Mit Weiden flechten will gelernt sein

Korb vorerst ohne Henkel

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Die Teilnehmer des Kurses sind beim Weidenflechten konzentriert bei der Sache. - Foto: Bernauer Die Teilnehmer des Kurses sind beim Weidenflechten konzentriert bei der Sache. - Foto: Bernauer Die Teilnehmer des Kurses sind beim Weidenflechten konzentriert bei der Sache.

Groß-Zimmern - Man fühlt sich fast um Jahrzehnte zurückversetzt, wären da nicht die modernen Kleider der Teilnehmer. Körbe aus Weiden zu flechten ist eine Arbeit, die altmodisch anmutet, den Teilnehmern aber dennoch viel Spaß macht. Von Ulrike Bernauer

Es ist still beim Kurs in der Waldschule, alle sieben Teilnehmer sind vertieft in ihre Arbeit. Geredet wird zumeist nur, wenn jemand eine Frage hat oder Hilfe braucht. Und das ist auch gut so. Denn obwohl die Arbeit eigentlich nicht kompliziert aussieht, ist es doch sehr schwierig, wieder Ordnung in den Korb zu bringen, wenn man sich einmal vertan hat. Rudi Stegemeier, Korbflechter aus Dieburg, der seine handwerklichen Erzeugnisse das nächste Mal auf dem Martinsmarkt in Dieburg verkaufen wird, steht mit Rat und Tat zur Seite. Er wirbt für seine Produkte: „Wer bei mir einen Korb kauft, kommt meist nicht wieder, weil der Korb einfach so lange hält, dass man lange keinen neuen braucht.“

Stabil sehen die Körbe in der Tat aus. Frank Ahrens (49) aus Groß-Zimmern hat sich ein Tablett mit hohem Rand geflochten. „Damit kann ich wunderbar Sachen transportieren“, sagt der Rollstuhlfahrer und hält sein Werk auf den Oberschenkeln fest. Er nimmt schon zum zweiten Mal an einem solchen Kurs teil und die Arbeit macht ihm viel Spaß. „Zu Hause komme ich nicht dazu, obwohl mich das reizen würde, aber ich habe den Platz nicht und auch nicht genug Zeit.“ Ahrens ist sehr aktiv in seinem Hobby, er spielt Rollstuhlrugby in der zweiten Bundesliga.

„Flechten hat mich schon immer fasziniert“

Gabriele Junghähnel (42), ebenfalls aus Groß-Zimmern, ist das erste Mal dabei. „Das Flechten hat mich schon immer fasziniert und jetzt habe ich gedacht, ich probiere das einfach mal aus.“ Sie hätte allerdings nicht gedacht, dass die Arbeit so anstrengend sein würde und sie hat auch damit gerechnet, dass ein Korb schneller fertig gestellt wäre. Nun hat sie von der Arbeit Schmerzen in den Händen. Dennoch kann sie sich gut vorstellen, solch einen Kurs noch einmal zu besuchen. „Da muss man am Ball bleiben“, meint sie.

Claudia Wiedling, die die Waldschule bei diesem Kurs vertritt, hat diesmal auch genug Zeit ausgiebig zu flechten. Förster Martin Starke, Vorsitzender des Fördervereins der Waldschule, hat sich an diesem Wochenende um die Verköstigung der Teilnehmer gekümmert. Wiedling hat schon mehrere Kurse mit angeleitet, sagt aber trotzdem von sich selbst: „Ich kann da immer noch viel lernen, beim Abschluss einer Arbeit habe ich immer noch meine Schwierigkeiten und einen Henkel habe ich auch noch nie fertiggestellt.“

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