Kita-Streik in Groß-Zimmern

Demonstrierter Stillstand

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Wie Schaufensterpuppen wirken die streikenden Erzieherinnen, die beim Flashmob den „Stillstand“ kritisieren.

Groß-Zimmern - Der Streik der Erzieher, Sozialarbeiter und Pädagogen geht weiter. Von Gudrun Fritsch 

Zwar waren in Groß-Zimmern bisher nur wenige Einrichtungen betroffen und überall konnte Betreuung angeboten werden, aber trotzdem setzen sich die Erzieherinnen auch hier für eine Besserstellung ihrer Arbeit ein. Für Dienstagmorgen hatten sie zum Flashmob in Supermärkten vor Ort aufgerufen. Danach besuchten sie Bürgermeister Achim Grimm im Rathaus. Der seit drei Wochen währende Streik der Erzieherinnen in Hessen (wir haben berichtet) dringt mittlerweile über die Kreise der unmittelbar Betroffenen hinaus in die Öffentlichkeit. „Stillstand“, so lautete das Motto der rund 30 Erzieherinnen aus Groß-Zimmern und Ober-Ramstadt, die am Flashmob teilnahmen.

Steif wie Schaufensterpuppen blieben sie auf ein Zeichen hin im Kassenbereich des Real-Marktes oder auf dem Platz zwischen Aldi und Tegut stehen. Minutenlange Stille herrschte um sie herum und die Passanten staunten über die seltsam in oft ungewohnter Haltung ausharrenden Menschen mit Zetteln. Auf denen wurde das Wort „Stillstand“ ergänzt durch Sätze wie: „Gesellschaftliche Anerkennung! Erzieherinnen sind keine ZukunftsgestalterInnen, keine Kaffeetanten“, oder „Stillstand – ohne Erzieherinnen: in der Bildung eurer Kinder“.

Während eine Kassiererin die Aktion gar nicht mitbekam und sich lediglich wunderte, dass es so ruhig war, meinte ihre Kollegin Vaida Bickert drei Kassen weiter: „Ich bin selber betroffen. Meine Tochter geht in den Kindergarten. Aber ich finde die Forderungen gerechtfertigt und wünsche den Erzieherinnen viel Erfolg. Diese Arbeit muss besser bezahlt werden.“ Auch an den anderen Aktionsorten zeigte sich, dass Eltern und Passanten viel Verständnis für den Arbeitskampf haben. „Es geht uns nicht nur ums Geld“, argumentierte Jennifer Köster. „Bei einem Stellenwechsel werden unsere Berufsjahre vom neuen Arbeitgeber nicht anerkannt. So schafft es kaum eine in die höchste Gehaltsstufe“, kritisierte sie.

Im Rathaus diskutierten die „Flashmobber“ abschließend lange mit Bürgermeister Achim Grimm. Dass Erzieherinnen eine ungewöhnlich lange Ausbildung absolvieren müssen, um dann in Vollzeit deutlich unter 3000 Euro im Monat zu verdienen, findet auch der Zimmerner Rathauschef nicht richtig. Als Vater von zwei Töchtern im Kindergartenalter ist er direkt betroffen. „Gewiss werden die Erwartungen von Politikern und Eltern an die Qualität der Arbeit auch immer höher“, zeigte er Verständnis für den Unmut und die Forderungen der Kindergärtnerinnen.

Allerdings sei es der Gemeinde bei aktueller Kassenlage nicht möglich, mehr für die Kinderbetreuung zu zahlen. „Die Kommune hat sehr viele Bedienstete. Ich muss auch die anderen im Auge behalten“, so Grimm. Auch der Forderung, sich als Mitglied im kommunalen Arbeitgeberverband für die Interessen der Streikenden einzusetzen, könne er nicht nachkommen, denn „ich darf nicht in die Tarifautonomie eingreifen,“ sagte Grimm. Aber er habe in einem Schreiben die Tarifparteien aufgefordert, möglichst bald eine „gerechte“ Lösung zu finden. Über ein Ergebnis wollen die Delegierten der Streikenden heute in Frankfurt beraten. Wenn eine Aufwertung klar nachvollziehbar sei, erwarte er von der Delegiertenversammlung die Empfehlung einer Annahme des Ergebnisses, sagte Verdi-Chef Frank Bsirske. „Wir wollen alles dransetzen, jetzt in den Verhandlungen zu einem gemeinsamen Ergebnis zu kommen, um diesen Streik dann auch beenden zu können.“

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