Trauerzug zum Anglerheim

Hermine ist nicht mehr: Kerbpuppe stirbt den Flammentod

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Hermine baumelt bereits am Galgen, die Flammen werden sie bald erfassen.

Groß-Zimmern - Versteinerte Gesichter haben Kerbvadder Simon Gärtner, Kerbmädchen Carolin Herzog und Mundschenk Philipp Tesch. Sie haben auch allen Grund dazu, sehen sie doch ihre Hermine, die Kerbpuppe, die sie nun seit Samstag begleitet hat, am Galgen baumeln – und mit ihnen verfolgen auch viele Zuschauer das Geschehen. Von Ulrike Bernauer 

Kerbpfarrer Lukas Engelhardt hielt die Trauerrede.

Pünktlich um 20.30 Uhr startet der Trauerzug auf dem Roten Platz unter großer Anteilnahme der Bevölkerung. Zahlreiche Bürger begleiten die Kerbborschte, die Hermine bereits auf einer Bahre mit sich tragen. Wie es sich für einen Trauerzug gehört, gibt es auch musikalische Begleiter, die mit ihrem Stück kräftig auf die Tränendrüsen drücken. Am Anglerheim, wo der Galgen aufgebaut ist, warten schon hunderte von Zuschauern auf die Kerbborschte. Am Dienstagabend war es wieder soweit, die Kerb 2016 schritt unaufhaltsam ihrem Ende entgegen und das bedeutete, dass Hermine den Flammentod sterben muss. Kerbpfarrer Lukas Engelhardt hatte genau die richtige trauerumflorte Stimme, als er seinen Abgesang auf die Kerbpuppe anstimmt. „Ich soag´s jetzt – un Hermine, des häb ich nit geiebt, moi goldisch Mädsche – ich hebb dich werklich lieb. Wie de om Samstoach gekumme bist, mim Hans Wallbrunn – wie moi Herz do gesprunge is. Ob do gings rund in Zimmerns Kneipe, iwwerall wolltse noch e bisschen bleiwe. Die Leit konnte oafach nit vun der losse, host mit jedem gegalert, un gemoacht doi Bosse.“

Begeistert war das Publikum vom Feuerwerk.

Das half Hermine allerdings nichts, auch wenn „alle Kerbborschte dich ougehimmelt häwwe, un glaab mer, des ist werklich nit geschwinnelt. Es woar ssou schäi, vier Doag mit der oan zu mache, jetz hängste mit Träne om Galje, un uns is alles onnerst als wie zum Lache. Liebe Hermine, wonn de spärer von do uwwe uns guggst zu, wonn mer’s iwwertreiwe, holt der die Ache halt zu. Orrer geb uns en Wink, un mer wisse Bescheid, du bleibst unser Goldstick fer ewische Zeit!“ Nach dieser herzergreifenden Rede formierten sich die Kerbborschte um den Galgen und steckten das darunter liegende Stroh in Flammen. Die loderten in Windeseile auf, die vergangenen trockenen und heißen Tage machten sich bemerkbar. Hermine wurde ganz schnell von der großen Hitze erfasst und schmolz im wahrsten Sinne des Wortes dahin und verpuffte nach relativ kurzer Zeit.

Trösten konnte die Kerbborschte jetzt nur das Feuerwerk, das prächtig am Himmel aufloderte und die Zuschauer mit seiner Farbenpracht überzeugte und zu viel Applaus anregte. Bis zum Ende des Feuerwerks hatte sich Kerbmädchen Herzog wieder gefasst. „Traurig ist man natürlich, aber auch die schönste Kerb hat ihr Ende und das ist jetzt auch gut, und wir freuen uns darauf, den letzten Abend unbeschwert feiern zu können.“ „Ich habe geweint“, gab Kerbvadder Gärtner zu, „aber nach der Kerb ist vor der Kerb.“ Niklas Blank betätigte sich als Schildträger. „Es war eine schöne Kerb, mit dem ganzen Jahrgang war es eine tolle Zeit, aber es ging sehr schnell vorbei. Nächstes Jahr sind wir zwar nicht mehr die aktuellen Kerbborschte, aber dafür können wir einfach nur feiern und den anderen bei der Arbeit zuschauen.“

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