Wetterfrosch in der ASS als Botschafter gegen Rassismus

Schüler diskutieren angeregt mit Tim Frühling

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Tim Frühling (links), bekannt aus Radio und Fernsehen, ist in der Albert-Schweitzer Schule als Botschafter im Rahmen des Projektes „Schule ohne Rassismus“ zu Gast.

Groß-Zimmern - Tim Frühling ist vielen Menschen bekannt. Im Hessischen Rundfunk ist er in HR3 zu hören, im Fernsehen zuständig für die Wettervorhersage. Am Montag ist er in der Albert-Schweitzer-Schule (ASS), allerdings bringt er den Schülern nicht den Wetterbericht. Von Ulrike Bernauer 

Er ist im Rahmen des Projektes Schule ohne Rassismus gekommen. Frühling selbst bezeichnet sich als Botschafter gegen Rassismus. Zusammen mit einigen Mitarbeitern des SchLAu-Projektes Darmstadt (Schwul Lesbisch Bi Trans* Aufklärung) will er mit den Schülern über das Thema sexuelle Orientierung reden. Rassismus betreffe nicht nur die Diskriminierung von Menschen anderer Nationen, sondern könne auch beispielsweise Schwulen oder Lesben gelten, so Frühling, der auch darauf aufmerksam macht, dass sich auch Heterosexuelle ihre geschlechtliche Orientierung nicht ausgesucht hätten.

Mit der Eigen- und Fremdwahrnehmung setzen sich in einer anderen Gruppe Christina Wendt und Minh Luong vom Studierendenwerk Darmstadt auseinander. Sie scheuchen die Schüler aus den zehnten Klassen, die im Übrigen bei beiden Workshops freiwillig mitmachen, erst mal von ihren Stühlen. Abstimmen mit den Füßen sollen die Jugendlichen zu Sätzen wie „Oh, Sie haben aber ein süßes Schokobaby!“ oder „Ich weiß, dass in eurer Kultur die Meinung einer Frau nichts zählt, aber hier in der Schule läuft das anders.“ Während sich beim „Schokobaby“ die Schüler in einer Ecke drängen und damit kundtun, dass sie dieses Wort für rassistisch halten, sieht das beim zweiten Beispiel anders aus. Diese Aussage wird von einigen durchaus für rassistisch gehalten, andere hingegen halten sie nicht für diskriminierend.

Anhand von Filmen und im Gespräch versuchen Wendt und Luong die Schüler für rassistische Äußerungen und Einstellungen zu sensibilisieren. „Wir alle haben Vorurteile, teilweise brauchen wir die auch, um überhaupt agieren zu können“, sagt Wendt. „Es ist aber sehr wichtig, dass wir uns dessen bewusst sind.“ Ab und zu sollte man deshalb bei den „Vorurteilsschubladen“ mal einen Frühjahrsputz veranstalten und auch akzeptieren, dass es andere Positionen gibt und dass die eigene Meinung und Wahrnehmung nicht die einzig Wahre sein muss.

Manche Schüler haben selbst Erfahrungen mit „gut gemeintem“ Rassismus gemacht. So berichtet ein Junge mit italienischen Wurzeln, dass er in der Grundschule offensichtlich nur aufgrund seiner etwas dunkleren Hautfarbe in den Unterricht „Deutsch als Fremdsprache“ gesteckt wurde. „Dabei haben wir zu Hause nur Deutsch gesprochen und ich konnte das genauso gut wie die anderen Schüler. Heute würde ich mich wohl wehren. Damals war ich zu klein.“ Eine Jugendliche berichtet, dass sie von manchen Schülern als „Polin“ bezeichnet wird, weil ihre Familie aus dem Land stammt. „Manche haben gesagt: steckt eure Handys weg, die Polin kommt. Inzwischen lache ich darüber.“

Trainerin Wendt fragt die Schüler: „Was macht das mit Menschen, wenn sie immer wieder so etwas hören oder immer wieder gefragt werden, wo sie herkommen, obwohl sie gut Deutsch sprechen und offensichtlich hier aufgewachsen sind?“ Ein Schüler gibt die Antwort: „Sie fühlen sich unter Umständen anders und ausgeschlossen, obwohl es dafür gar keinen Grund gibt.“ Wendt weist auch noch darauf hin, dass auch an der ASS über 30 Prozent der Schüler einen Migrationshintergrund haben und dass in Darmstadt Menschen aus 140 Nationen leben.

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