Die Geschichte von Waltraud, die sich nicht allein in den Wald traut

Das Wunder von Zim-Bern

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Ankunft des WM-Pokals am Brückelchen in Form von Kerbpuppe Waltraud.

Groß-Zimmern - „Sie heißt Waltraud, trinkt Bier nach deutschem Reinheitsgebot gebraut, raucht Pfeifenkraut, isst Sauerkraut und ist unsere Megabraut!“ Obwohl diese Informationen zur Kerbpuppe am Samstagabend am Brückelchen über Lautsprecher verkündet wurden, hatte sie im Publikum kaum einer verstanden. Von Gudrun Fritsch 

Schwer hatten es die Kerbborschte, sich gegen das fast kontinuierlich anhaltende Jubelgeschrei der anderen Jahrgänge durchzusetzen. Dabei hatte ihre Geschichte zur Abholung durchaus Aufmerksamkeit verdient. Clemens Wörtche machte seine Sache als Moderator sehr gut. Ganz im Fußballfieber versetzte er die Groß-Zim-Berner zurück in die 50er Jahre. „Des Wunner hat nit in Bern stattgefunne, sondern uff dem Agger dort hunne“, erklärte er und berichtete von der Weltmeisterschaft 1954. Nachdem auch Sepp Kerbberger (Thomas Beutel) das Publikum begrüßt hatte, wurden die Fußballmannschaften vorgestellt. Die Gundernhäuser hatten nach einem Erfrischungsstop mit Bembel den Weg nicht mehr gefunden.

Ihnen wurde mit Unterstützung des Publikums zwar noch erklärt „Ausse, Enne, Awwe, Uffe, gäiht de Wäg noch Zimmern“, aber für die Spielteilnahme waren sie zu spät. Auf die Dieburger wartete man vergebens. Wörtche spekulierte: „Die hatten Angst und mussten einfach kneifen.“ Stark, aber zu feminin traten die Eppertshäuser auf, deren Mannschaft auf Frauen angewiesen ist. „Noa, des is nit Regelkonform, elf Borschte sin die Norm. Seid er net sou veele, dann könnt er net speele“, so die Begründung für die Disqualifikation. Doch ein Trost blieb: „Mer wolle nit so soi, un loade euch nächst Joahr zur Fraueweltmeisterschaft oi.“

Bilder: Kerb in Groß-Zimmern

Ohne Kampf hatten folglich die Zimmerner die WM gewonnen. Der Pokal wurde gebracht und der Limousine entstieg Kerbpuppe Waltraud, die sich nicht alleine in den Wald traut. Vor lauter Jubel und Geschrei ging das Singen der Hymne dann unter. Glücklich trugen die Kerbborschte 2015 ihre „Bobbe“ zum Rathausplatz.

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