Was in früheren Zeiten die Pflanzfrauen erledigten, das übernehmen inzwischen die Tiere

Mehr Wildschweine denn je unterwegs

Groß-Zimmern - Die Sauen- oder Wildschweindichte ist im Groß-Zimmerner Forst wohl so hoch wie noch nie. Während dies in anderen Wäldern oder Regionen für Probleme sorgt, sehen Förster Martin Starke und Jäger Walter Angermeier das Ganze sehr entspannt. Ulrike Bernauer

„Wir haben kaum Straßen in unserem Revier“, sagt Starke. „Deshalb kommt es praktisch kaum zu Wildunfällen. “ Diese sind insgesamt in Südhessen stark gestiegen, Grund ist die zunehmende Wildpopulation. Vor allen Dingen Wildschweine vermehren sich stark. Angermeier beobachtet auch, dass sich die Wildschweine sehr vermehrt haben. „Es gab noch nie so viele Wildschweine wie jetzt“. Der Klein-Zimmerner Jäger kennt den Wald wie seine Westentasche, schließlich ist er seit 50 Jahren im Forst unterwegs.

Dank mildem Winter genug Futter

Aber die hohe Fortpflanzungsrate hält er nicht für problematisch. Die Sauen hätten sich im Herzen des Waldes etabliert, dort störten sie aber auch nicht. Durch die eher milden Winter sei das Futterangebot im Wald groß genug, die Wildschweine müssten keine Straßen überqueren, um auf Äckern nach Nahrung zu suchen. Der Jagdpächter sieht auch Vorteile in der Vermehrung. Die Tier lockern mit ihrer Wühlerei nämlich den Boden und beschleunigen dadurch die Naturverjüngung, die nicht nur von den Förstern gewünscht wird. Wenn die Wildschweine auf der Suche nach Würmern oder Engerlingen den Boden aufbuddeln, vergraben sie dabei so manche Eichel oder Buchecker. Die können so keimen und sich zum Baum entwickeln. „Früher gab es die Pflanzfrauen, die Setzlinge im Wald pflanzten, die Damen arbeiten ja schon lange nicht mehr.“ Angermeier macht auch darauf aufmerksam, dass der Mensch mit seiner Umgestaltung der Landschaft in eine Kulturlandschaft auch mit dafür verantwortlich sei, dass vielen Wildtieren der Lebensraum abhanden komme. So gebe es kaum noch Feldhasen, ebenso seien Fasanen oder Rebhühner inzwischen zur Rarität geworden.

Archivbilder

Wildschweine suchen sich Nischen, so hätten sich rund 30 Tiere am Reinheimer Teich angesiedelt. Sie leben im Schilf und können nicht gejagt werden, weil das Gebiet unter Naturschutz steht. Für den Abschuss der Jäger gibt es ein festes Kontingent, bei Wildschweinen liegt das zurzeit bei etwa 60 Tieren jährlich. Angermeier selber hat schon vier Jährlinge in diesem Jahr geschossen. Allerdings darf zur Zeit nur bedingt gejagt werden, da die Tiere ihren Nachwuchs groß ziehen. Insgesamt freut sich der Jagdpächter, dass im Groß-Zimmerner Forst fast ausschließlich Zimmerner Jäger zum Zuge kommen und sich Auswärtige nicht „sozusagen eine Jagdpacht kaufen“ können“.

Auch Rehe vermehren sich durch milde Winter besser, 40 bis 45 Tieren müssen pro Jahr geschossen werden. Im Gegensatz zu den Wildschweinen können zu viele Rehe dem Wald schaden, da sie die jungen Bäume kahl fressen und damit dafür sorgen, dass die gewünschte Naturverjüngung im Wald nicht stattfinden kann.

Rubriklistenbild: © dpa David Ebener

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