Yvonne Vogel begeistert wieder mit Cabaret Paris

Roter Faden zieht sich durch das Publikum

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Yvonne Vogel mischt sich gerne unters Publikum, hier hat sie Reinhold Schmidgall am Wickel.

Groß-Zimmern - Stammgast Cabaret Paris war am Samstag wieder im oberen Saal des Glöckelchens zu sehen und hatte viele Gäste angelockt. Ein echtes Wunschkonzert gab es, das Programm durften sich jedoch nicht die Zuhörer aussuchen. Von Ulrike Bernauer

Das haben im Vorfeld bereits die Musiker getan. „Wir wollten mal wieder unsere Lieblingsstücke von ganz früher singen und spielen“, berichtet Sängerin und Frontfrau Yvonne Vogel in der Konzertpause dem Lokalanzeiger. Daraus lasse sich allerdings kaum ein Programm mit rotem Faden machen, weshalb dafür das Publikum zuständig sei. Vogel, die sich gerne unters Volk mischt, bewegt sich bei ihrem ersten Lied im Publikum. Ein Knäuel roter Wolle hat sie dabei, das sie abwickelt und von Hand zu Hand reicht. Die Regieanweisung ans Publikum kommt prompt: „Ihr seid heute für den roten Faden zuständig“, wobei sie vom Ariadnefaden bis zu fadenscheinig alles auf die Rolle bringt.

Begonnen hat das Programm allerdings ohne Vogel. Gitarrist Jens Horn bekennt, dass er in Zimmern geboren wurde, allerdings im Alter von sechs Monaten nach Norddeutschland entführt wurde. An diesem Abend will er den Zimmernern dennoch seine Aufwartung machen. Als Indianer erscheint er mit einer Keize, einem Tragekäfig für Hühner auf dem Rücken, schließlich habe Zimmern ja das Hinkel in seiner Nationalhymne. Nach der Keize habe er lange gesucht, bis er in Zimmern dann fündig wurde.

Das Programm ohne roten Faden begeistert das Publikum. Auch wenn es sich bei fast jedem Lied auf ein neues Thema einstellen muss. Das Verhältnis zwischen den Geschlechtern darf an diesem Abend nicht fehlen und wird aus verschiedenen Blickwinkeln beleuchtet. „Ich habe schlechte Laune“, singt Vogel. Der Grund: ihr Gatte hat sie wegen einen dürren Blonden mit viel Geld verlassen. Ausführlich stellt die Sängerin dann allerdings ihre vielen Trostversuche vor. Deshalb versteht das Publikum auch kaum, als sie wieder in der schlechten Laune versinkt, diesmal allerdings, weil der Ehemann wieder zurückgekommen ist.

In den Topf der Requisite greift sie im Laufe des Abends oft und schnappt sich einen Krückstock und eine Augenklappe, streift einen Gips über, um dann trotz Sommerkleid an einen Piraten zu erinnern. Diese Assoziation ist allerdings grundfalsch, hängt sie sich doch an Besucher Reinhold Schmidgall aus Wiebelsbach fest. Anschaulich beschreibt sie, wie ihr Liebster (Schmidgall) ihr alles mögliche Üble antat. „Du stecktest mein Haar in Brand und hieltest anschließend meinen Kopf unter Wasser, ich verstand nur nicht, warum so lang?“ Gisela Schmidgall rückte nach dieser Vorstellung ein wenig ab vom Gatten, dessen wahres Gesicht sich ihr nun nach vielen Ehejahren offenbart hatte. Auch beim Zimmerner Ersten Beigeordneten Hans Wichmann macht Vogel Station. Hier ist sie allerdings nicht Opfer, sondern Täterin. Pferdehaare mischt sie ihm ins Essen und singt: „ich werde dich nie vergessen.“

Nach der Pause erscheint sie im Nonnengewand. Auch hier wieder Thema das Zusammenspiel zwischen den Geschlechtern. Sie wolle gerne zu Jesus beten, aber warum müsse sie dafür eine Jungfrau sein?, fragt sie sich. Jesus selber habe es getan und auch so mancher Pfarrer, für den habe sie aber wohl das falsche Geschlecht, für diese Textpassage kassiert sie viel Gelächter. Sie stellt fest, der Bauch muss weg, eine Reminiszenz an Helen Vita, Brigitte Mira und Evelyn Kühnecke, drei Sängerinnen und Kabarettistinnen der ersten Stunde. Auf die Bühne kommt auch Helmut Qualtinger mit seinem dialektischen Materialismus-Rock. Beim Wunschprogramm gibt"s auch Soli. Akkordeonist Jochen Bernhard und Gitarrist Holger Fehr dürfen alleine das Publikum unterhalten. Dem gefällt das Programm mit und ohne roten Faden sehr gut, auch wenn es sich bis zum Ende auftragsgemäß im Ariadnefaden ordentlich verstrickt hat.

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