Gesunde Ernährung an Schulen eher ein Problem

Nur wenige Pausenbrote landen im Müll

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Weggeworfene Pausenbrote sind an den Schulen kaum ein Thema. Viele Schüler bringen von zu Hause keine Verpflegung mit, sondern versorgen sich am Kiosk, wie hier in der Albert-Schweitzer-Schule.

Groß-Zimmern - Jeder Bundesbürger wirft im Schnitt jährlich 82 Kilogramm Essen in die Mülltonne. Zwei Drittel davon wären vermeidbar, so das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft in einer Pressemitteilung. Von Ulrike Bernauer 

Allein dieser Anteil hat einen Wert von rund 235 Euro pro Kopf und Jahr. Die Fastenzeit ist daher nicht nur ein guter Anlass, sich gesünder und bewusster zu ernähren, sondern auch die Vergeudung von Lebensmitteln kritisch zu hinterfragen. Denn wer Essen wegwirft, verschwendet nicht nur bares Geld, sondern auch wertvolle Ressourcen, die für die Herstellung der Produkte nötig sind. Dazu gehören fruchtbare Böden, Wasser, Energie und der tatkräftige Einsatz vieler Menschen.

Wie halten es die Zimmerner mit dem Verbrauch von Lebensmitteln, wollte der Lokalanzeiger wissen. Gefragt waren auch Vertreter der jüngeren Generation in den Schulen. Denn auch bei diesem Thema gilt, was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr. An der Aktion des Ernährungsministeriums werden sich die Bildungseinrichtungen vor Ort nicht beteiligen. „An der Albert-Schweitzer-Schule werden kaum Lebensmittel weggeworfen“, sagt Schulleiter Helmut Buch. Er sieht eher ein Problem darin, dass die Schüler das früher übliche Pausenbrot kaum noch mitbringen. „Die meisten kaufen sich etwas am Kiosk, deshalb bemühen wir uns, dort möglichst gesunde Lebensmittel anzubieten.“ Auch in der Mensa der Gesamtschule landet kaum etwas in der Tonne. Die Schüler sind in der Regel zum Mittagessen angemeldet. Zwar gibt es immer auch ein paar Portionen zusätzlich für spontane Esser, aber die halten sich in Grenzen. Sollten doch mal ein paar Portionen übrig bleiben, so dürfen die Küchenhilfen diese mit Erlaubnis des Schulleiters mitnehmen und eventuell an bedürftige Personen ausgeben. „Sonst wäre unsere gekühlte Tonne für Lebensmittel schnell voll“, so Buch.

Kinder für Nahrungsmittel sensibilisieren

Martina Goßmann, Leiterin der Schule im Angelgarten (SiA), sieht an der Grundschule ebenfalls wenig Handlungsbedarf. Auch hier landen wenige Lebensmittel im Abfall, eher beobachten Lehrkräfte, dass Kinder ihr Essen wieder mit nach Hause nehmen, weil sie den Belag, beispielsweise Leberwurst, nicht mögen. Mitunter machen die Lehrer dann die Eltern darauf aufmerksam.

Den bewussten Umgang mit Lebensmitteln soll zudem eine schon länger existierende Aktion an der SiA schärfen. Immer vor Ostern wird für die Dieburger Tafel gesammelt und zwar kein Geld, sondern die Kinder sollen Lebensmittel mitbringen. In einem Jahr waren Konserven gefragt. „Da haben wir eine Dosenpyramide aufgebaut. Das war für die Kinder sehr gut begreifbar“, sagt Goßmann. In den Klassen wurde dann auch erklärt, dass manche Menschen nicht genug Geld für Lebensmittel haben und auf diese Weise für den bewussten Umgang mit Nahrungsmitteln sensibilisiert.

Angelika Klindt, Leiterin der Klein-Zimmerner Geißbergschule, setzt wie ihre Kollegen auch auf die Mülltrennung. Klindt begrüßt zudem die Verteilung der Brotdosen durch den Landkreis an Grundschulen, was die Müllberge deutlich reduziert habe. Zudem fielen Einweg-Flaschen fast vollständig weg, seit der Landkreis an den Schulen Wasserspender aufgestellt hat. Im Religionsunterricht stünden zudem die Themen Müllvermeidung und der Umgang mit Lebensmitteln auf dem Plan. Und natürlich werde auch bei der wöchentlichen Frühstücks-AG darauf geachtet.

Selbstgemachtes für die Mittagspause

Axel Pucknat, Leiter der Friedensschule, stellt ebenfalls fest, dass es immer weniger Kinder gibt, denen von zu Hause etwas zu essen mitgegeben wird. Parallel zu dieser Entwicklung würde natürlich auch weniger weggeworfen als früher. Das Thema Lebensmittel sei schon seit Jahren in den Sachunterricht eingeflossen, es bedürfe deshalb keiner gesonderten Aktion. Bei der Mittagsverpflegung der Schüler in der Ganztagsbetreuung habe man sich angewöhnt, Schnitzel beispielsweise zu halbieren. Wenn ein Kind davon nicht satt wird, kann es sich selbstverständlich auch die zweite Hälfte noch holen. Die angebissenen und nur noch zu entsorgenden Reste seien so deutlich weniger geworden.

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