Unkraut wächst dem Rhabarber davon

Kirschen rot, Spargel tot

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Soja baut Landwirt Thomas Schaffer an. Die Kulturen sind in den hiesigen Gefilden eher selten.

Groß-Zimmern - „Kürbisse, Mais, Zuckerrüben und Getreide wachsen dem Unkraut davon“, sagt Landwirt Thomas Schaffer. War es im vergangenen Frühjahr viel zu trocken, so scheint es jetzt als würde es nur noch regnen. Von Ulrike Bernauer 

Der Lokal-Anzeiger fragte auch bei Obstbauerin Katharina Geibel nach, wie sich dieses Wetter auf Obst, Gemüse oder andere landwirtschaftliche Produkte auswirkt. „Noch geht es mit dem nassen Wetter“, sagt Geibel. „Es wäre nur gut, wenn es langsam mal aufhören würde zu regnen.“ Einig sind sich Geibel und Schaffer, dass zur Zeit alles sehr wüchsig ist. Das betrifft natürlich nicht nur die gewünschten Kulturen, sondern auch die Beikräuter auf dem Acker, die der Landwirt nicht unbedingt haben will. So haben Geibels neuen Rhabarber gepflanzt und die Böden müssen nun häufiger durchgehackt werden, damit die Beikräuter dem Rhabarber nicht über den Kopf wachsen.

Teilweise ist es aber auch zu nass, um notwendige Arbeiten auf dem Acker durchzuführen. So will die Obstbauerin neue Erdbeeren pflanzen, aber das verschiebt sie noch ein wenig. Denn es nicht gut, wenn bei durchnässtem Boden Arbeiten durchgeführt werden. Da besteht die Gefahr der Bodenverdichtung. Im zeitigen Frühjahr war es für die Erdbeerpflanzen in diesem Jahr allerdings zu kalt. Sie mussten zeitweise in den Nächten abgedeckt werden. Dafür gibt es aber auch schon seit Ende April Erdbeeren. Die ersten süßen Früchte kamen allerdings aus dem Folientunnel.

Die Obstbaumblüte ist schon länger vorbei. Mit den ersten verkaufsreifen Kirschen rechnet Geibel in zwei bis zweieinhalb Wochen. Auch die anderen Obstsorten wie Himbeeren, Johannisbeeren, Pflaumen, Birnen oder Äpfel entwickeln sich gut. „Wir sind bis jetzt von größeren Unwettern verschont geblieben sagt Schaffer, „auch wenn wir mal 30 Liter in einer Nacht abbekommen haben. Aber das haben die Böden noch geschluckt.“

Der Landwirt ist ganz froh über die bisherigen Regenfälle. „Was wir haben, das haben wir“, sagt er. Seinem Spargel geht es gut, er leidet unter der großen Feuchtigkeit nicht. Im vergangenen Jahr musste Schaffer das edle Gemüse bei anhaltender Trockenheit sogar bewässern. Spargel wird noch bis etwa zum Johannesfest gestochen, also um den 24. Juni. Schaffer hat eine einfache Regel: „Kirschen rot, Spargel tot.“ Erdbeeren gibt es bei ihm seit dem 10. Mai und er rechnet noch mit einer Ernte bis in den Juli hinein.

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Schließlich hat er wie Geibel verschiedene Sorten, die auch zu unterschiedlichen Zeiten reif werden. Seine anderen Kulturen wachsen dank des Regens und des mittlerweile doch warmen Wetters recht gut. Soja und Kartoffeln sprießen nur so, genauso ist es bei Zuckerrüben, Kürbissen und dem Getreide. Kürbisse baut der Landwirt für sein Bio-Kürbiskernöl an, das Soja dient als Hühnerfutter. Schließlich hält Schaffer Legehennen und verkauft Bio-Eier. „Wenn ich Soja aus dem Ausland kaufen würde, müsste ich davon ausgehen, dass ich gentechnisch verändertes Soja erhalte“, sagt der Landwirt.

Eine Alternative wären Ackerbohnen für die Hinkel, die auch viel Eiweiß enthalten. Die Hühner schätzen das feuchte Wetter allerdings nicht so sehr. „Nur die hartgesottenen gehen bei Regen ins Freie, die meisten bleiben lieber drin“, sagt Schaffer und lächelt verständnisvoll. Einig ist er sich aber auch in einem weiteren Punkt mit Obstbauerin Geibel. „Lieber dieses etwas feuchte Frühjahr als ein so trockenes wie im vergangenen Jahr.“

Die Sonne würden beide trotzdem gerne mal wieder länger sehen. Auch die Erdbeeren verkaufen sich natürlich besser, wenn die Sonne scheint.

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