Reparaturcafé im Mehrgenerationenhaus

Kaffeeautomat, Föhn und Co.

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Ronald Hillgärtner (r.) hat aufmerksame Zuschauer bei der Reparatur einer Stereoanlage.

Groß-Zimmern - Langweilig wurde den Reparateuren am Dienstag im Mehrgenerationenhaus durchaus nicht.

Die großen Vorteile des Reparaturcafés haben sich offensichtlich herumgesprochen und so kamen einige Bürger, die elektronische Geräte brachten, die ihre Funktion eingestellt hatten. Ronald Hillgärtner und Stefan Wüst, beide auf elektronischem Gebiet sehr begabt, stellen ihre Fähigkeiten schon länger ehrenamtlich in den Dienst der Allgemeinheit. Neuer dabei sind Bernd Grupe, ehemaliger Maschinenbauer und zum ersten Mal dabei ist Azad Mansori aus dem Iran. Sie alle reparieren Elektrogeräte. Die Dame, die sich bis jetzt beim Reparaturcafé um defekten Schmuck kümmerte, musste aktuell aus Gesundheitsgründen aufhören.

Mansori versteht nur schlecht Deutsch. Er ist aus dem Iran geflohen und lebt derzeit als Flüchtling in Zimmern. Grupe unterrichtet ihn in Deutsch und hatte ihn eingeladen, zu kommen. Mansoris Elektrotechnikkenntnisse sind erheblich besser als seine Deutschkenntnisse und so bilden Mansori und Grupe ein gutes Team, das sich beim Reparieren gut ergänzt. Als erstes nehmen sich die beiden einen Föhn vor, bei dem der Ein-und Ausschaltknopf nicht mehr funktioniert.

Nach einer halben Stunde funktioniert der Föhn wieder, der Stecker kann aus der Steckdose gezogen werden. Seine Besitzerin wirft einen Obulus in das Spendenschwein und zieht glücklich von dannen. James Rex kommt aus Dieburg, er hat eine Stereo-Anlage unterm Arm, die CD-Wechselfunktion hat ihren Geist aufgegeben. Die Übeltäter stehen bald fest: Dichtgummis haben als Verschleißteile ausgedient. Kaum hat Hillgärtner die Ersatzteile eingebaut, werden die CDs auch wieder wie gewünscht gewechselt. „Das Gerät ist wohl zehn bis 15 Jahre alt und ich bin glücklich, dass ich es nicht ins Fachgeschäft bringen muss“, sagt Rex.

Ingo Hornung hat den Engländer, der vor Jahren berufsbedingt nach Darmstadt kam, begleitet. „Ich habe ein altes Röhrenradio von meinem Großvater zu Hause. Das funktioniert mal, dann wieder nicht. Wenn es den nächsten Aussetzer hat, dann komme ich auch her.“ Das Radio hat für ihn Erinnerungswert, außerdem findet er den Klang wesentlich weicher als den der heutigen Geräte. Jürgen Lutz aus Reinheim hat eine Espressomaschine mitgebracht. Der gibt Reparateur Wüst zunächst wenig Chancen, aber nach einer Stunde Arbeit sieht der Fall schon wesentlich hoffnungsvoller aus.

Das nächste Reparaturcafé öffnet am Nikolaustag, 6. Dezember, von 17 bis 20 Uhr seine Türen im Mehrgenerationenhaus.

Im Januar fällt es ferienbedingt aus, im Februar wird am ersten Dienstag im Monat wieder repariert.

„Ich habe zum einen nicht so viel Geld“, begründet Lutz seinen Besuch beim Reparaturcafé, „zum anderen sorgt ein repariertes Gerät dafür, dass nicht noch mehr Elektromüll entsteht.“ Eva Siebler, ebenfalls aus Dieburg, hat eine Küchenmaschine mitgebracht. Die war sehr teuer und durch verschiedene Umstände wollte ihre Besitzerin sie erst in Betrieb nehmen, als die Garantie schon fast abgelaufen war. Nun hofft sie, dass Grupe auch hier fündig wird und das Teil wieder zum Laufen bringt.

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