Endlich zwitschern wieder die Vögel

NABU hofft, dass sich bedrohte Arten wieder ansiedeln

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Groß-Zimmern - Einige alte Bekannte oder deren Kinder konnten die Wanderer bei der Vogelstimmenwanderung des Naturschutzbundes (NABU) am Sonntagmorgen zumindest hören. 16 Vogelarten waren am Gezwitscher zu erkennen. Von Ulrike Bernauer 

Zu sehen bekamen die Teilnehmer allerdings wenige gefiederte Waldbewohner. Es war kalt und ein wenig windig am frühen Sonntagmorgen im Zimmerner Wald. Vor allem der Wind gefällt den kleinen Fliegern nicht so besonders. Dennoch konnte der Vorsitzende des Nabu, Dr. Lothar Jacob, am Ende 16 Vogelarten auf seiner Liste verzeichnen, ein paar Arten weniger als im Schnitt der letzten Jahre. 2015 waren 22 Arten identifiziert worden, 2010 allerdings nur 12.

Der Buchfink, der Buntspecht, der Eichelhäher, der Kleiber, die Kohlmeise und die Ringeltaube wurden bis jetzt in Zimmern jedes Jahr wenn nicht gesichtet, dann wenigstens gehört. In diesem Jahr kamen unter anderem auch noch der Zaunkönig, der Grünspecht, der Mäusebussard und die Mistdrossel hinzu. Als Experten konnte Jakob wieder Franz Peter aus Groß-Umstadt begrüßen. In Ermangelung vieler Sichtungen von Vögeln erzählten die beiden Naturschützer viel Wissenswertes über den Wald und auch seine anderen Bewohner. Nahe lag in diesem Jahr ein Exkurs zu den Amphibien, denn durch die vielen Regenfälle war der Wald sehr nass. In einer Rückegasse der Holzfäller stand das Wasser auf dem verdichteten Boden. „Das hat auch seine Vorteile“, so Jakob. „Hier können Amphibien ihre Brut ablegen.“ Laich konnten die Wanderer aber noch nicht ausmachen, dafür ist es bei den derzeitigen leichten Nachtfrösten einfach noch zu kalt.

Es war noch sehr kalt, als die Vogelfreunde am Sonntag zur Vogelstimmenwanderung des Nabu aufbrachen. Der Kleiber war einer der Vögel, der sich bei der Vogelstimmenwanderung des Nabu auch mal blicken ließ.

Einen längeren Stopp gab es auch bei einem der bewusst im Rahmen des Projektes „Messeler Hügelland“ angelegten Teiche. Hier hoffen die Naturschützer, dass sich die Gelbbauchunke ansiedelt, sie ist vom Aussterben bedroht. Derzeit sind alle Teiche und Gewässer gut mit Wasser gefüllt, dennoch hat der Regen der letzten Wochen nach Meinung der beiden Experten noch nicht ausgereicht, die zwei vergangenen trockenen Sommer auszugleichen und den Grundwasserstand wieder zu erhöhen. Die Gruppe freute sich über einen Zug von 14 Kranichen über ihren Köpfen, das war ein netter Ausgleich zu den vielen Vögeln, die sie zwar hörten, aber nicht sehen konnten. Weder der Star zeigte sich, auch die sonst regelmäßig anzutreffenden Blaumeisen schienen sich an diesem Morgen in anderen Teilen des Waldes aufzuhalten.

22 Vogelarten sind in Deutschland vom Aussterben bedroht. In der Europäischen Union sind es gar 82 von 451 Arten. Oft geht der Lebensraum der betroffenen Arten zurück. Viele leben auf Wiesen und Äckern, die zunehmend intensiver landwirtschaftlich genutzt werden und so den Vögeln keinen Lebensraum mehr bieten. Umso wichtiger ist es, dass die Vogelarten, die bei uns heimisch sind, in ihrem Vorkommen mit immer mehr verfeinerten Methoden erfasst werden. Durch die genaue Beobachtung haben sich in den letzten Jahren auch die Erkenntnisse über einzelne Arten stark verändert. So manche Literatur über die gefiederten Freunde müsse wohl bald neu geschrieben werden, berichtete Jakob.

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