Gerd Grein erteilt humorvoll Nachhilfe in Sachen Lokalhistorie

„Erna, der Baum nadelt“

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Herzerfrischend: Bei Gerd Greins hessischem Ausflug in christliche Weihnachtsstuben war zwei Stunden humorvolle Unterhaltung vorprogrammiert. 

Groß-Zimmern - Geschichten zu erzählen ist nicht jedem gegeben. Geschichtsunterricht mit schillerndem Leben zu füllen ist eine Gabe. Gerd Grein kann beides: in breitem Hessisch humorvoll Nachhilfe in Sachen Lokalhistorie erteilen. Von Ursula Friedrich 

Und Grein gelingt es, mit seinen Anekdoten, Märchen, Geschichtchen und Gedichtchen sein Publikum sprichwörtlich zu fesseln. Da störte es im Pfarrzentrum der Katholische Kirchengemeinde St. Bartholomäus absolut nicht, dass die Weihnachtsgeschichte à la Grein in Nuancen vom überlieferten Geschehen um Jesu Geburt deutlich abwich.

Gut gerüstet machten sich Joseph mit Maria in dieser Version auf den Weg - „Bethlehem hat net grad´ um die Eck gelege!“ - Soweit klar.

Dass zum Proviant „en Schwartemage und en Glas Gummern für die Maria“ gehörten, war den rund 60 Gästen ebenso neu wie der vermeintliche Ausruf des Engels auf dem Feld zu den Hirten: „Gell, da guckt er!“

Zwerchfellalarm mit "Babbelschnud"

Im Publikum war Zwerchfellalarm angesagt. Knapp zwei Stunden ging es mit „Babbelschnud“ Grein humorvoll durch hessische Weihnachtsstuben, über Märkte, bis ins Allerheiligste der Hausfrau: die Küche.

Hier ließ der Volkskundler ein lebhaftes Bild der Backversuche des Herrn Briehinkels auferstehen, „des Buttergebackene dät ganz gut schmecke, wenn"s net so stinke dät!“, während die traute Gattin im Komitee zur Abschaffung der Junggesellen zu Hochform auflief.

Gerd Grein, inzwischen fast 70 Jahre alt, babbelte ohne Punkt und Komma, Skript und Hilfsmittel. Der passionierter Volkskundler und Leiter des Museums in Lengfeld, tat seine Gabe mit einem Schmunzeln ab: „Wenn "mer sonst nix im Kopf hat.“ Dass Geschichten erzählen seine Passion ist, trifft hier die Wahrheit wohl eher. Und weil diese Leidenschaft auch nach schwerer Krankheit in ihm brennt, ist er mit seinen Erzählabenden, geschichtlichen Führungen (etwa durch Groß-Umstadt) und weiteren Veranstaltungen sogar ein amtlich attestierter Rentner im Unruhestand. In Groß-Zimmern war er Gast des Orgelfördervereins St.Bartholomäus, dessen Anliegen, die Anschaffung eines neuen Kircheninstruments zu finanzieren, so auf eine wunderschöne Weise mit Leben gefüllt wurde.

Der „Quell“ Grein kam nicht zum Versiegen. Scheinbar Trivialem hauchte er im breiten Hessisch Bedeutung elementarer Tragweite ein.

Bei Klassikern wie „Erna, der Baum nadelt“ und de Christbaumständer (Ferdinand Happ) blieb am Freitagabend zwischen Glühwein und Weihnachtsgebäck kein Auge trocken.

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