Kunststoff-Figur des Reformators

Martin Luthers Reise nach Groß-Zimmern

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Auch beim ökumenischen Männerkreis der Ruheständler in Groß-Zimmern machte die Luther-Figur Station.

Groß-Zimmern - Ein buntes Kunststoffmännchen als Botschafter des reformierten Glaubens? Die Spielwarenindustrie des 21. Jahrhunderts macht es möglich. Von Ursula Friedrich 

Dr. Martin Luther wurde anlässlich des anstehenden 500-jährigen Jubiläums der Reformation 2017 in einer 7,5 Zentimeter hohen Plastikversion herausgegeben. Prototyp des kleinen Playmobil-Luthers ist ein fast 1,50 Meter hohe Sonderfigur aus dem Medienhaus Frankfurt, die seit rund vier Wochen im evangelischen Dekanat Vorderer Odenwald auf Tournee ist. Flankiert wird der Riesen-Luther von der Evangelischen Jugendvertretung des Dekanats Vorderer Odenwald (EJVO), die mit der Figur derzeit an über 20 Stationen Halt macht – am Mittwoch war Martin Luther zu Gast im ökumenischen Männerkreis der Ruheständler in Groß-Zimmern.

Pfarrer Michael Merbitz-Zahradnik ließ in einem blumigen Vortrag die Zeit und das Wirken Dr. Martin Luthers aufleben. „Luther hat die protestantische Kirche nicht erfunden - es war eine Entwicklung“, so das Fazit des Geistlichen. Auch sei der Jurist und Mönch Martin Luther kein Aufrührer. Aus der langwierig gereiften Überzeugung, dass Gott kein von Zorn erfüllter Rächer und seine Liebe nicht käuflich ist, nahm die bekannte Entwicklung ihren Lauf. Der kleine Augustinermönch leitete mit seiner Forderung, sich zurück auf die Wurzel, das Evangelium, zu besinnen, einen Prozess ein, in dem das beklemmende Gottesbild des 16. Jahrhunderts jenem des gnädigen Gottes weicht. Synonym der Übersetzung der Bibel aus dem Lateinischen ist die Kunststoffbibel, die dem Playmobil-Luther in die Plastikhand geschoben wurde.

Dass die Ruheständler sich zum Gruppenbild mit dem Reformator nicht zweimal einladen ließen, liegt auf der Hand. Das Bild mit Luther in der Mitte würde im Anschluss an die Projektphase mit allen weiteren Aufnahmen zu einem Mosaik zusammengefügt, erklärten Julia Lutz und Franziska Engeland von der EJVO.

An vielen Stationen der Luthertournee im Dekanat waren sie dabei, während die Sonderfigur in Kindergärten, Konfirmatengruppen, bei Frauenkreisen, Posaunenchören und anderen protestantischen Gruppen dem legendären Ausspruch des Reformators neues Leben einhauchte: „Hier stehe ich, ich kann nicht anders.“ Die Fotos mit Luther, der selbstredend Federkiel und die übersetzte Bibel in Händen hält, sollen im Jubiläumsjahr auch in einer Ausstellung präsentiert werden. Dass der Reformationstag am 31. Oktober 2017 zum bundesweiten Feiertag erhoben wird, steht bereits fest. Wer sich im Gedenken an den großen Reformator einen Mini-Luther zulegen möchte, muss schnell handeln. Die erste Auflage der 7,5 Zentimeter hohen Playmobil-Figur (34.000 Exemplare) war binnen Stunden vergriffen. Schon vor dem eigentlichen Jubiläum hat der winzige Luther das Zeug zum Rekordhalter: Er ist dem 80.000 Mal verkauften Albrecht Dürer dicht auf der Spur.

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