Ohne unnötigen Strapazen

Einsichtiger Jahrgang 1995/96 fordert bewusst keine Trinkspiele

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Nachgetauft:Stefan Lau fehlte bei der Kerbtaufe und wurde alternativ in den Brunnen vor der evangelischen Kirche getunkt.

Groß-Zimmern - Wer es nicht erwarten konnte, der startete die Kerb bereits am Freitag, dem inoffiziellen Eröffnungstag. In einigen Gaststätten und Straußenwirtschaften wurde live-Musik und Unterhaltung geboten. Von Ursula Friedrich

Für alle Fans der Zimmerner Kerb hieß es „Dampf ablassen“, denn seit Tagen und Wochen stieg die Freude auf das 525. Heimatfest. Endlich bot sich ein Ventil. Der Ortskern wurde zur Flaniermeile. Vom Musikbistro PiPaPo, wo Otto & Otto samt Friends bei gefühlten 40 Grad ein heißes Kerbkonzert boten, bis zu Elfies Dorfbrünnchen und der Ranch neben dem katholischen Gotteshaus stieg die Vorkerbparty. Das Kirchengelände war Schauplatz einer fetten Geburtstagsfeier. Zum Minijubiläum, dem fünften Jahrestag des Jahrgangs 1991/92, zündeten die rot-weißen Kerbborschte hier eine Geburstagssause für Gäste aller Generationen.

Auf dem Roten Platz zog eine Zeremonie zahlreicher Jahrgänge Besucher in Bann. Die Kerbübergabe, seit einiger Zeit ein festes Ritual, wurde diesmal jedoch nicht feuchtfröhlich zelebriert. „Wir wollten keine Trinkspielchen veranstalten, sondern wie in alten Zeiten die Kerb übergeben“, sagte Fabian Kapp, Mundschenk des Jahrgangs 1995/96, der im Vorjahr seine Kerb feierte und aus Erfahrung weiß, wovon er spricht.

Es geht auch anders: Mit einer friedfertigen Kerbübergabe am Freitag überrashte und beeindruckte der Jahrgang 1995/96.

Traditionell übergaben die Alten des Vorjahres das Fest an den neuen Kerbborschtejahrgang. Statt alkoholträchtiger Spielchen wurde diesmal gesungen. Jahrgänge der drei Kerbfarben lieferten sich ein lautstarkes Gesangs-„battle“, es ging farblich sortiert hin und her und zu guten Letzt sangen alle miteinander. Mark Pullmann, der mit Michael Schulmeister seit diesem Jahr den Vorstandsvorsitz des Kerbvereins teilt, nickte zustimmend. Und während der neue grün-weiße Jahrgang, 18 Borschte stark, züchtig von dannen zog, um bei Gastwirt Meo ein deftiges Vorkerbessen einzunehmen, schob Pullmann auf dem Roten Platz „Kerbdienst“.

Was hinter dem Riesenfest steckt, ließ ein Blick auf die Dienstpläne im Headcenter, dem Nebenraum der Mehrzweckhalle, erahnen. Hier ist die Kerbzentrale, das Herzstück für Organisation und Logistik. Während Otto & Otto das Kerbvirus freisetzten und DJ-Jonas auf dem Rathausplatz mit Discosound die Vorfreude beflügelte, drückte Pullmann ein wenig der Sorgenschuh.

Im Vorfeld des Heimatfests engagierte er sich intensiv – nicht nur für die Kerb – sondern bei der Planung zur Umgestaltung des Rathausplatzes. Denn wenn die nicht zügig umgesetzt wird, „haben wir hier nächstes Jahr eine große Baustelle“. Mit diesen Worten deutete Pullmann auf den Platz, der nun zur Kerbarena wurde, „und einen Plan B als Veranstaltungsort gibt es nicht.“ Während die 525. Kerb tobt, droht dem 526. Heimatfest die Heimatlosigkeit.

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