Kerbdenkmal sieht aus wie St. Bartholomäus

Bewährtes und ein neuer Stern

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Wie immer mittendrin platziert: Thomas Beutel im Einsatz für das Kerbsymbol. -

Groß-Zimmern - „Ab in die Cloud!“ So könnte die närrische Aufforderung in die Sitzungspause lauten, denn die vielen Raucher vor den Türen der Mehrzweckhalle sorgen für eine mächtige Wolke.

Drinnen hat sich so etwas wie ein Flashmob zusammengetan, mittendrin die Ihring-Sisters, die entgegen ihres Vortrags im ersten Teil der Groß-Zimmerner Pfarrfastnacht tatsächlich gertenschlank sind. Getanzt wird kollektiv auf „Macarena“. So kann man sich auch die zwei mal elf Minuten vertreiben, bis es weitergeht im Programm. Den Flashmob, die Rückkehrer aus der Cloud und all die anderen der rund 500 Besucher begrüßt nun Norbert Pullmann, der von Rosemarie Busch-Maiwald das närrische Ersatzzepter übernommen hat. Der havarierte Faust weilt trotz seiner Verletzung unter den Zuschauern, und nach all den Jahren vermisst man seine manchmal etwas holprigen Moderationen doch irgendwie. Gleichzeitig hofft man, es möge keinen Zusammenhang geben zwischen der Tatsache, dass der Traditionspräsident außer Betrieb gesetzt ist, und dem Wunder, dass diesmal die sonst so tückische Technik von Anfang bis Ende funktioniert. Pullmann kann gleich eine ganz große Nummer ankündigen.

Die „Zimmner Leit“ (Manfred Göbel, Thomas Beutel, Dieter Emig, Gabi und Georg-Heinz Geier, Otto Sorrentino und Otto Herdt) befassen sich mit den Plänen für das Kerbdenkmal auf dem Rathausplatz, insbesondere mit der Farbgestaltung, schließlich gibt es in Groß-Zimmern ja rot-weiße, blau-weiße und grün-weiße Kerbjahrgänge. Gaststar Christian Rauch, zu dessen priesterlicher Berufsbekleidung die schwarze Gesichtsmaske doch eher nicht gehört, sorgt schließlich für Klarheit: da die hochheilige Groß-Zimmerner Kerb ja in einem Kirchenpatronatsfest wurzelt, sieht das Kerbdenkmal aus wie der Heilige Bartholomäus, der zudem eine gelb-weiße Schärpe in den Farben der Katholiken trägt.

Herdt hat eingangs eine hendrix-gleiche Version der Zimmerner Nationalhymne abgeliefert, am Ende wird sie aber in der üblichen Manier mit Hand aufs Herz und Beute als Heldentenor angestimmt.

Bilder: Pfarrfastnacht in Groß-Zimmern

Als „Fraa aus Dibborsch“ geht erstmals die Dieburgerin Juliane Kempf in die Bütt. Sie arbeitet im katholischen Kindergarten in Groß-Zimmern, und natürlich liefert die Spannung zwischen Wohn- und Arbeitsort viel Stoff für Geschichten und Überlegungen, die immer wieder in die Einsicht münden: „Es hätt aach schlimmer komme könne!“ Das alles hat sie sich selbst zusammengereimt und trägt es mit großer Dynamik vor, so dass am Ende kein Zweifel bleibt: Hier ist ein neuer Stern am Zimmerner Narrenfirmament aufgegangen.

Bezaubernd sind immer wieder die „Huppdohlen“, deren Namensgebung ja von närrischer Selbstironie kündet. Statt athletischer Verrenkungen gibt es wieder einmal eine gefällige Choreografie, der die schwarz-weiße Kostümierung und phasenweises Schwarzlicht besondere Reize verleihen.

Und dann künden die zahlreichen Mannen vom „Viehtrieb“ - der Name bezeichnet eher einen Groß-Zimmerner Weg als eine Empfindung - auf der Bühne vom nahenden Ende. Vor dem Finale breiten sie aber zur Freude des Publikums wieder einmal ihr umfangreiches Stimmungslieder-Repertoire aus.

hol

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