Feinabstimmung der Töne beim Endspurt in den letzten Tage vor der Einweihung

Orgel erhält den richtigen Klang

Groß-Zimmern - „Das große Dora mal ein bisschen straffer!“, ruft Gregor Hieke und Hannes Kunerth dreht zwei Meter weiter an einer Stellschraube. Prüfend schlägt Hieke die Orgeltaste an und ist nun mit der Lautstärke zufrieden.

Ganz Ohr: Intonator Gregor Hieke gleicht die Lautstärke der einzelnen Töne und Tasten in einem Feintuning an.

„Berta auch ein wenig straffer“, folgt die nächste Anweisung. Kurz darauf sagt Hieke „ein wenig zurück“. Seit gut sechs Wochen sind die beiden Orgelintonateure dabei, dem Instrument in der St. Bartholomäuskirche in Groß-Zimmern den richtigen Klang zu verleihen. Im Endspurt der letzten Tage vor der Einweihung erledigen sie jetzt sozusagen das Feintuning. Hieke und der jüngere Kunerth sind als Tongeber dafür zuständig, die Lautstärke und die Klangfarben der Pfeifen einer Orgel abzustimmen und dem Instrument die beste Tonhöhe zu geben.

Beide haben bei der Orgelbaufirma Eule in Bautzen gelernt und sich dann auf die Intonation der mächtigen Klangkörper spezialisiert. „Für manchen mag es erstaunlich klingen, dass der Aufbau einer Orgel weniger Zeit in Anspruch nimmt, als die anschließende Intonation“, sagt Hieke. Aber genauso ist es. Die Arbeit, bei der man kaum einen Fortschritt sieht, dauert länger als die handfeste Tätigkeit die Pfeifen einzubauen und in die richtige Position zu bringen.

Während Hieke an der Tastatur sitzt, erledigt Hannes Kunerth im Inneren der Orgel die Assungen.

Hieke dreht winzige Stellschrauben, um einige Zehntelmillimeter nach oben oder unten, damit die Lautstärke der einzelnen Pfeifen genau aufeinander abgestimmt ist. Für den Laien ein wenig erstaunlich, aber den beiden Dresdener Orgelintonateuren macht ihre Arbeit Spaß. Auch wenn sie sich wochenlang nur den Klängen und der Lautstärke widmen. „Ein wenig Leidenschaft gehört schon dazu“, sagt Hieke, „aber die brauchen unsere Schreiner auch, die das Gehäuse der Orgel anpassen.“ Fünf Wochen Intonation sei dabei nicht einmal lange. Die Zimmerner Orgel gehört eher zu den kleinen Instrumenten ihrer Gewichtsklasse. An Großen sind die Spezialisten mitunter fünf Monate beschäftigt, und das sogar mit zwei Teams rund um die Uhr.

In der Bartholomäuskirche müssen die beiden 1 287 Pfeifen aufeinander abstimmen. Dazu gehören 170 Hölzerne, die einen eher runden Klang haben. 142 Zungenpfeifen sorgen für die Obertöne und 48 dienen als Prospektpfeifen. Sie sind ganz besonders schmuckvoll und ihr Zinnanteil ist höher als bei den anderen. Der Grund: sie sind die einzigen Pfeifen, die man von außen sehen kann. Alle anderen sind gut im Orgelgehäuse versteckt. Die erste Klang-Abstimmung erfolgte bereits im Werk in Bautzen, wo die Orgel testweise einmal aufgebaut worden war. Aber vor Ort muss immer nachgestimmt werden.

In Groß-Zimmern sind 75 Prozent der alten Pfeifen wieder eingebaut worden. „Die Kombination aus alten und neuen Pfeifen ist nicht schwieriger zu intonieren, als eine vollständig neue Orgel“, sagt Hieke, „aber wir sind durch die Klangfarben der alten Pfeifen auf ein gewisses Spektrum festgelegt. Die neuen Pfeifen müssen wir entsprechend anpassen.“

Bis zum heutigen Donnerstag werden die beiden Intonateure beschäftigt sein. Am Freitag erfolgt dann die Abnahme durch den Orgelsachverständigen. Damit gibt es eine Punktlandung der Arbeit der Fachleute. Am Samstag findet um 16 Uhr der Festgottesdienst zur Weihe der Orgel statt, bei der die Öffentlichkeit zum ersten Mal den Klang des Instruments genießen kann. Am Sonntag haben die Interessierten die Möglichkeit, die Orgel näher zu besichtigen. Von 11 bis 13 Uhr und von 14 bis 16 Uhr kann die Empore bestiegen und das neue Instrument genau in Augenschein genommen werden. Am Montag folgt um 17 Uhr ein festliches Orgelkonzert mit dem Regionalkantor Jorin Sandau aus Darmstadt. (bea)

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