Spektakuläre Taufe des Borschtejahrgangs 1995/96 in der Gersprenz

Lebertran, Algen und Muschelsud

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Die Kerbtaufe ist auch fürs Publikum an den Gestaden der Gersprenz eine Riesengaudi.

Groß-Zimmern - Neptun war höchst persönlich aus den Tiefen des Meeres aufgetaucht, um das Zeremoniell zu eröffnen: die Taufe des neuen Kerbborschtejahrgangs 1995/96. Von Ursula Friedrich 

Kerbvorspektakel mit Meeresgott: Neptun, Ex-Kerbvadder Steffen Heß, rückt mit seinem Meeresvolk im Schlauchboot an.

„Durch alle Ozeane un die drekkisch Bäsch´ komm´ isch geschwomme“, donnerte der Meeresgott. Am Samstagnachmittag, in dunkle Nebenschwaden gehüllt und eine ganze Schar munterer Nixen im Schlepptau. Natürlich zog Meerjungfrau Arielle bei dem Spektakel am Gailsloch alle Blicke auf sich. Unter der roten Perücke steckte Nina Hillerich, Kerbmädchen des Jahrgangs 1992/93, der vor drei Jahren seine Kerb feierte. Und jetzt die Patenschaft des neuen blau-weißen Jahrgangs im feschen Meerjungfrauendress übernahm. Doch auch Arielles Meeresvolk machte im knappen Muschelbikini eine gute Figur. Männer im Frauenkostüm haben immer Unterhaltungswert. Mundschenk Dominik Wejwoda mimte die Krabbe Sebastian, hessisch intepretiert mit dem Äppelwoibembel im Anschlag. Allen Unkenrufen zum Trotz, die Gersprenz führte nach der langen Hitze- und Trockenperiode dramatisches Niedrigwasser, standen Mann und Meerjungfrauen fast bis zur Brust im erfrischenden Nass. Wenngleich die trübe Brühe wenig vertrauenserweckend schien.

Arielle hat kein Mitleid mit ihren Opfern

Feucht-fröhliche Zeremonie: Der neue blau-weiße Kerbjahrgang 1995/96 wird in den Wassern der Gersprenz getauft.

An den Gestaden des Zimmerner Fließgewässers harrten die Akteure des aktuellen Kerbborschtejahrgangs. Sie mussten die Prozedur der Taufe durchstehen, um das Ticket zur Kerb zu lösen. Dabei wurden auch jenseits des Gersprenzwassers dicke Steine in den Weg gelegt. Die rot-weißen Kerbborschte des Vorjahres trumpften mit hämischen Schmähgesängen auf. Ein für Zimmern typisches Ritual, dem die Borschte bei der Kerbübergabe am Freitag, 28. August, sicherlich noch einige Kapitel hinzufügen. Auch Neptun, alias Exkerbvadder Steffen Heß, hatte mit seinen Gespielinnen ein furchteinflößendes Gebräu hergestellt, das den Kerbanwärtern eingeflößt wurde. „Lebertran, Algen und Miesmuschelsud“, frohlockte Arielle, ihren „Opfern“ den Trunk verabreichend. Zu guter Letzt erhielt jeder Kerbborsch seine Taufurkunde. Irgendwie hatten alle das dunkelblaue Gesöff aus Knoblauch, Chili, Korn und abgekochtem Gersprenzwasser hinuntergewürgt. („Widerlich“, konnte sich der ein oder andere nicht verkneifen.)

Zimmern, ob bis zum Bauch im Wasser stehend, oder trockenen Fußes an Land, gab sich patriotisch. Die Hymne stimmten Zuschauer wie Jahrgänge an. Die Stimme war vom ein oder anderen Bier geölt, ansonsten blieb das Zeremoniell weitgehend promillefrei.

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