Tag der offenen Tür

Immer dem Abwasser nach

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An sämtliche Stationen, in denen in der Kläranlage das Abwasser gereinigt wird, werden die Besucher des Tages der offenen Tür geführt.

Groß-Zimmern - Etliche Bürger sind am Samstag zur Kläranlage gekommen, um sich die Neuerungen anzuschauen. Von Ulrike Bernauer 

Zwar können Interessierte die Anlage auch ohne Führung besichtigen, aber den Ablauf der Klärung des Abwassers aus der gesamten Gemeinde versteht man besser, wenn man bei einer der zahlreichen Führungen den Erläuterungen der Mitarbeiter lauscht.

Eigentlich will sich Heinz Brücher, bekannt als Mitglied der Kerb-Dixie-Stompers, nur einmal von den Änderungen bei der Kläranlage überzeugen. Zum Tag der offenen Tür ist er am Samstagvormittag mit seinem Sohn gekommen und steuert gleich das neue Klärbecken an. Dort bleibt er kurz bei einer von Kläranlagen-Mitarbeiter Florian Frühwein geführten Gruppe stehen. Die Erläuterungen von Frühwein findet er dann doch so interessant, dass er sich der Führung anschließt und bis zum Ende dabei bleibt. Die Fachleute sammeln immer wieder Interessierte zu Grüppchen und laden sie dann zum gemeinsamen Rundgang ein.

Die Erweiterungsarbeiten an der Anlage sind zwar noch nicht ganz abgeschlossen, aber das neue, zusätzliche Klärbecken ist schon im Betrieb. Es wurde bereits im September eingeweiht. Notwendig geworden war es, weil die Gemeinde wächst und folglich auch mehr Abwasser entsteht, das gereinigt werden muss, bevor es dann in die Gersprenz gelangt. Bis zu 150 Liter Wasser werden pro Sekunde in das Flüsschen abgelassen, das leiste plätschernd nach Dieburg fließt.

Die geführten Gruppen bewegen sich den Wegen des Abwassers folgend durch die Kläranlage, die entgegen der Vermutung so mancher Besucher weniger stinkt als befürchtet. Lediglich beim letzten Becken, hier wird der nach der Klärung übrig gebliebene Schlamm getrocknet, müffelt es doch ziemlich. Die erste Station ist die Rechenanlage, in der die größten Beistoffe entfernt werden.

Helmut Hofmeister ist extra aus Klein-Umstadt nach Groß-Zimmern gekommen. „Mich interessiert, was mit unseren Hinterlassenschaften geschieht. Das hat ja auch Rückwirkung auf den eigenen Wasserverbrauch“, meint er. Neu war für Hofmeister, der sich vor Jahren auch die Kläranlage in Groß-Umstadt angeschaut hat, dass besonders „feuchte Tücher“ Probleme bereiten. „Die zersetzen sich in der Behandlung nicht so wie Tempos oder reines Toilettenpapier, sondern bilden lange Ketten“, beschreibt Kläranlagenleiter Edmund Linke das Problem. Die Besucher können auf die Brücke über dem neuen Klärbecken steigen und dort verfolgen, wie das Wasser gereinigt wird. Außen kommt es als braune Brühe angeschwemmt, im innern des runden Beckens ist es dann klar und bereit für das Ablassen in die Gersprenz. Rund 23 Stunden fließt das Abwasser von Becken zu Becken, bis es gereinigt zuletzt in den Bach geleitet wird. „Ich bin der größte Arbeitgeber in Groß-Zimmern“, lacht Linke. „ich habe hier Milliarden von Bakterien als Angestellte, die das Wasser reinigen.“

Natürlich interessiert die Besucher auch, was mit dem Klärschlamm passiert. Der werde weitestgehend getrocknet und anschließend nach einer gründlichen Untersuchung auf Schadstoffe auf den Äckern in der Gemeinde verteilt. „Das regelt aber eine externe Firma“, sagt Frühwein. Wichtig sei, dass der Schlamm, wenn er abgegeben wird, möglichst wenig Wasser enthält. Für die Entsorgung müssen pro Tonne 90 Euro gezahlt werden.

Als letzte Station erklimmen die Besucher den Faulturm und haben von dort einen tollen Blick auf Groß-Zimmern. Ein Foto kann allerdings niemand machen. Kameras, Handys und Feuerzeuge durften die Besucher nicht mitnehmen. „Hier oben ist immer Gas, das könnte sich entzünden. Da wollen wir auf Nummer sicher gehen“, sagt Frühwein.

Bevor die Besucher zum vorbereiteten Imbiss gelangen, sollten sie sich auch noch die Hände reinigen. „Sie wissen ja, mit was wir hier arbeiten, und sie haben auch die Geländer angefasst“, erklärt Frühwein. Die Wurst schmeckt den Gästen dann trotz der ungewohnten Umgebung sehr gut.

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