Runder Tisch Flüchtlinge in Groß-Zimmern

Ehrenamtliche am Limit: „Stelle schnell besetzen“

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Elisabeth Glaser, Lehrerin im Ruhestand, unterrichtet im Pfarrzentrum. Sechs Helfer bieten ebenfalls Deutschnachhilfe für Flüchtlinge an.

Groß-Zimmern - 110 weitere Flüchtlinge muss die Gemeinde im ersten Quartal aufnehmen. Wie viele Menschen 2016 tatsächlich hinzukommen werden ist ungewiss. Fest steht, dass der Arbeitskreis bereits jetzt an die Grenzen des ehrenamtlich Leistbaren stößt. Von Gudrun Fritsch 

Mitglieder des Runden Tisches beschrieben am Dienstag im Sozialausschuss ihre Arbeit. Mit Ulrike Schultheis, Yanni Mönch, Helmut Ortgies und Kurt Werdecker waren gleich vier Vertreter des Runden Tisches Flüchtlinge zur Sitzung des Sozialausschusses gekommen, um auf die Brisanz der Sache hinzuweisen und die Kommunalpolitiker über den Stand der Dinge zu informieren. Rund 40 Aktive seien regelmäßig im Einsatz, beschrieb Schultheis. Inzwischen wurden spezielle Arbeitsgruppen zu Themen wie Deutschunterricht, Wohnungssuche, Freizeitgestaltung, Ausbildung oder Praktika gebildet und Paten für jede Flüchtlingsfamilie berufen. Die Deutschkurse seien gut besucht, allerdings habe es im Dezember etwas Verwirrung gegeben, weil ohne Absprache Volkshochschulkurse hinzu kamen.

Als Koordinatorin ist Schultheis - ehrnamtlich wie alle Helfer - für die Besetzung und Zusammenarbeit der einzelnen Gruppen zuständig und lädt alle zu monatlichen Beratungs- und Informationstreffen mit Vertretern aus Kirchen, Gemeinde, Sozialer Stadt und Mehrgenerationenhaus ein. „Für einige von uns ist die Arbeit sehr zeitintensiv“, beschrieb die Koordinatorin. Besonders die Familienhelfer würden fast täglich gebraucht, wenn es um Fragen zu Schule oder Kindergarten gehe. „Es ist sehr angenehm, mit den Flüchtlingen hier zu arbeiten. Sie sind freundlich und dankbar, aber sie brauchen eben in sehr vielen Dingen einfach noch Hilfe“, betonte Schultheis.

Übungsdialoge auf Deutsch: Fleißig lernen die Flüchtlinge Sprache. In diesem Kurs sind überwiegend Frauen.

Die Gemeinschaft in den Unterkünften sei sehr gut. Das liege auch daran, dass in Zimmern relativ viele Familien angekommen seien. Besonders schwierig sei es, Wohnungen zu finden für diejenigen, denen Asyl gewährt wurde und die somit eigentlich den Platz in der bisherigen Unterkunft räumen müssten. Auch für Arztbesuche oder das Stellen von Anträgen sei dringend der Einsatz eines Hauptberuflichen erforderlich. „Wir fühlen uns oft allein gelassen“, klagte Schultheis und appellierte an alle Zimmerner sich zu überlegen, ob und wie sie selber mithelfen könnten.

Derzeit gibt es keinen hauptamtlichen Betreuer. Groß-Zimmern hat als eine von neun Kommunen im Landkreis von der Option Gebrauch gemacht, Stellen zur Betreuung der Flüchtlinge gegen Kostenerstattung seitens des Kreises selber auszuschreiben und zu besetzen. Bei einem Schlüssel von 120 Flüchtlingen auf einen Sozialarbeiter müsste die Gemeinde schon jetzt mindestens eine halbe Stelle zusätzlich einplanen. „Wir haben rund 50 Bewerbungen erhalten und werden demnächst erste Gespräche führen“, berichtete Bürgermeister Achim Grimm und dankte den Ehrenamtlichen für ihren Einsatz. Zudem wolle man die Vereine weiter um Unterstützung bitten, denn „hier kann Integration gut funktionieren“, so Grimm.

Spenden sind weiterhin dringend nötig. Demnächst soll ein Raum im Haus Elisabeth als Sozialkaufhaus eingerichtet werden und Werdecker wies darauf hin, dass unbedingt ein Lagerraum für Großteile und Möbel benötigt wird. Außerdem seien Fahrräder willkommen. „So sind die Menschen etwas mobiler.“ Zur besseren Information sei auch eine Homepage in Arbeit, berichtete Ortgies.

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