Landratswahlen im Kreis

Auf welcher Spur geht’s in die Zukunft?

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Wohin geht die Reise nach der Landratswahl und vor allem, mit welchem Verkehrsmittel? Der Kreisverband des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) fühlte den vier Bewerbern ums Amt des Landrats beim Bürgerforum auf den Zahn. Ideenschmiede Verkehrsentwicklung: Peter Löwenstein, Klaus Peter Schellhaas, Moderator Kurt-Michael Heß, Dr. Werner Thomas und Christoph Zwickler nahmen Stellung zu kniffligen Problemen.

Groß-Zimmern - In gut einer Woche, am Sonntag, 19. April, sind die Bürger des Landkreises Darmstadt-Dieburg aufgefordert, ihren Landrat zu wählen. Von Ursula Friedrich  

Amtsinhaber Klaus Peter Schellhaas (SPD), Dr. Werner Thomas (parteiloser Kandidat der CDU), Peter Löwenstein (Piraten) und der unabhängige Kandidat Christoph Zwickler gaben im Groß-Zimmerner Kulturzentrum Glöckelchen Antworten auf knifflige Verkehrsprobleme, hauptsächlich den Ost-Kreis betreffend.

Wer an diesem Abend kontroverse Diskussionen zwischen den vier Bewerbern erwartete, wurde enttäuscht. Lediglich in der Anbindung Groß-Zimmerns an die Stadt Darmstadt wurden verschiedene Lösungsmodelle erläutert. Thomas, derzeit Bürgermeister von Dieburg, plädierte für die Wiederbelebung des Schienenverkehrs nach Darmstadt. Die Kreis-CDU hat ein integriertes Verkehrskonzept von Bus, Bahn und kleiner Straßenbahnvariante ausgearbeitet. Mit einer „Parallelstrecke zum heutigen Stau“ sieht auch Christoph Zwickler auf der Schiene eine Lösung. Zehn Millionen Euro, so die Prognose des studierten Verkehrsplaners, würde das Modell „Odenwaldbahn 2.0“ verschlingen.

„Die Tendenz geht zu einer Sammelbuslinie“, sagte der Landrat. Im Mai werde eine Stellungnahme der Darmstadt-Dieburger Nahverkehrsorganisation (DADINA), zum öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) erwartet, die eine solche Anbindung prüft. Die Möglichkeit einer Straßenbahnanbindung auf der größtenteils noch offenliegenden Trasse von Groß-Zimmern über Rossdorf bis Darmstadt wurde nach einer Machbarkeitsstudie aus Kostengründen verworfen (wir haben berichtet). Schellhaas machte deutlich, dass der ÖPNV ein Zuschussbetrieb sei und Qualitätsverbesserungen immer mit mehr Kosten einher gingen. Der Landkreis als Gesellschafter des Rhein-Main-Verkehrsverbunds (RMV) schieße jährlich zehn Millionen Euro zu.

Kritik an Reinheimer Busunternehmen

Pirat Löwenstein begrüßte die Lösung des VCD, dessen Mission es ist, umweltbewusste Verkehrslösungen zu bieten. „Busse sind nicht so leistungsfähig wie eine Schienenanbindung, die Sammelbuspläne zwingen Fahrgäste zum Umstieg“, erklärte der zweite Vorsitzende des VCD, Uwe Schuchmann, der für ein Stadt-Land-Bahn-System in Eisenbahnspurweite plädierte. „Mehr Qualitätskontrolle“ forderte Löwenstein bei Leistungsanbietern, egal ob Busunternehmen oder Bahnverkehr. Die massive Kritik am Reinheimer Busunternehmen Werner (Unpünktlichkeit, Ausfall ganzer Busverbindungen) gipfelte im Credo eines Bürgers: „Die Partei, die dieses Problem löst, die wähle ich!“ Bis Ende des Jahres würden die Fahrten des inzwischen insolvente Unternehmens durch ein anderes ersetzt, stellte der Landrat in Aussicht.

Auch die zu Stoßzeiten überfüllte Odenwaldbahn ist vielen ein Dorn im Auge. Mit einem CDU-Landrat würde die Kapazität erhöht, so der passionierte Radler Thomas. Er wolle außerdem Ladestationen für E-Bikes an Bahnhöfen installieren lassen.

Mit Löwenstein könnte die Regionalbahnlinie 75 (Aschaffenburg-Babenhausen-Altheim-Dieburg bis Darmstadt und Wiesbaden) eine stündliche Vertaktung bis 23 Uhr erhalten. Schellhaas berichtete vom neuen Haltepunkt Sickenhofen, der derzeit geprüft wird und ebenfalls eine Qualitätsverbesserung wäre. Dass der vierspurige Ausbau der Bundesstraße 26 Richtung Babenhausen vom Tisch ist, wurde allseits begrüßt. „Hessen Mobil prüft einen Wirtschaftsweg parallel zur B 26“, so Schellhaas. „Eine sehr gute Lösung“, fand das auch der Altheimer Löwenstein, denn: „Wenn Mopeds, Fahrräder und Traktoren von der B 26 verschwinden, bringt das Entlastung.“

Wahlgewinner vor großer Aufgabe

Wer immer die Wahl am 19. April gewinnt, ist gefordert, eine „bedrohliche Situation katastrophalen Ausmaßes“ von den Menschen im Landkreis abzuwenden. Landrat Schellhaas informierte über Stand des Darmstädter Luftreinhalteplans, der ein Lkw-Durchfahrverbotes (ab 3,5 Tonnen) beinhaltet. Eine Reaktion auf die nach EU-Richtlinien zu hohe Schadstoffbelastung der Innenstadt. Das Lkw-Aufkommen würde bei Umsetzung des Luftreinhalteplans in den Landkreis schwappen.

Ausgerechnet hier mit der Eröffnung des Dieburger Logistikstandorts Fiege einen weiteren Verkehrsmagneten zu schaffen, sei ein Negativbeispiel von Wirtschaftsförderung, kritisierte Zwickler. Thomas und Schellhaas konterten überreinstimmend: „Das Luftreinhaltegebot hat nichts mit Fiege zu tun!“. Die Horrorszenarien von ungeheurer Lkw-Dichte durch Fiege seien nicht zutreffend, ergänzte Thomas.

Der in der Region umstrittene Luftreinhalteplan für Darmstadt liegt dem Hessischen Umweltministerium zur Beschlussfassung vor. Immerhin setzt Wirtschaftsminister Tarek Al-Wazir auf einen neuen Dialog und will zwischen den Parteien moderieren. Schellhaas: „Wenn es so kommt wie es auf dem Papier steht ist es eine Katastrophe.“

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