Zurück aus der Winterpause

Fremder Storch im Anflug

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Klein-Zimmern - Monatelang war es verlassen, das Storchennest Im Hehnes an der Gemarkungsgrenze zwischen Dieburg, Klein-Zimmern und Semd. Doch mit den ersten frühlingshaften Märzsonnenstrahlen ist auch das Storchenpaar wieder aus der Winterpause zurück. Von Corinna Hiss 

Vogelkundler und Naturfotograf Dr. Klaus Fette hat das fremde Storchenpaar entdeckt.

Spaziergängern, die das traute Gespann aus der Ferne beobachten, fällt dabei nichts Ungewöhnliches auf. Vogelkundler und Naturfotograf Dr. Klaus Fette aus Dieburg hat jedoch genauer hingesehen und festgestellt: Das ist nicht das Paar, das dort bereits seit 13 Jahren brütet!.

„Ich kenne die Störche in der Gegend gut, und diese Vögel sind mir nicht bekannt“, sagt er im Gespräch mit unserer Zeitung. Letztes Jahr war der Zimmerner Storch bereits Ende Februar wieder im Nest Im Hehnes, dieses Jahr wurde er noch nicht gesichtet. Klaus Hillerich aus Groß-Umstadt hat den jungen Vogel im Alter von zwei Jahren beringt und bestätigt den fremden Storch, der sich mit seiner Gefährtin in den Wiesen gegenüber des Birkenhofs sichtlich wohl fühlt. „Wenn der Besitzer nach dem Winter noch nicht zurück gekommen ist, passiert es oft, dass sich ein neues Storchenpaar im leeren Nest ansiedelt“, erklärt der Experte. Er koordiniert seit Jahren die Weißstorcherfassung in Hessen und weiß über alle 380 Brutpaare Bescheid. Kommt dann aber Herr Adebar aus dem Süden zurück, überlässt er sein Nest sicher nicht kampflos dem Fremdling. „Da werden noch die Fetzen fliegen“, prophezeit Hillerich.

Der Hehnes-Storch kommt aus dem südhessischen Groß-Rohrheim, brütet aber bereits seit 2002 in seinem Nest in Klein-Zimmern. Mittleweile hat er das stolze Alter von 15 Jahren erreicht. Letztes Jahr kam sein 31. Junges zur Welt und er kann sich bereits Großvater nennen. Der Kampf um sein Nest gegen einen jüngeren Rivalen wird also nicht leicht für ihn werden.

Das Storchenpaar, dass ein paar Runden über Klein-Zimmerner Wiesen dreht, ist neu in der Gegend.

Auch das Weibchen, dass ihm bereits jahrelang zur Seite steht, musste ihre Stellung hart erkämpfen. Ende August ziehen erst die Jungvögel gen Süden, später folgen die Eltern. Die Heimreise wird aber nicht gemeinsam angetreten: Herr Adebar kommt meist vor Frau Adebar wieder. Und wenn sie sich nicht beeilt, balzt er mit einem fremden Weibchen. „Das war ein Mal bei den Hehnes-Störchen der Fall, aber Frau Adebar hat ihr Revier verteidigt und Herr Adebar zurückerobert“, sagt Hillerich.

Im Landkreis Darmstadt-Dieburg lebten vergangenes Jahr insgesamt 18 Storchenpaare, die bis auf eines erfolgreich gebrütet haben. Die Hehnes-Störche sind aber eine der wenigen, die im Winter überhaupt noch wegfliegen. „Wenn es so mild ist wie die letzten Jahre, bleiben mache Vögel hier, so zum Beispiel das Paar am Reinheimer Teich“, beschreibt Hillerich. Herr und Frau Adebar aus der Gemarkung bei Klein-Zimmern haben ihr Nest verlassen – ob ihnen das aber zum Verhängnis wurde, wird sich noch zeigen. „Vielleicht hat der Besitzer den Kampf gegen den jüngeren Storch verloren, oder ihm ist etwas auf dem Zug zugestoßen“, mutmaßt Vogelkundler Fette. Solche Theorien hält Hillerich aber für übertrieben, immerhin sei noch nicht gesagt, ob der Hehnes-Storch überhaupt schon zurückgekehrt ist, geschweige denn um sein Nest gekämpft hat: „Erst wenn er Mitte April nicht da ist und der fremde Storch im Nest bleibt, mache ich mir Sorgen.“

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