Altes Instrument ist bereits abgebaut

Orgellose Zeit ist angebrochen

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Clemens Meier (rechts) von der Orgelbaufirma Eule und Helmut Kriha von der Gemeinde waren mit dem Abbau der Orgel der Groß-Zimmerner Bartholomäus Kirche beschäftigt.

Groß-Zimmern - Am Sonntag wurde die alte Orgel in der katholischen Kirche mit einem Gottesdienst und einem Fest verabschiedet. Am Dienstagnachmittag war das Instrument bereits abgebaut. Der Gemeinde steht nun ein Jahr ohne Orgel bevor. Von Ulrike Bernauer 

Die Durststrecke überbrücken helfen sollen ein E-Piano, andere Musikgruppen und die Vorfreude auf die neue Orgel. „Wir müssen in Zukunft einfach lauter singen“, antwortete Barbara Wörtche, Dirigentin des katholischen Kirchenchors, auf die Frage, wie denn die katholischen Gläubigen nun ein Jahr orgellose Zeit aushalten sollen. Nach einem Abschiedsfest am Sonntagabend war die Orgel am Dienstagnachmittag bereits restlos von der Empore verschwunden. Ein Jahr wird es nun dauern, bis die katholische Kirche wieder über eine Orgel verfügt, am Erntedankfest am 2. Oktober 2016 sollen zum ersten Mal die Register gezogen werden.

Beim Abschiedsfest zog Manfred Göbel, der Vorsitzende des Orgelfördervereins noch einmal ein Resümee über die Geschichte der Orgel. 1904 wurde die Kirche eingeweiht, bereits vier Jahre später, im Jahr 1908 gab es die erste Orgel. Die kostete damals 7 500 DM, ein gewaltige finanzielle Kraftanstrengung, für die gar nicht so große Zimmerner Gemeinde. 1910 wurde dann bereits das Pfarrhaus gebaut.

Die neue Orgel wird ein wenig mehr kosten als ihr Vorgänger, 250 000 Euro sind veranschlagt. Laut dem neuesten Spendenbericht von Rechner Helmut Kriha wurden bis jetzt 234 000 Euro eingenommen. Sowohl Göbel als auch Kriha würden sich freuen, wenn die Spendenwilligkeit der Gemeindemitglieder auch weiter anhielte. Nicht nur, damit der Restbetrag von 16 000 Euro noch gezahlt werden kann, sondern auch noch aus zwei weiteren Gründen.

Die Beauftragung der Orgel liegt schon vier Jahre zurück, auf den Betrag kommt noch der Inflationsausgleich, der im Wesentlichen den höheren Löhnen geschuldet ist. „74 Prozent der Orgelkosten bestehen aus dem Lohnanteil“, sagte Göbel. Zudem hätte man gerne auch noch zwei weitere Register, das Trompetenregister würde noch einmal mit knapp 8 000 Euro zu Buche schlagen, das Posaunenregister mit etwa 5 500. Letzteres wäre allerdings gebraucht und ob es dann in Zimmern landet, ist noch fraglich, auch eine andere Gemeinde hat ihren Blick darauf geworfen.

Die Spenden waren durch viele Einzelpersonen, aber auch Firmen und Betriebe, aufgebracht worden. Berühmt sind inzwischen auch die Orgelaktionen, die Göbel beim Fest auch noch einmal darstellte. Hier hatten sich örtliche Geschäfte bereitgefunden, von bestimmten Artikeln einen Teil des Erlöses dem Orgelförderverein zu spenden. Der Dank für die beteiligten Geschäftsinhaber war dann immer eine Mini-Orgel, deren Besitz ihre Eigentümer als Ehre betrachten.

Zwar sind die Gemeindemitglieder nicht glücklich darüber, dass sie nun ein Jahr ohne Orgel auskommen müssen. Als Ersatz wird ein E-Piano die orgellose Zeit überbrücken. Viele Zimmerner trösten sich aber auch damit, dass es noch viele andere musikalische Gruppen in der Gemeinde gibt. So verweist Ursula Düsel auf den Flötenkreis, den Bläser- und den Kirchenchor. „Vielleicht springt ja auch mal die Band Crescendo aus Klein-Zimmern ein, wir sind ja eine sehr lebendige Gemeinde.“ Gerd und Roswitha Stapp sehen das pragmatisch, „es muss sein, weil es nicht anders geht, aber natürlich freuen wir uns schon jetzt auf die neue Orgel.“

Am Dienstagabend waren die wiederverwertbaren Teile der Orgel, 17 von insgesamt 24 jetzt bestehenden Registern, schon in Bautzen, wo die Orgelbaufirma Eule ihren Sitz hat. Clemens Meier und Marcus Tetem von der Eule benötigten mit Hilfe von Gemeindemitgliedern nur einen Tag, um das Instrument abzubauen. „Die Orgel hier ist gut zugänglich“, freuten sich die beiden. In Bautzen wird erst im Februar mit den Arbeiten an der Zimmerner Orgel begonnen. Allerdings wollte die Gemeinde diese frühe Abholung, weil auch die Empore, auf der die Orgel stand und auch wieder ihren Platz finden wird, umgestaltet werden soll.

In der Nische, in der die Orgel bis jetzt ihren Platz hatte, wurden auch schon drei bis jetzt unsichtbare Fenster freigelegt. „Die Empore ist nun richtig schön hell“, freute sich Kriha am Mittwochabend. In diese Nische wird im kommenden Jahr nur noch die Technik der Orgel eingebaut. Die Pfeifen werden links und rechts des Fensters im Portal ihren Platz finden. Diese Anordnung entspricht dann der ursprünglichen Orgel aus dem Jahr 1908.

Bis Juli will die Firma Eule die Orgel soweit fertig gestellt haben, dass sie in den Räumen des Betriebes aufgebaut werden kann. Vorher wird jede einzelne Pfeife gestimmt. „Jede Pfeife hat bei uns schon in der Firma geklungen“, sagt Meier, „alle zusammen werden dann aber erst hier in der Kirche wieder ertönen.

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