800 Hühner, Tauben, Enten und Gänse gackern um die Wette

Schönheitskonkurrenz in der Geflügelhochburg

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Erfolgreicher Züchter, seit vielen Jahrzehnten: der Zimmerner Ernst Keller mit einem leichteren Exemplar seines Sussex-Geflügels. Die Hähne können bis zu 15 Kilo schwer werden. „Schon mein Vater hatte Geflügel“, berichtet der 85-Jährige und versichert, dass ihn die tägliche Verpflichtung zur Versorgung seiner 25 Tiere fit halte.

Groß-Zimmern - Mit weit über 800 Tieren konnten die Organisatoren der Kreisgeflügelschau einen Rekord verzeichnen. „Rund 200 Tiere mehr als sonst“, bilanzierte Peter Steinbeck am Samstag nach der Siegerehrung.

Schirmherr Klaus Peter Schellhaas hatte es nicht leicht, bei seinem Grußwort den vielstimmigen Chor des Kreatürlichen zu übertönen. Landrat Schellhaas ging einmal mehr auf den Wandel der ländlichen Lebenskultur ein. Im sehr ländlichen Modautal aufgewachsen, kennt er noch die Zeiten, als hinter den meisten Häusern eine 1 000 und mehr Quadratmeter große Wiese als Auslauf für die Hinkel zur Verfügung stand. Das habe sich grundlegend geändert, die Bedingungen für die Geflügelzucht seien deutlich schwieriger geworden, und umso mehr verdienten die Züchter Anerkennung, die dieses Element ländlicher Kultur am Leben erhalten.

Rund 80 von ihnen aus etwa 20 Ortsverbänden präsentierten am Wochenende ihre Tiere bei einer Schau des Kreisverbands Dieburg, dessen Reichweite noch an den Grenzen vor der Gebietsreform orientiert ist, also auch Gemeinde wie Brensbach und Reichelsheim umfasst. Angedockt waren nicht nur die Kreisjugendschau, an der zehn Jungzüchter beteiligt waren, sondern auch die Lokalschauen von Groß-Zimmern und Georgenhausen / Zeilhard. „Für manche Ortsverbände ist es sehr schwierig geworden, Lokalschauen auszurichten“, berichtete Stefan Fröhlich von den Zimmerner Kleintierzüchtern im Gespräch mit der Presse. „Das liegt an der immer dünner werdenden Personaldecke, aber auch die Kosten für kommunale Hallen sind zum Teil ins Unbezahlbare gestiegen.“ Steinbeck, der seinen züchterischen Ehrgeiz mehr auf Kanarien und andere Ziervögel fokussiert, berichtete beispielhaft von den Problemen der Umstädter Kollegen und lobte die Gemeinde Groß-Zimmern, die ihre Mehrzweckhalle den örtlichen Vereinen einmal im Jahr zu vergünstigten Bedingungen zur Verfügung stellt.

In diesem Fall hatte das ja auch was mit der Ortsgeschichte zu tun, denn das Federvieh war ja einmal ein ganz wichtiger ökonomischer Faktor und spielt auch in der Zimmerner „Nationalhymne“ eine Rolle. Passend zitierte Bürgermeister Achim Grimm die Zeile, dass alle Hinkel „ennegedou“ (hineingetan) worden sind, diesmal sogar die Gickel, die ja sonst immer draußen bleiben müssen. Manfred Pentz, Generalsekretär der CDU Hessen, Landtagsabgeordneter und Zimmerner, überraschte mit der Auskunft, dass er selbst „mit mäßigem Erfolg“ züchterisch aktiv war. Seine Bemühungen galten den porzellanfarbigen, federfüßigen Farbenzwergen. An diesem Tag wurde der Mittdreißiger sogar für 20 Jahre Mitgliedschaft bei den Groß-Zimmerner Kleintierzüchtern geehrt.

Der Groß-Zimmerner Verein nutzte den Rahmen für weitere Ehrungen, bedankte sich bei Kurt Röhrig und Marek Paschek für die Hilfe bei der Sanierung der Zuchtanlage an der Angelgartenstraße. Heinz Hack bekam einen Preis für die besten Tauben, Ernst Keller für die besten Hühner, und Wilfried Fröhlich wurde für 50 Jahre Mitgliedschaft geehrt. „Wir hätten den ganzen Aufwand nicht gestemmt gekriegt, wenn nicht die Kleintierzuchten und die Vogelzüchter in Zimmern so gut zusammenarbeiten würden“, berichtete Stefan Fröhlich nach dem Ehrungsreigen. 40 bis 50 Helfer - auch aus anderen Ortsverbänden - seien seit Mittwoch mit dem Aufbau beschäftigt gewesen.

Die zahlreichen Käfige habe man sich zum großen Teil auch bei anderen Ortsverbänden ausleihen und entsprechend markieren müssen. Am Donnerstag seien die Tiere eingesetzt worden und am Freitag haben punkt Sieben in der Früh zehn Preisrichter vor der Halle gestanden. „Und am Katalog haben wir bis spät am Freitagabend gearbeitet“, ergänzte Steinbeck, „denn damit konnten wir ja erst nach Abschluss der Bewertung beginnen.“

Es ist eine lange Liste von Preisträgern geworden, denn bei den Geflügelzüchtern im Altkreis Dieburg wird jeder Kreismeister, der mit seinen Tieren eine bestimmte Punktzahl erreicht. „28 Mal gab es die Höchstnote“, hatte Landrat Schellhaas als positive Bilanz berichtet. Also stehen auf der Liste Richard Brand, Rudolf Brand, Alexander Buchhemer, Elke de Sousa, Gerhard Doerfel, Jens Herbert, Alfred Ehlers, Heinz Hack, Bernd Höreth, Friedrich Hotz, Ernst Keller, Heinrich Knöll, Norbert Knöll, Gregor Koch, Ludwig Krämer, Kai Lippert, Volker Lortz, Bernd May, Karlheinz Mohr, Wilhelm Möser, Zuchtgemeinschaft Ostrowski, Heinz Reinheimer, Reinhold Reis, Werner Riedel, Karl Roßkopf, Helmut Vierheller, Klaus Weiß, Gerd Weyrauch und Werner Winkelmann. Bei der Jugend sind aktuell Lina Amend, Leon-Marco Buchheimer, Stefanie Fröhlich und Jana Herbert Kreismeister. (sr)

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