Mit der „Holzisch“ in der Heimat

Empfang für die Kerb Dixie Stompers

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Gemeinsam die Erleuchtung haltend: Bandleader Heinz Held (links) und Bürgermeister Achim Grimm beim Empfang für die Kerb Dixie Stompers im Zimmerner Rathaus.

GROSS-ZIMMERN - Zwar ist Aschermittwoch vorbei, die närrische Freude über eine kleine, aber großartige Trophäe keineswegs: Für die Zimmerner Kerb Dixie Stompers, die am Rosenmontag mit der höchsten externen Auszeichnung des Karnevalvereins Dieburg (KVD) geehrt worden sind, gab es am Freitagabend einen Empfang im heimischen Rathaus. Von Klaus Holdefehr 

Zu Beginn trägt ein kleiner Mann ein kleines Licht in den Saal, in dem sonst andere auf Erleuchtung hoffen. Gerhard Schlepper heißt er, spielt bei den Stompers Klarinette und Saxofon, für eine Minute wird er nun zum „Laternen-Schlepper“. Dann platziert er die „Holzisch“ auf dem Tisch, an dem seine Mitmusiker samt Gattinnen Platz nehmen. Kennzeichen der glorreichen Sieben, wie immer bei öffentlichen Auftritten: weißes Hemd, dunkle Weste, Strohhut. Dixie eben, der musikalisch-kulturelle Hintergrund dieser Zimmerner, zu denen mit Hans Modrei an den Trommeln auch ein Dieburger gehört.

Dass dies erwähnenswert ist, gibt einen Hinweis darauf, dass die Sache pikant ist. Dieburger und Zimmerner sind einander in einer Melange von Hass und Liebe verbunden, ohne die man „hübb und drübb“ der B 26 wohl schmerzlich weniger zu lästern hätte. In irgendwelchen früheren Zeiten war die Sache richtig ernst, und dessen eingedenk schildert Stomper Clemens Geiß (laut Bandleader Heinz Held einst „die Antwort Groß-Zimmerns auf Cary Grant“) sein ungläubiges Staunen: „Mein Sohn hat die Nachricht etwa 14 Tage vor dem großen närrischen Empfang in Facebook gesehen, mich angerufen und mir das mitgeteilt. Ich konnte erst mal nur sagen, des glaab isch nit. Schließlich sind vor 50, 60 Jahren zwischen Dieburg und Zimmern noch Steine geworfen worden.“

Längst aber ist Völkerverständigung angesagt. So gehört neben einer ansehnlichen Delegation des KVD auch Dieburgs Bürgermeister Werner Thomas zu den Gästen. „Ich freue mich, dass die Holzisch in der Region bleibt und nicht irgendwo hin geht. Die Leute hier haben sich richtig gefreut, deshalb war diese Preisverleihung auch die richtige Entscheidung.“ Thomas wird begleitet von Gattin Sabine, und es stellt sich heraus, dass die beiden seit Jahrzehnten in einer „Mischehe“ leben. Sie hat nämlich familiäre Wurzeln in Zimmern und weiß zum Thema beizutragen, dass sie nach Darmstadt aufs Gymnasium geschickt worden ist, weil es geheißen hat, in Dieburg werde ein Zimmerner nichts, zumal – in den sechziger Jahren – ein Mädchen, das ja später heirate und deshalb sowieso kein Abitur brauche.

So mancher Blick fällt an diesem Abend zurück in ziemlich finster anmutende Zeiten. Sie scheinen allerdings ganz und gar vorbei, mit dieser Preisverleihung endgültig auf einem der unteren Regalbretter im Archiv der Geschichte abgelegt. Das legt die Schilderung des KVD-Vorsitzenden Friedel Enders nahe: „Einer hat im Prinzenkomitee den Vorschlag gemacht. Da gab es nicht etwa einen Aufschrei, sondern jeder war dafür, denn die Stompers sind ja bei uns gut bekannt und waren schon öfters bei der Dieburger Fastnacht aktiv. Die machen auch bei der Zimmerner Kerb eine fantastische Brauchtumspflege, und das hat letztendlich den Ausschlag gegeben. Die Entscheidung ist einstimmig gefallen, auch aus der Dieburger Bevölkerung kommt nur Zustimmung. Mir ist jedenfalls bis jetzt keine einzige negative Stimme zu Ohren gekommen.“

Weil’s ein Empfang der Gemeinde Groß-Zimmern ist, den Marianne Schott als eine der guten Feen im Rathaus prima organisiert hat, tritt Bürgermeister Achim Grimm ans Rednerpult und spricht staatsmännische Worte wie: „Endlich ist die Holzisch Latern in Groß-Zimmern angekommen. Da haben wir Jahrzehnte drauf gewartet. … Mit der Holzisch wurden jetzt nicht nur die Stompers geehrt, sondern auch Zimmern un soi schee Kerb … Wir danken den Dieburgern für ihren mutigen Entschluss.“

Bilder: Kerb in Groß-Zimmern

Bleibt laut Grimm die Frage: Wo bleibt jetzt die Holzisch in Zimmern? Da er weiß, dass die Stompers ihre Proben oft weit durch den Abend ausdehnen, kommt er auf den Gedanken, dass sie zum Heimleuchten taugen könnte. Laudator Klaus Becker hält seine Dieburger Redd noch einmal, dann ist Bandleader Held an der Reihe. Er charakterisiert die Kerb Dixie Stompers als einen „Beitrag zum gesellschaftlichen Leben“, und spätestens seit der Überreichung der Holzisch gilt das „hübb und drübb“ der B 26. Jetzt wären eigentlich die Zimmerner an der Reihe, den KVD mit dem „kleinen Friedensnobelpreis“ auszuzeichnen – aber der müsste erst noch gestiftet werden.

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