Wege durchs Chaos finden

Buntes Sommerfest im St. Josefshaus

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Ein Schuljahr geht zu Ende: Im St.Josephshaus Klein-Zimmern, der Jugendhilfeeinrichtung des Landkreises, wurden am Freitag die Abschlussklassen gefeiert.

Klein-Zimmern/Dieburg - Es gab vielfach Grund zum Feiern: Alle 50 Bischof-Ketteler-Schüler haben ihren Schulabschluss geschafft. Auch die Bewohner des St. Josefshauses meisterten Schule und Ausbildung. Und alle zusammen feierten ein Fest. Von Ursula Friedrich 

„Wir sind das Chaos“ so lautet das Motto des Abschlussjahrgangs der Ketteler-Schule in Dieburg. Eine ganze T-Shirt Kollektion mit dem Logo auf der Brust trug der strahlende Jahrgang am Freitag beim Sommerfest in Klein-Zimmern – mit dem Abschluss ist eine große Hürde im Leben genommen. Das Chaos trägt jeder auf seine Weise in sich, denn diese Schüler haben ein besonderes Schicksal. Sie sind krank, verwaist oder verhaltensauffällig, stammen aus zerrütteten Familien, haben häusliche Gewalt oder Mobbing in der Schule erlebt. Nun haben sie Grund zum Feiern.

„Ich bin stolz auf euch“, sagte Schulleiterin Susanne Scheuch-Ahrens. Alle 50 Schützlinge haben den Haupt- oder Realschulabschluss geschafft. Auch Markus Pelz, Leiter des St. Josephshauses in Klein-Zimmern, zu dem die Kettelerschule gehört, war voll des Lobes. Schüler der Wohn- und Tagesgruppen haben an Regelschulen im Umland alle Prüfungen gemeistert und nun die Abschlusszeugnisse in der Hand. Für diese Leistung stimmten sogar Lehrer und Betreuer auf der Bühne im Innenhof ein Lied an. Der Großteil der Schüler stammt aus dem Landkreis Darmstadt-Dieburg, aber auch Jugendliche von weiter her haben in der Jugendhilfeeinrichtung ein Zuhause gefunden.

Eine Eins im Theorieteil

So wie der junge Mohammed. Der Iraker kam als unbegleiteter Flüchtling nach Deutschland. Der fremden Sprache ist er inzwischen so mächtig, dass im Gesellenbrief zum Gartenbauhelfer eine Eins im Theorieteil steht. „Zum ersten Mal haben wir drei Schüler, die einen zertifizierten Realschulabschluss haben und so für die Oberstufe qualifiziert sind“, erzählte die Schulleiterin.

Andere haben ihre Ausbildung in den angegliederten Werkstätten der katholischen Einrichtung oder in auswärtigen Betrieben geschafft. Die Sorgenkinder aus dem Josephshaus sind Maler, Lackierer und Objektbeschichter geworden. Den Beruf der Altenpflegerin hat Afonia erlernt. Vielleicht kann sie irgendwann einmal in ihr Geburtsland Eritrea zurückkehren, wo dieser Beruf sehr geschätzt wird.

Mit dem wachsenden Zustrom von Flüchtlingen übernimmt das St. Josephshaus hier immer mehr Verantwortung. Hier werden junge Minderjährige aufgefangen, die Heimat und Familie verloren haben. Welche Greuel diese Kinder und Jugendlichen erlebt haben, tritt bisweilen nur durch kleine Signale durch den starren Panzer einer traumatisierten Psyche. Etwa wenn abends die Türen verschlossen werden müssen oder das Einschlafen nur bei Licht möglich ist.

Noch im Ausland weilt Alexandra, die ein freiwilliges soziales Jahr ableistet (wir haben berichtet). Dass diejunge Frau diese Möglichkeit erhielt, ist auch der Spendenbereitschaft der Klein-Zimmerner Vereine zu verdanken, die das Vorhaben finanziell unterstützten.Pelz sagt dankbar: „Es ist toll, solche Nachbarn zu haben.“ Aus Argwohn in Teilen der Bevölkerung wurde Akzeptanz, ja sogar Engagement für die Bewohner des St. Josephshauses. Manch einer kam am Freitag, um sich bei der Vergabe der Zeugnisse und dem anschließenden Sommerfest mitzufreuen, mit Menschen, die trotz ihrer Jugend, schon viel Schlimmes erlebt haben.

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