Ungleiche Verteilung von Lebensmitteln

Wegwerfmentalität hier – Hunger dort

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Die Ressource Lebensmittel lieferte Diskussionsstoff: auf dem Podium saßen (von links) Michael Gahler, Jens Zimmermann, Agnes Scheurich, Hans Trumpfheller.  

Groß-Zimmern - Wer sich von Talkrunden Lösungen erhofft, ist fehl am Platz. Auch bei der Podiumsdiskussion im Glöckelchen wurde, trotz hochkarätiger Besetzung, der Stein der Weisen nicht entdeckt. Von Ursula Friedrich 

Aber: Zum Thema „wir Europäer werfen es weg - davon könnte Afrika leben“ wurden Probleme beim Namen genannt und unterschiedliche Sichtweisen machten die Dimension der Verschwendung und Produktion von Lebensmitteln transparenter.

Worum ging es? Um zu niedrige Lebensmittelpreise. Um die Nöte der hiesigen Landwirte. Um das Diktat des Weizenpreises auf dem Börsenparkett, das Groß-Zimmerns Landwirt ebenso betrifft, wie den Kleinbauern in Kasachstan. Um hessische Milch und Hunger in Afrika. Moderator Tom Hicking brachte es auf den Punkt: „Letzlich können wir die Verbraucher nur aufklären und regionale Produzenten unterstützen!“ Dass gerade in Deutschland bezüglich Lebensmitteln eine Wegwerfmetalität herrscht, liegt, so Friedrich Faust aus dem Publikum, „an den  viel  zu niedrigen Lebensmittelpreisen, sogar Hunde- und Katzenfutter ist teurer“.

Hans Trumpfheller, Vorsitzender des Regionalverbands Starkenburg, bot kürzlich hiesige Produkte zu jenem Preis an, den Produzenten an ihrer Ware verdienen: „Das Brötchen gab es für zwei Cent, das Würstchen zu 19 Cent. Ein großer Feind der regionalen Nahrungsmittelpreise ist die Globalisierung.“ Natürlich könne das Rad nicht zurückgedreht werden, so Trumpfheller, der jedoch für die Subvenionierung einzelner Produkte durch EU-Gelder plädierte, statt der nun gängigen Direkthilfe für EU-Landwirte.

Ist regionale Ernährung ein Lösungsansatz?

So könne etwa die Qualität der Odenwälder Milchwirtschaft über Vermarktungsstrategien beworben werden. Verbraucher zahlten mehr, um lokal und gesund einzukaufen. Beim Groß-Umstädter Weins, der über die Odenwälder Winzergenossenschaft vertrieben wird, sei dies geglückt. Ist regionale Ernährung mit hochwertigen Lebensmitteln ein Lösungsansatz? Sind Bioprodukte oder vegane Ernährung vorzuziehen? Welche Effekte gibt es durch globale Freihandelsabkommen und das kontrovers dikutierte Transatlantische Freihandelsabkommen zwischen Europa und den USA? „Die USA sind ein großer Produzent, wir müssen uns auf ausbalancierte Subventionen einigen“, meinte der CDU-Europaabgeordnete Michael Gahler.

Die EU habe es nicht geschafft, die Biolandwirte entsprechend zu unterstützen“, kritisierte die italienische Teilnehmerin Eva Ucella, „interessant, die Probleme sind bei uns die gleichen!“ Jens Zimmermann, SPD-Bundestagsabgeordneter und Halbveganer philosophierte, „in der veganen Ernährung spielen häufig exotische Lebensmittel eine Rolle - ist das sinnvoll?“

„Wir leben im Überfluss, ist die Gurke krumm, die Banane braun, werfen wir sie weg“, sagte die in Groß-Zimmern lebende Agnes Scheurich, die aus Ghana stammt. „Nicht der Produzent entscheidet über die Preise, sondern die Börse“, nannte Jens Zimmermann ein Problem der Preisgestaltung von Lebensmitteln. Trumpfheller beschwor insbesondere die politischen Gäste: „Lasst uns regionale Erzeuger nicht verhungern!“ Sein Credo: „Nur wenn wir die Globalisierung eindämmen, hat Lokales eine Chance.“

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