Mehrere Geschosse kein Tabu

Für mehr bezahlbaren Wohnraum

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Das idyllische Bild auf die Gemeinde trügt: Bauland ist knapp, der Siedlungsdruck immens, Wohnen teuer. Die SPD macht sich für sozialen Wohnungsbau stark.

Groß-Zimmern - Explodierende Mietpreise und knapper Wohnraum: Die Situation ist auch in der Gemeinde angespannt. Besonders für sozial schwächere Menschen möchte sich die SPD einsetzen. Von Ursula Friedrich 

Wahlkampfzeit: am 6. März hoffen demokratische Parteien darauf, dass wahlberechtigte Bürger ihre Chance nutzen, Politik mitzugestalten. Statt vordergründiger Überzeugungsarbeit, das Kreuzchen auf dem Wahlzettel an sozialdemokratischer Stelle anzubringen, lud der Ortsverein der Genossen zu einem Vortrag mit anschließender Diskussion. Sachlich, thematisch fokussiert, ohne Parteienschelte.

SPD-Altbürgermeister Dieter Emig war als kompetenter Referent für ein kniffliges Thema verpflichtet worden, den sozialen Wohnungsbau. Es Bedeutet das Fördern von Wohnungsbau durch die öffentliche Hand, insbesondere für sozial schwache Menschen, die Mieten auf dem freien Markt nicht stemmen können. Dass es hier einen hohen Bedarf gibt „ist nicht deshalb so, weil plötzlich so viele Flüchtlinge ins Land kommen“, sagte Dieter Emig vor rund 30 Zuhörern, „doch nun wird es offensichtlich.“

Obwohl die Entwicklung zu immer weniger bezahlbarem Wohnraum absehbar war, wurde – auch von Seiten der SPD, so Emig durchaus kritisch – nicht entsprechend gegengesteuert. Explodierende Baupreise (seit 1991 sind die Baukosten von 1 000 Euro pro Quadratmeter auf etwa 1 500 Euro in 2013 angestiegen), der Bevölkerungsdruck, insbesondere im wirtschaftsstarken Rhein-Main-Gebiet, steigende Mieten und viele andere Faktoren haben zu einer Verschärfung des Problems beigetragen. Bezahlte man in den 90er Jahren für einen Quadratmeter Baugrund in Groß-Zimmern (Baugebiet Süd) noch 220 Mark, werden aktuell zwischen 270, teilweise über 320 Euro pro Quadratmeter hingeblättert. „1987 wurden noch vier Millionen Wohnungen staatlich gefördert, aktuell sind es 1,5 Millionen“, beschrieb Dieter Emig eine weitere Entwicklung.

Das Thema sozialer Wohnungsbau ist auch ein Schwerpunkt der Genossen in Groß-Zimmern. Der Siedlungsdruck in der Region wachse, auch Zimmern werde größer. Wohnbauverdichtung und mehrgeschossiges Wohnen jenseits des dritten Stockwerks dürften keine Tabuthemen sein, forderte Emig. Auch vor dem Hintergrund, dass neues Bauland seit der Ausweisung der Neubaugebiete Schlädchen und Alte Ziegelei knapp wird, müssen neue Bauflächen ausgewiesen werden und Groß-Zimmern die konjunkturelle Lage nutzen, um sozialen Wohnraum zu finanzieren – dies hat die SPD in ihrem Wahlprogramm festgezurrt. „Einen entsprechenden Antrag haben wir bereits für den Haushalt 2016 eingereicht“, sagte SPD-Ortsvereinschef Christian Hader.

Matthias Bausch warnte davor, Wohnraumnot und Flüchtlingszuzug in „einen Topf zu werfen“. Die unzureichende Bezahlung in vielen, insbesondere sozialen Berufen, mache es vielen Bürgern schwer, die Mieten auf dem freien Markt zu zahlen. Die Faustregel der 60er Jahre, dass mit 25 Prozent des Einkommens die Kaltmiete gestemmt werden soll, gilt längst nicht mehr. „Momentan gibt es 7 000 Bedarfsgemeinschaften im Landkreis Darmstadt-Dieburg, die Wohnzuschüsse erhalten“, steuerte die Kreistagsvorsitzende Dagmar Wucherpfennig zur Diskussion bei. „2004 hat die Gemeinde Münster als letzte im Landkreis sozialen Wohnungsbau betrieben“, wusste Emig. Die SPD wird in Groß-Zimmern weiter am Ball bleiben, allerdings, so der Sozialdemokrat, „sollten wir ehrlich sein: Das geht nicht von heut’ auf morgen.“

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