Wohnen, lernen und golfen

Richtfest für die „Golfakademie“ mit Boarding House

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Zimmermann Andreas Weis beim Richtspruch. Noch ist das Dach der Golfakademie nicht fertig.

Groß-Zimmern - „Gut, dass es gerade nicht regnet“, freut sich eine Besucherin, während sie die Pfützen auf dem Beton umgeht, der zum Innenhof der „Golfakademie“ gehören wird. Von Gudrun Fritsch 

Ähnlich wie die meisten Besucher betrachtet sie das Bauprojekt neben dem Golfplatz seit Jahren mit Neugier, denn auch die Vereinsaktiven wissen nicht so recht, was hier entsteht. Der Dachstuhl ist zwar nicht ganz fertig, aber am Donnerstag wird Richtfest gefeiert. Das Wetter könnte besser sein, nicht nur zum Golfspielen. Aber die Stimmungslage von Zimmermann Andreas Weis, Investor Peter Kolb und gut 50 Besuchern ist „eitel Sonnenschein“.

Lang hat es gedauert, bis aus einer Idee steinerne Wirklichkeit geworden ist. Im zweiten Quartal 2017 sollen die Arbeiten endgültig abgeschlossen sein. Dann steht auf dem Gelände, das einst ein verfallener Aussiedlerhof einnahm, ein Gebäude, dem mit seinen Bögen, seiner verkröpften Fassade und der Farbgebung viel „Toskana“ verordnet worden ist. Südliche Leichtigkeit soll das signalisieren, Entspannung, aber auch eine gewisse Gediegenheit. Jetzt wird erst einmal Richtfest gefeiert. Nach altem Brauch mit dem Wunsch: „Gesundheit, Glück auf allen Wegen, in Frohsinn ein behaglich Leben. Drum Glas, zersplittere im Grund, geweiht sei dieses Haus zur Stund!“, lässt der Zimmermann den Kelch nach dem Richtspruch auf dem Boden des Innenhofs zerschellen.

Fünf Millionen Euro hat Investor Peter Kolb aus Dieburg ausgegeben, der mit seiner „kolbinvest“ bundesweit Wohn- und Gewerbeimmobilien entwickelt. „Wir haben in den vergangenen Jahren natürlich auch zahlreiche andere Projekte realisiert“, so lautet ein Teil seiner Begründung, warum zwischen den ersten Ideen 2009 und dem Richtfest 2016 so viel Zeit vergangen ist.

Gewiss wird hier ein längerer Aufenthalt nicht für jeden bezahlbar sein, aber Richtfest feiern Arbeiter, Planer, potenzielle Nutzer und Investoren gemeinsam.

In seiner kurzen Begrüßungsansprache nennt er noch andere Gründe, die er später im Gespräch mit der Presse präzisiert. „Da war dieser Aussiedlerhof, an den wir uns alle noch erinnern. Bernd Pullmann (der Betreiber des Golf-Sport-Parks Groß-Zimmern) und ich haben uns 2009 Gedanken gemacht, wie man das Gelände anders nutzen könnte, denn die Gebäude standen ja leer. Mit der Golfakademie erhielt das Projekt einen Arbeitstitel. Allerdings betraten wir damit Neuland, und das bedeutete auch, dass wir unser Konzept immer wieder überdenken und neu justieren mussten.“ Teil dieser „Neujustierung“ war eine villenartige Wohnbebauung auf einem Teil des Geländes. Anfangs hatten die Groß-Zimmerner Kommunalpolitiker das Projekt noch unterstützt, auch wenn in der „Akademie“ einige Studios für Golflehrer oder Wochenend-Kursteilnehmer vorgesehen waren. Angesichts der überraschenden Wohnbebauung wurden jedoch bald auch kritische Stimmen laut, die sich mit Blick auf den neuen „Ortsteil“ Alte Ziegelei gegen eine weitere Siedlung im Außenbereich wandten.

Die Neujustierung war verbunden mit einer entsprechenden Änderung des Bebauungsplans, die trotz der kritischen Stimmen – vor allem seitens der Grünen – von der Gemeindevertretung mehrheitlich gebilligt wurde. „2013 hatten wir dann die Baugenehmigung, und 2014 konnten wir mit den Arbeiten beginnen“, berichtet Kolb. Teil der Planung war auch eine Reihenhausbebauung in unmittelbarer Nachbarschaft der Akademie, die nun bald fertig gestellt sein wird. „Wir beginnen hier demnächst mit der Vermarktung“, so der Investor.

Für weitere Verzögerungen sorgte der „unerwartet schlechte Baugrund, mit sehr hohen Grundwasserständen“. Aus der „Akademie“ wird nun vor allem ein Beherbergungsbetrieb, ein „Boarding House“, wie es Kolb und seine Managerin Jasmin Samiri bereits in größerem Maßstab in Bad Homburg betreiben. In Groß-Zimmern sind es 27 Apartments mit gediegener Ausstattung, anzumieten für Zeiträume ab vier Tagen bis hin zu mehreren Monaten.

Von der „Akademie“ bleibt ein Seminarraum, in dem sich Kolb Kurse für die Etikette auf dem Golfplatz ebenso vorstellen kann wie Schulungen für Mitarbeiter großer Unternehmen der Region, „die auch im Boarding House wohnen und in ihrer Freizeit auf dem kleinen Neun-Loch-Platz Golf spielen können“. Ein Sportgeschäft für Golfzubehör gehört ebenfalls zum Nutzungskonzept.

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