Vortrag von Pfarrer Babu George

Von kleinen Erfolgen und großen Ideen

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Von Indien über Schaafheim nach Klein-Zimmern: Pfarrer Babu George erzählte im Haus Barbara von seiner Arbeit.

Klein-Zimmern/Jalipudi - Vor 16 Jahren reiste Pfarrer Babu George zum ersten Mal nach Schaafheim, um einen Kollegen zu vertreten. Von Ursula Friedrich 

„Damals habe ich kein Deutsch gesprochen und auf englisch gepredigt“, lächelt der Geistliche, der erneut den weiten Weg aus seiner Heimat im süd-östlichen Indien nach Deutschland auf sich genommen hat. Diesmal machte er auch in Klein-Zimmern halt. 16 Jahre später spricht Babu George prima Deutsch und tourt auch durch befreundete Gemeinden, besucht kirchliche Kreise und Familien. Um von seiner Heimat zu erzählen. Von kleinen Erfolgen und großen Ideen. Vor allem jedoch, um Unterstützung zu bitten. Denn Pfarrer Babu George sorgt auf der Grundlage des christlichen Glaubens um ein besseres Leben für die Ärmsten in seinem Land.

Er ist katholischer Geistlicher, Entwicklungshelfer, Sozialarbeiter, „Mädchen für alles“, erklärt er bei seinem Besuch im Haus Barbara bei einem vom Frauenkreis organisierten Vortrag. Mit Hilfe der Spenden, die ihm seine Unterstützer von Groß-Zimmern bis Schaafheim und in die Schweiz zukommen lassen, wirkt er in seiner Missionspfarrei Jalipudi im indischen Bundesstaat Andra Pradesh, wo mit Spendengeldern der Gemeinde Schaafheim der Bau einer Kirche sowie einer Schule gelang. „Es ist eine Art Slum, wo die ärmsten Menschen der untersten Kasten leben“, erklärt er. Wenngleich Christen nur vier Prozent der Bevölkerung ausmachen, ist die Gemeinde mit 8 722 Katholiken recht groß. „Armut, Krankheit und Analphabetismus sind die Probleme, mit denen die Menschen zu kämpfen haben“, erzählt Babu George, den man inzwischen zum Domkapitular des dortigen Bistums beförderte.

Der Geistliche ist unermüdlich: 2014 gründete er ein Nähzentrum. Hier erlernen Frau auf manuellen Singer-Maschinen das Nähen. Wer sich selbstständig machen möchte, erhält eine Maschine, die zu 50 Prozent aus eigener Tasche finanziert werden muss. Zudem hat der Pfarrer eine Erste-Hilfe-Klinik um vier Betten aufgestockt und in seinen 19 Missionsstationen gibt es nun abends Nachhilfe für arme Kinder von der ersten bis zur zwölften Klasse. Die 682 Schüler erhalten auch Lehrmaterial, ein Essen und je zwei Kleider aus dem Nähzentrum.

Babu George hat eine Sozialgenossenschaft gegründet, und ermutigt die Menschen in den Dörfern, eine Verwaltung aufzubauen. Eine Rupie pro Tag wird in vielen Dörfern seither gespart – sind es 10 000 Rupien, gibt es von der Regierung und der Diözese die gleiche Summe als Prämie zurück.

Mit – nach westlichem Verständnis bescheidenen Summen – bewirkt Babu George in seiner Heimat Großes. Mit den Spenden seines vergangenen Deutschlandaufenthalts hat Babu George eine baufällige Schule abgerissen und neu gebaut. Am 1. November 2015 konnte das neue Gebäude, das in den Randzeiten als Kirche dient, bereits feierlich eingeweiht werden. Ein Herzensanliegen sind dem Kirchenmann die Kinder, deren Eltern so arm sind, dass sie nicht für sie sorgen können. Mit einer Patenschaften für ein Kind (zehn Euro pro Monat) kann die Schulbildung finanziert werden.

Geld wird auch für die Anschaffung neuer Nähmaschinen nötig (80 Euro), die für Frauen die Grundlage in eine Arbeit sind. „Für alle diese Projekte benutze ich das Geld, das ich von euch bekommen habe“, aäßerte sich der Pfarrer im Haus Barbara dankbar. Derzeit wird eine neue Kirche gebaut, die aus Spendengeldern finanziert wird. Bis auf Fensterhöhe wurde das Mauerwerk bereits hochgezogen. Wenn es finanzierbar ist, darf man sicher sein, dass Babu George bei seinem nächsten Besuch 2017 Bilder seiner neuen Pfarrkirche im Gepäck hat.

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