Pläne für die Rathausplatzgestaltung am Rande der Wahl

Großes Interesse an Entwürfen

Groß-Zimmern - Der „rote Platz“ ist im Zuge der Ortskernsanierung in den 1970er Jahren entstanden und war der gut gemeinte Versuch, in einem Dorf ohne Marktplatz eine Ortsmitte zu definieren. Funktioniert hat das wohl nie. Jetzt haben einige Landschaftsarchitekten neue Ideen geliefert.

Der Entwurf von Michael Jansen und Karl Müller kam auf den ersten Platz.

Die Ergebnisse eines Architektenwettbewerbs waren gestern in der Mehrzweckhalle ausgestellt, in der sich am frühen Nachmittag zahlreiche Wähler tummelten und zugleich von der Möglichkeit Gebrauch machten, die neun Planskizzen nebst Erläuterungen in ersten Augenschein zu nehmen. „Wir mussten erst das OK abwarten, ob es auch legitim ist, die Ausstellung parallel zur Wahl zu zeigen“, kommentierte Bürgermeister Achim Grimm die kurzfristige Ankündigung. Anders als beim Kreuzchenmachen in der Kabine hatten die Besucher dabei keine Wahlmöglichkeit, denn die hatte eine Jury bereits vorweg getroffen. „Wir haben einen ganzen Tag diskutiert“, berichtete Jury-Mitglied und Gemeindevertreter Friedrich Faust (CDU). Gewiss war der Weg zur Entscheidungsfindung nicht einfach, denn die eingereichten Vorschläge unterscheiden sich - ähnlich wie die Programme der Parteien zur Wahl - nicht durch radikal verschiedene Ansichten des Platzes und seiner Funktionen.

„Der Platz sieht grüner und übersichtlicher aus“, beschrieb Mark Czerny seinen erste Eindruck. „Außerdem hat man so mehr Platz bei der Kerb“, meinte Hans-Peter Weimer. Viele Betrachter waren sich einig, dass kein einziger der neun Beiträge einen wirklich neuen Blick auf den Raum eröffnet. „Die nehmen was weg und tun es in einer neuen Anordnung wieder hin“, war ein oft gehörtes erstes Fazit. Dabei ist den Entwürfen allerdings gemeinsam, dass die funktionslosen Backstein-Pylonen auf dem Platz verschwinden sollen. Und das bisher ohne wirklich nachvollziehbaren Grund als eigenfriedete Empore definierte Biergärtchen der Mehrzweckhallen-Gastronomie soll auf Platzniveau gebracht werden.

Mark Czerny und Hans-Peter Weimer betrachten die Pläne.

Mehr Veränderungen als auf dem Rathausplatz selbst sind im Stichstraßen-Bereich südlich des Rathauses zu sehen, wo vor allem die Parkplatz-Situation neu geordnet werden soll, um 50 und mehr Stellplätze anbieten zu können. In manchen Entwürfen wird die offene, ebene Fläche auch als kulturell nutzbares Areal definiert, mit dem Nachteil, dass die Stellplätze entfallen, wenn dort Feste gefeiert werden. In fast allen Entwürfen wird zudem die Zahl der Stellplätze an der Kreuzstraße reduziert, und das, obwohl dort ein Arztzentrum mit acht Medizinern den Großteil der Gesundheitsversorgung der Bevölkerung stemmt und es deswegen schon jetzt zu Parkraum-Engpässen kommt.

Auch abends entspannt sich die Situation wegen der Konzentration gastronomischer Betriebe in diesem Bereich nicht wirklich. Obwohl der so genannte „demografische Wandel“, das Altern der deutschen Gesellschaft, inzwischen überall in der Politik ein Thema ist, hat der wachsende Bedarf an Stellplätzen in unmittelbarer Nähe eines größeren Ärzte-Zentrums keinen Eingang in die Planung gefunden. Einen Kinderspielplatz für den damit nicht gesegneten alten Ortskern sucht man in allen Entwürfen ebenfalls vergebens, das Thema „Brunnen“ wird nur vereinzelt aufgegriffen, die alte Achse der Jahnstraße bleibt unbeachtet, Bäume und Betonbänke werden über die Fläche verteilt und schränken ihre multiple Nutzbarkeit ein. Vielfach war gestern auch zu hören, dass der „große Wurf“ nicht unter den Entwürfen ist. Die Jury hat aber bereits am 24. Februar entscheiden.

„Exedra“ von Karl Müller und Michael Jansen, Landschaftsarchitekten aus Wiesbaden ist auf Platz eins. Die Entscheidung der Jury und der Entwurf werden heute in einem Pressegespräch im Rathaus erläutert. J hol/guf

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