Erster Beigeordneter Friedrich Faust vertritt den Bürgermeister

Ab heute drei Wochen Chef im Rathaus

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Rot-grün-schwarz: Friedrich Faust steht für vieles.

Groß-Zimmern - Im Juni wählte die Gemeindevertretung die neuen sieben ehrenamtlichen Beigeordneten für den Gemeindevorstand. Dabei wurde Friedrich Faust (CDU) zum Ersten Beigeordneten und somit zum Stellvertreter des Bürgermeisters ernannt.

Faust (67) folgt auf Hans Wichmann, der das Amt zuvor zehn Jahre inne hatte und jetzt aus Altersgründen nurmehr als Beigeordneter tätig sein will. Der frühere CDU-Fraktionsvorsitzende, einst Techniker bei der Lufthansa in Frankfurt, ist seit vier Jahren im Ruhestand und widmet seine Zeit dem Wohle der Gemeinde. Ab heute ist er bis zur Kerb erstmals als stellvertretender Bürgermeister im Rathaus tätig. Redakteurin Gudrun Fritsch führte ein Interview mit ihm.

Das Amt des Bürgermeisters bedeutet in erster Linie Verwaltungstätigkeit. Wie weit sind Sie da geschult?

Ich bin kein Verwaltungsfachmann und kein Schreibtischmensch. Obwohl ich auch die letzten 20 Jahren in der Firma hauptsächlich am Schreibtisch gesessen habe. Aber was Planung oder Personalführung anbelangt, bin ich natürlich kein Fachmann. Aber im Rathaus sind gute Leute: Abteilungsleiter, Verwaltungsfachleute, die das von der Pike auf gelernt haben. Wenn ich Vertretung mache, werde ich ja nicht die Welt verändern. Mich der Fragen und Anliegen der Bürger anzunehmen, das mache ich ja schon sehr lange. Vor 40 Jahren war das genau so und dazu habe ich einen ganz guten Draht.

Haben Sie den auch zu den Mitarbeitern im Rathaus?

Die meisten kenne ich schon lange und wir verstehen uns sehr gut. Natürlich kommen auch immer wieder neue Leute hinzu und eine gewisse Fluktuation ist ja auch gut. Im Gegenteil, wenn alles statisch bleibt, geht"s nicht voran.

Welche Eigenschaften braucht man für das Amt als stellvertretender Bürgermeister?

Man muss hauptsächlich gut zuhören und die Bürger in ihren Belangen, Sorgen und Nöten ernst nehmen, ebenso wie bei den erfreulichen Dingen. In Zimmern ist das ausgeprägte Vereinsleben ganz wichtig. Auch da muss man ein offenes Ohr haben. Da ich in einigen Vereinen aktiv bin, kenne ich mich recht gut aus. Natürlich ist auch die Verbindung zwischen uns Christdemokraten und den Kirchen von Bedeutung.

Wobei Sie als Erster Beigeordneter ja nicht als CDU-Politiker, sondern als Vertreter für alle stehen sollten. Wie intensiv sind Sie Parteimensch?

Gerade in den letzten Jahren als ich Fraktionsvorsitzender war, hatte ich über die Parteigrenzen hinaus sehr gute Kontakte und habe mit allen Parteien sehr gut zusammengearbeitet. Ich habe keine Berührungsängste, egal von welcher Fraktion jemand kommt. Daraus ist auch ein gutes Miteinander entstanden. Wir haben in den letzten Jahren in der Kommunalpolitik alle Entscheidungen mit einer großen Mehrheit getroffen, ob Kindergarten, Kläranlage oder gemeinsame Haushalte. Es ist gut, wenn man über den eigenen Kirchturm hinweg sieht und nicht nur im Kleinkarierten rührt. Für manche Nachbarn sind wir hier schon fast eine Vorzeigegemeinde. Ich finde, wir können auf unsere Kultur stolz sein. Dafür muss es natürlich immer auch Kompromisse geben. Mit dem Kopf durch die Wand kommt man nicht weit.

Sie sind eigentlich nicht aus Zimmern sondern aus Habitzheim. Seit wann leben Sie hier und fühlen Sie sich als Zimmerner?

Seit 1972 lebe ich in Zimmern. Ich habe bis zu meinen 19. Lebensjahr in Habitzheim gewohnt und danach zwei Jahre in Mainz. Inzwischen fühle ich mich als Zimmerner. Meine drei Söhne sind hier aufgewachsen, aber sie wohnen nicht mehr im Ort. In meiner politischen Arbeit unterstützen sie mich. Da wird schon mal gesagt: Vater, das ist schlecht oder gut. Früher wurden auch Entscheidungen ausführlich diskutiert. So wird man immer wieder auch mal geerdet.

Sie leben hier recht ruhig am Roten Morgen. Genießen Sie die Stille? (Lautes Flugzeugbrummen ist zu hören)

Ich genieße es immer wieder, hier auf der Terrasse zu sitzen und nichts zu hören - außer einem Flugzeug. Und dazu habe ich ja auch eine gute Beziehung, sowohl beruflich als auch als Hobby. Ich reise gerne und hin und wieder überlege ich, wenn ein Flugzeug über uns hinwegfliegt: Aha, wo könnte man denn mal wieder hinfliegen?

Wo waren Sie schon?

Asien kenne ich sehr gut und 2015 waren wir in Australien. In den letzten Jahren hatte ich ja das Privileg, mir viel Zeit nehmen zu können. Jetzt fängt es dann wieder an, dass ich nicht nur die Urlaubszeiten meiner Lebensgefährtin beachten, sondern auch die Arbeit im Rathaus mit einplanen muss. Wenn Termine anstehen, zu denen man anwesend sein muss, hat das natürlich Vorrang. Ich fahre auch sehr viel mit dem Fahrrad. Ich glaube, ich war während meiner ganzen politischen Tätigkeit noch keine zweimal mit dem Auto am Rathaus. Egal bei welchem Wetter, ich nehme das Rad. Auch wenn ich nach Darmstadt muss, wo ich unter anderem im Kreistag und als Schöffe im Landgericht tätig bin. Sogar nach Frankfurt zur Arbeit habe ich oft das Rad genommen. Vor vier Wochen sind wir von Frankfurt nach Venedig geradelt. Das macht mir einfach Spaß.

Mit 67 Jahren ist es ja keine Selbstverständlichkeit und Sie hatten einige Zeit mit Knieproblemen zu schaffen. Sind Sie jetzt wieder fit?

Ich bin froh, dass das vorbei ist. Im Alter kommen natürlich einige Zipperlein hinzu und dann läuft auch mal ein Wettbewerb nicht ganz so gut. Aber neulich erst hat jemand zu mir gesagt: Du kannst das wenigstens noch.

Hat Ihnen der Bürgermeister oder Ihr Vorgänger Hans Wichmann gesagt, mit welchem Zeitaufwand gerechnet werden muss?

Ich hatte mehrere Gespräche mit beiden. Danach war mir schon klar, dass es recht aufwendig ist. Gewiss muss man mehr als einmal die Woche ins Rathaus, um etwas zu unterschreiben oder abzugeben und auf dem neuesten Stand zu sein. Man kann nicht einfach hingehen und die Vertretung für den Bürgermeister machen, ohne in manche Dinge kontinuierlich mit eingebunden zu sein.

Wann übernehmen Sie erstmals für eine längere Zeit die Amtsgeschäfte?

Ab Montag, 8. August, geht Bürgermeister Achim Grimm bis zur Kerb drei Wochen in Urlaub. Da bin ich dann täglich im Rathaus, auch jetzt schon sprechen wir uns ab und ich übernehme einige Außentermine, vor allem bei Terminüberschneidungen.

War es für Sie ein Wunschamt?

Ich wollte ja mal Bürgermeister werden. Von daher habe ich schon darauf hingearbeitet.

Wann war Ihre Kandidatur?

1999 bin ich gegen den amtierenden Bürgermeister Dieter Emig angetreten. Wir waren die einzigen Kandidaten. Mit 35,6 Prozent habe ich für die damaligen Verhältnisse recht gut abgeschnitten. Das war einiges mehr als die CDU bei der Kommunalwahl bekommen hatte. Das war eine große Anerkennung für mich.

Danach wollten Sie nicht mehr kandidieren?

Es hat sich nicht ergeben, da Achim Grimm vorgeschlagen wurde, und mir war das sehr recht. Er ist Groß-Zimmerner und kam aus der Verwaltung. Von daher war er wesentlich besser geeignet. Wir haben ein sehr gutes Verhältnis. Ich war dann jahrelang Fraktionsvorsitzender und wir haben prima zusammengearbeitet, was sich auch gelohnt hat. Wenn man bedenkt, dass die CDU früher kaum mit der SPD konkurrieren konnte und wir jetzt im Parlament sehr gut dastehen, auch mit unserer Mehrheit und guten Leuten. In der neuen Legislaturperiode sind viele Junge hinzugekommen, so arbeiten wir auf die Zukunft zu. Es ist eine gute Mischung.

Stand für Sie immer fest, dass die CDU die richtige Partei ist?

Einige haben anfangs gesagt: Der Friedrich sieht aus wie ein Grüner, denkt wie ein Roter und ist ein ganz Schwarzer. Damals hatte ich ja noch einen langen Bart, Pfadfindernatur, Bodenständigkeit. Ich bin kein verbissener, stromlinienförmiger CDU-Mann, kritisiere auch manche Entscheidungen, und mit meiner Meinung halte ich nicht hinterm Berg. Ich hoffe, allerdings dass auch noch zum Sport komme. Die Ehrenämter werden immer mehr: Landgerichts-Schöffe, Stellvertretender Schiedsmann, Beigeordneter, Mitglied im Zweckverband des ZAW und der Sparkasse. Der Terminkalender ist ziemlich gefüllt. Außerdem besuche ich regelmäßig meine Söhne und die vier Enkel. Zwei Buben und zwei Mädels von sechs bis 14 Jahren. Wir gehen regelmäßig mit der ganzen Familie Skifahren oder machen mal einen Ausflug. Letztes Jahr war ich eine Woche mit dem ältesten Enkel in New-York. Das hat viel Spaß gemacht.

Haben sie einen noch besonderen Wunsch für Groß-Zimmern?

Dass die Gemeinde über alle Parteigrenzen hinweg im Vordergrund steht und die Zusammenarbeit weiterhin harmonisch verläuft. Gezänke braucht man nicht.

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