Miteinander, füreinander

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Musikalischer Auftakt auf dem Pausenhof: die 320 Friedensschüler stimmten sich mit dem Anti-Mobbing-Rap gutgelaunt auf ihren Schultag ein.

Groß-Zimmern - „Ich bin anders als du!“, tönte es aus gut 300 Kehlen. Vielleicht öffneten die Nachbarn ihre Fenster, als Kinder und Lehrer der Friedensschule sich einstimmten. Mit Instrumenten, Gesten und Gesang – mitten auf dem Schulhof. Von Ursula Friedrich 

Weil es an der Grundschule mit musikalischem Schwerpunkt eben nicht immer friedlich ist, stehen die Projekttage diesmal unter dem Motto „Füreinander - miteinander“. Die laute Begrüßung fördert nicht nur das Miteinander, sondern setzt das gute-Laune-Virus unter den Schülern frei. Spielerisch, musisch, beim Singen, Basteln und Rollenspielen werden soziale Kompetenzen geschult. Alle vier Jahre veranstaltet die Friedensschule Projekttage mit diesem Schwerpunkt, denn: wo über 300 Menschen wochentags Zeit miteinander verbringen, bleiben Konflikte selbstverständlich nicht aus.

Um das faire Miteinander zu lernen, legt das Kollegium Wert darauf, dass jeder Schüler in seiner Schulzeit einmal an einer Projektwoche mit diesem Themenschwerpunkt teilnimmt. Massive Gewaltausschreitungen oder Mobbing gebe es an der Schule allerdings nicht, so Schulleiter Axel Pucknat. Doch auch bei geringfügigen Vergehen sei es wichtig, konsequent den Verhaltenskodex umzusetzen, den jedes Kind bei Antritt seiner Schulkarriere unterschrieben hat: Höflichkeit, Pünktlichkeit, Sauberkeit, Achtsamkeit und mehr sind in dem Dokument manifestiert, das auch die Eltern unterschreiben.

Und es gibt Vorgaben, was bei einem Bruch dieser Regeln geschieht. Die soziale Ausprägung der Schule trägt Früchte. Beispiel: Zwei Mädchen hatten einen Toilettenhalter abgerissen und waren rasch überführt. Während die Eine leugnete, entschuldigte sich die Zweite. Am nächsten Tag brachte das Kind sogar ein eigens verfasstes Briefchen mit, sagte Pucknat gerührt. Dass Kinder zu Hause keine sozialen Regeln erlernten, kann der Schulleiter nicht bestätigen. Manchmal fehle Eltern allerdings das konsequente Durchhaltevermögen.

Die Grundschule leistet hier Nachhilfe. Die Symbole, die an der Friedensschule gelten, um das Einhalten von Regeln einzufordern, bedürfen gar keiner Worte: Die „Stopphand“ zeigt klar Grenzen auf, und wenn sich die Finger zum Flüsterfuchs zusammenfügen, ist Ruhe erwünscht. Dass es zum Ausklang der Projekttage allerdings recht laut und fröhlich zuging, das war gewollt.

Das Projekt des sozialen Miteinanders mündete am Freitag in ein Spielfest. Und es ist gut möglich, dass die Nachbarn in der nächsten Zeit wieder einmal zu hören bekommen, dass 320 Schüler gut gelaunt den Anti-Mobbing-Rap anstimmen. Frei nach dem Motto: „Wir sind anders, na und? Das macht das Leben so bunt.“

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