Auf schnellen Reifen im Parcours

Schule feiert in die Ferien

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Auch Markus Pelz, Leiter des St.Josephshauses in Klein-Zimmern, drehte ein paar Runden auf dem Segway.

Klein-Zimmern - Bis zum Beginn der Ferien ist es zwar noch ein paar Wochen hin. Doch insbesondere die älteren Schüler der Bischof-Ketteler-Schule (BKS) haben Anlass zum Feiern. Hinter ihnen liegen viele Wochen zähen Lernens, um die Abschlussprüfungen zu meistern. Von Ursula Friedrich 

Die BKS ist zwar eine Schule für sonderpädagogische Förderung, (für Kinder und Jugendliche mit einem Krankheitsbild oder seelisch-emotionalem Förderbedarf) unterliegt mit ihrem Schulangebot jedoch den Anforderungen und Lehrplänen allgemeiner Schulen.

70 Kinder besuchen die katholische Bildungseinrichtung derzeit, die ihre Schüler an zwei Standorten zum Haupt- und Realschulabschluss führt. Oder, so das vorrangige Ziel, wieder „fit“ für die Regelschule macht. „Wir haben einen Inklusionsauftrag“, sagt Markus Pelz, Geschäftsführer des St. Josephshauses in Klein-Zimmern. „Oberstes Ziel ist die Rückschulung der Kinder in allgemeine Schule.“ Aus diesem Auftrag resultiert „ein ständiges Kommen und Gehen“, wie Schulleiterin Susanne Scheuch-Ahrens die starke Fluktuation bezeichnet. Am Freitag feierten alle miteinander ein Fest. Die Kleinen der Grundschule am Standort Klein-Zimmern und die älteren Schüler, die ab der fünften Klasse im ehemaligen Dieburger Konvikt lernen. Ins bunte Treiben auf dem grünen Außengelände mischten sich Eltern, Lehrer und Sozialpädagogen. Höhepunkt des Fests - zumindest aus Schülersicht - war das mobile Angebot.

Knifflige Parcours auf dem Segway

Auf Segways meisterten die Älteren knifflige Parcours oder übten sich im Torwandschießen. Jüngere traten engagiert in die Pedale der Liegendräder und wetteiferten in der ungewohnten Position um schnelle Runden. Andere freuten sich über den Besuch der Angehörigen. Rund 30 Prozent der BKS-Schüler leben in den Wohngruppen des Internats und sehen die Eltern und Geschwister selten. 70 Prozent der Schüler pendeln täglich aus dem gesamten Landkreis Darmstadt-Dieburg zum Unterricht ein. Im Schulgebäude zeugte eine Ausstellung davon, wie kreativ die Grundschüler in den Vortagen waren. Unter dem Motto Schulverschönerung wurde gebastelt, gezimmert und gewerkelt, gemalt und Bildhauerei betrieben. Große Pappmasché-Figuren, Holzbänke, dreidimensionale Bilder und Steinmalereien waren entstanden.

Ein Blick in die Klassenzimmern spiegelte die Unterrichtssituation. Im Unterrichtsraum der vier Erstklässler ist es inzwischen möglich, das Quartett gemeinsam zu unterrichten. Zu Beginn des Schuljahres war dies undenkbar, „die Kinder wurden zunächst einzeln unterrichtet, jetzt lernen sie als Gruppe acht bis zehn Stunden in der Woche“, erzählte Susanne Scheuch-Ahrens. Dieser Erfolg macht sie stolz, aber auch traurig. „Manche Kinder schaffen es nicht einmal in die erste Klasse einer allgemeinen Schule“, und: „die Anfragen für Kinder, die nur teilweise beschulbar sind, steigen.“ Die Gründe für sonderpädagogischen Förderbedarf sind sehr unterschiedlich. Schwierige familiäre Verhältnisse können ebenso dazu führen wie Krankheit, etwa Autismus.

Es gibt hochbegabte Kinder, blitzgescheit, jedoch so verhaltensauffällig, dass sie im „normalen“ Schulleben scheiterten. An der BKS bietet ein engagiertes Team von Fachkräften einen geschützten Ort, um Kinder zu stabilisieren, Stärken zu fördern, ein ganzheitliches Angebot zu schaffen. „Je früher die Kinder kommen, desto größer ist unsere Chance zu stabilisieren“, erklärt die Schulleiterin und kann ein tolles Beispiel nennen: „Eine unserer Schülerinnen, die bei ihrer Ankunft nicht sprach, hat jetzt den Lesewettbewerb gewonnen. Sie wird im kommenden Schuljahr eine Regelschule besuchen.“ Für das Schuljahr 2015/16 erwartet Susanne Scheuch-Ahrens rund 90 junge Menschen – damit wäre die BKS ausgebucht. Im Trubel auf dem grünen Schulhof stürmten auch aufgeregte Eltern auf die Lehrer ein. Und unterschieden sich mit ihrem Eifer kein bisschen von anderen Müttern undVätern: „Hat mein Kind die Prüfung geschafft?“ Leider ist Geduld gefordert. Die Resultate der Abschlussprüfungen werden, wie an staatlichen Schulen, erst in ein paar Wochen bekannt gegeben.

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