahlung der Pflegeversicherung nicht mehr ausreichen, um die Kosten zu decken, müssen ergänzende Leistungen beantragt werden, was einige scheuen.

Bettleiter oder Katapultsitz - Aufstehhilfen für Ältere

Bettleiter oder Katapultsitz - Aufstehhilfen für Ältere

Die Belegung von 20 der 90 Plätze in den ersten zwei Monaten sei mehr als erwartet, berichtet Einrichtungsleiter Thomas Neubecker. Neben Ärzten aus dem Ort werden die Bewohner von einem Mediziner aus Roßdorf betreut.

Aktuell wurde die Konzeption für den geschlossenen Demenzbereich eingereicht, Mitarbeiter wurden eingestellt. Es fehlen nur noch die Zusagen von Pflegekasse und Heimaufsicht. Die 30 Plätze seien sehr gefragt. Neubecker geht von einem Beginn Anfang März aus und lobt die guten Kontakte zu anderen Einrichtungen, Kirchen und Gruppen.

Kommentare