Jagdpächter über Hundehalter

Leinen können Leben retten

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Ein neues Schild im Brünnchenweg soll Gassigeher erneut sensibilisieren.

Klein-Zimmern - Der schaurige Fund zweier toter Rehe nahe des Soldatenfriedhofs (wir berichteten) ist kein Einzelfall und wirft daher erneut die Frage auf, wie so eine grausame Tat verhindert werden kann. Von Corinna Hiss

Unser Redaktionsmitglied Corinna Hiss sprach mit Jagdpächter Walter Angermeier über rücksichtslose Hundebesitzer und die gesetzliche Leinenpflicht.

Erst einmal vorweg: Wieso sind Sie sich so sicher, dass die Rehe von einem Hund getötet wurden?

Die Art und Weise, wie ich die Rehe vorgefunden habe, geben darüber Aufschluss. Bei dem Kitz wurde das Fleisch am Rücken und Hinterteil herausgerissen. Außerdem lagen überall noch Fleischfetzen verstreut herum. Ein Fuchs hätte nur an einer Stelle gegessen, in erster Linie unten am Bauch, wo die Weichteile liegen. Für mich ist ganz klar: Die Rehe wurden von einem freilaufenden Hund gerissen.

Aber warum macht ein Hund so etwas?

Es darf nicht vergessen werden, dass das Tier vom Wolf abstammt. Das ist in seinem Kopf drin, egal wie gut es erzogen ist. Klar kann ein kleiner Hund keine Rehe tot reißen, aber auch mit ihm kann der Instinkt durchgehen.

Viele Besitzer beteuern aber: „Mein Hund ist lieb, der tut nichts.“ Was halten Sie davon?

Gar nichts, denn er ist immer noch ein Tier und in irgendeiner Weise unberechenbar. Solche Ereignisse zeigen das, weil sie keine Einzelfälle sind. Allein im Jagdgebiet Klein-Zimmern kamen letztes Jahr elf Rehe zu Tode, weil die von Hunden gerissen wurden.

Also ist es wichtig, sein Tier an der Leine zu lassen?

Dazu kann ich eine Geschichte erzählen, die ich erst vor kurzem erlebt habe. Unweit dort, wo die beiden Rehe zu Tode kamen, fuhr ein Mann auf dem Fahrrad, seinen kleinen Hund an der Leine. Als er nahe des Glockenrains war, sah ich auf einmal einen Fasan auf dem Acker laufen. Der Mann sah das auch und trotzdem ließ er sein Tier von der Leine. Dem Fasan blieb nichts anderes übrig, als die Flucht zu ergreifen und im Gebüsch zu verschwinden. Dieser Mann hat wohl nicht mitgedacht und das tun viele, weil sie die Natur nicht kennen.

Diese Hundebesitzerin macht es richtig und lässt die Leine an.

Was kann denn noch alles passieren, wenn der Hund frei herumläuft?

Ich erkläre das immer gerne mit einem Beispiel: Der Hund läuft über die Wiese zum Wasser hinunter. Dort kann ihn der Besitzer nicht mehr sehen, weil er auf dem asphaltierten Weg bleibt. Am Wasser sitzt eine Ente und brütet. Durch den Eindringling fühlt sie sich aber gestört. Sie verlässt die Brutstätte und ihre Eier und kommt nie mehr zurück. Wenn die Jungen schlüpfen, sind sie dem Tod ausgesetzt, nur weil ein Hund in die Natur eingedrungen ist. In dem Fall hat der Vierbeiner kein Reh gerissen, aber durch sein Handeln kamen dennoch Tiere um.

Wieso ist der Brünnchenweg denn so beliebt bei Gassigehern?

Er liegt direkt am Ortsrand und ist asphaltiert. Außerdem denken dann viele, dass sie dort ihr Tier frei laufen lassen können, weil keine Autos fahren. Aber sie vergessen, dass am Glockenrain viele wilde Tiere leben, die durch die frei laufenden Hunde gestört werden.

Gibt es Stellen in Klein-Zimmern, wo der Hund auf jeden Fall an der Leine bleiben soll?

Grundsätzlich überall – eben auch im Brünnchenweg und entlang des Glockenrains. Gerade jetzt – also im Übergang vom Winter zum Frühling – sind die Felder noch nicht hoch bewachsen und das Wildtier hat gar keine Deckung. Besondere Vorsicht ist auch während der Brut- und Setzzeit geboten.

Wann ist das denn?

Sie beginnt genau jetzt, also im März. Dann kommen zum Beispiel die jungen Häschen auf die Welt. Insgesamt geht sie dann bis Juni, in dieser Zeit appelliere ich an alle Besitzer, die Leine nicht loszumachen. Und wenn der Hund doch viel springen möchte, dann kann sich der Besitzer aufs Fahrrad schwingen und das Tier rennt nebenher. Das ist für Hund und Herr gleichermaßen gut.

Gibt es eine Chance, den Hund doch mal bedenkenlos frei laufen zu lassen?

Ich habe zusammen mit dem Hundeverein Ortsgruppe Mitte besprochen, dass es eine Wiese gibt, auf denen die Hunde frei laufen gelassen werden können – alles natürlich unter Aufsicht. Die Wiese erstreckt sich vom Anglerheim bis zum Hans-Geiß-Weg. Viele nehmen das Angebot bereits in Anspruch, aber immer sind noch welche da die meinen, sie haben die Natur gepachtet.

Was halten sie von der gesetzlichen Leinenpflicht, die es ja bereits in einigen Gemeinden gibt?

Ich bin absolut dafür, aber das ist ein Politikum. Jeder Hundeführer ist auch ein Wähler, und wenn ihm die Leinenpflicht nicht passt, wählt er den Politiker nicht. Ich hab keine Befugnis, Hundebesitzer zu bestrafen, ich kann nichts verbieten, sondern nur gut zureden.

Zurück zu den Rehen: Haben die überhaupt eine Chance gegenüber Hunden?

Nein, denn sie wehren sich nicht. Rehe sind Fluchttiere, immer in Panik und wenn sie gehetzt werden, machen sie unüberlegte Dinge. So passiert es dann, dass sie auf die  Straße rennen und dann von Autos angefahren werden.

Kleine Hunde können keine Rehe töten. Wieso sollten auch sie angeleint bleiben?

Der Hund muss nicht derjenige sein, der das Reh tot beißt, aber er kann trotzdem für seinen Tod verantwortlich sein. Ich wurde einmal zu einem Einsatz gerufen, da war ein Reh von einem Hund bis ins Dorf gehetzt worden. Es hat sich mit dem Kopf zwischen zwei Eisenstäben eines Tors verfangen und kam nicht mehr heraus. Es hat gezuckt und fürchterlich geschrien. Ich musste es erschießen, damit es nicht noch mehr leidet. So etwas ist schrecklich.

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