Nachwuchsförderung bei der Chorgemeinschaft

Neuer Jugendchor „Let’s Glee“

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Kerstin Kitzig steht als Schauspielerin und Sängerin oft selbst auf der Bühne. Mit ihrer Band „Second Flame“ covert sie erfolgreich Rock- und Popsongs.

Groß-Zimmern - Viele Vereine beklagen fehlenden Nachwuchs. Für einen Gesangverein ist es schwer, junge Menschen für den Chorgesang zu begeistern. Häufig schreckt das veraltete Bild von Sängerknaben Jugendliche ab. Von Gudrun Fritsch

Dabei hat man sich längst der modernen Gesellschaft angepasst. Deshalb will die Chorgemeinschaft nun endgültig mit Vorurteilen aufräumen und gründet einen neuen Jugendchor, der in seinem gesamten Konzept auf Augenhöhe mit den Vorstellungen des potentiellen Nachwuchses ist: Modern, frech und lebendig. Unter dem Motto „Let´s Glee“ können junge Menschen ihr musikalisches Talent einbringen. „Wir haben sehr viele Wochen an dem Konzept gefeilt und endlich jemanden gefunden, der die Jugendlichen begeistern kann“, erzählt der Vorsitzende der Chorgemeinschaft Michael Ganß stolz.

Mit Kerstin Kitzig hat der Verein eine junge Frau ins Boot geholt. „Ich arbeite schon lange mit Jugendlichen und weiß, dass man sie dort abholen muss, wo sie sind“, erzählt die Gesangslehrerin, die den Nachwuchs gezielt fördern möchte. Doch wo stehen die Jugendlichen? „Das ist ja das Spannende. Sie befinden sich in einer permanenten Selbstfindungsphase. Man sollte ihnen einfach ein bisschen Raum geben, damit sie die Chance haben, sich zu finden.“ Diese Selbstfindungsphase kann sie als Künstlerin gut nachvollziehen. Gerade deshalb hat sie wahrscheinlich einen guten Draht zu jungen Menschen. „Wer sagt, er sei nicht musikalisch, der hat es noch nicht ausprobiert“, meint sie. „Jeder kann etwas. Man muss das Potential einfach herauskitzeln.“ Dafür will sie möglichst bald als Leiterin des neuen Jugendchors im Raum der Mehrzweckhalle stehen und freut sich auf alle jungen Menschen, die Spaß daran haben, Musik zu machen.

Gesangslehrerin Kerstin Kitzig will mit der Chorgemeinschaft den Nachwuchs für den Chorgesang begeistern.

Die 32-Jährige aus Geilenkirchen ist mit Leib und Seele Künstlerin. Mit elf Jahren hat sie angefangen, in der Schülerband zu singen. Nach dem Abitur hat sie in Osnabrück eine Ausbildung zur Musicaldarstellerin absolviert und startete ihre Karriere. Ihr erstes Engagement hatte sie in Duisburg für eine Musical- Gala, die deutschlandweit auf Tour war. Irgendwann führte sie ihr Weg nach Hessen. 2010 spielte sie die Hauptrolle bei der Musical Factory in der AIDA-Inszenierung und übernahm im darauffolgenden Jahr die komplette Regie für „Die Drei Musketiere“. Das hat ihr so viel Spaß gemacht, dass sie 2013 mit Marcel Lutz und einem Stab an Mitarbeitern eine eigene Produktion auf die Beine gestellt hat: In „Frühlingserwachen“ trat sie mit 35 Kollegen inklusive Orchester in Erbach, Höchst, Münster und Groß-Umstadt auf. Bei dem dramatischen Musical führte sie Regie und stand als „Ilse“ selbst auf der Bühne. Neben weiteren Engagements war sie letztes Jahr auf der „Kleinen Bühne“ in Bessungen in „Cabaret“ zu sehen und übernahm die Hauptrolle der Sally Bowles. Und sie fühlt sich auch dazu berufen, anderen etwas beizubringen. Seit 2009 ist sie Gesangslehrerin und arbeitet seit drei Jahren an der Modern Music School in Dieburg. Aktuell betreut sie rund 30 Schüler und findet mit viel Feingefühl versteckte Talente. Eine ihrer Schülerinnen war sogar schon bei „The Voice Kids“ im Team von Lena zu sehen. Wenn Kitzig nicht arbeitet, singt sie dennoch. Mit ihrer Band „Second Flame“ bringt sie mit Rock- und Pop Cover-Songs die richtige Stimmung auf Feste in der Region. Und wenn sie mal nicht singt? Sie kocht, macht Yoga und sie geht leidenschaftlich gern ins Kino. Mit ihrem Freund dokumentiert sie nach jedem Kinobesuch eine Diskussion über den Film und stellt diese auf ihren eigenen Youtube-Blog.

Nach dem amerikanischen Vorbild des Glee Club will die Chorgemeinschaft den neuen Jugendchor aufziehen. Dabei zählt nicht nur die Stimme. Wer zusätzlich ein Instrument spielt, ist ebenso willkommen, wie jemand der gerne tanzt oder sogar rappt. Die Jugendlichen bestimmen mit, welche Lieder erarbeitet werden. Dabei fließen Elemente von Gesang, Rap, Instrumente und Tanz in die Nummern ein. „Wir wollen die Lücke zwischen Kinderchor und den Erwachsenen schließen“, erklärt Ganß das neue Vorhaben.

Screenshots aus Karaoke Revolution Glee Vol. 3

Die „Dozzer“ der Chorgemeinschaft sprechen Kinder bis zu zwölf Jahren an. Und auch wenn Chorus Line die junge Chorformation bleibt, ist es doch ein Chor für Erwachsene, dem sich Jugendliche nicht immer anschließen wollen. „Wir freuen uns mit Kerstin eine Chorleiterin gefunden zu haben, die zu uns passt. Für uns beginnt jetzt eine spannende Zeit“, prophezeit Ganß. Der neue Chor wird voraussichtlich im Sommer mit den Proben beginnen. Die Termine werden demnächst festgelegt und rechtzeitig bekannt gegeben. Wer Spaß daran hat, Musik zu machen und gerne Ideen einbringen möchte, kann dann einfach mal reinschnuppern.

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